Bitter hält gesund – und gibt gute Laune

Unsere Vorfahren wussten sie sehr zu schätzen. Bitterstoffe sind nicht nur natürliche Fitmacher, sie stärken auch die Immunabwehr und beheben Verdauungsprobleme – und sie halten dazu auch noch schlank.

Erinnern Sie sich daran, wie Chicorée vor 30 oder 40 Jahren schmeckte? Der innere Spross war derart bitter, dass die meisten den unteren Keil automatisch wegschnitten oder beim Essen das Gesicht verzogen.
Die Landwirtschaft kam deswegen auf die Idee, die Bitterstoffe aus zahlreichen Gemüsen „wegzuzüchten“, um sich den Geschmacksvorlieben des modernen Konsumenten anzupassen, der es lieber süsslich mag. Ob Spargel, Rosenkohl oder Artischocke: Im Supermarkt gibt es heute vor allem mild schmeckende Salate und Gemüse, die nicht mehr so kräftig und bitter sind, wie von der Natur vorgesehen. Was unseren Gaumen erfreut, erweist sich leider als Nachteil für die Gesundheit: „Entbitterte“ Nahrung verlockt zu Völlerei. Beim Verzehr bitterer Lebensmittel hingegen essen wir weniger. Bitterstoffe wirken wie natürliche Appetitzügler und senken zudem den Heisshunger auf Süssigkeiten. Ernährungswissenschaftler vermuten, dass zunehmende Verdauungsbeschwerden und Übergewicht mit unserer relativ „bitterstoff-freien“ Ernährung zusammenhängen.

Seit Jahrhunderten im Einsatz

In traditionellen Heilsystemen – wie der Tibetischen Medizin oder dem indischen Ayurveda – werden bittere Pflanzen seit Jahrhunderten hochgeschätzt. Weil sie erfrischen, anregen, wärmen oder entspannen. Aus Sicht der chinesischen Medizin wirken natürliche Bitterstoffe positiv austrocknend. Da Übergewicht als ein Übermass an innerer Feuchtigkeit angesehen wird, kommen Bitterkräuter zum Einsatz, um diese Feuchtigkeit zu reduzieren.
In der mittelalterlichen Klosterheilkunde wurden allerlei Leiden mit einer „heiligen Tinktur“ aus Enzian, Aloe, Melisse, Galgant und Wermut kuriert. Die Äbtissin Hildegard von Bingen schwor auf heimische Bitterkräuter.

Dass Bitterstoffe in der Ernährung und in Pflanzen-Heilmitteln gesundheitsfördernd sind, bestätigen nun auch moderne Wissenschaftler.

„Bittermittel in Wermutblättern, Enzianwurzel und Löwenzahnkraut wirken therapeutisch gegen Ermüdungserscheinungen, sie fördern die Verdauung, stärken das Immunsystem und helfen zum Teil als natürliches Antidepressivum»,

so Prof. Reinhard Saller, Direktor des Instituts für Naturheilkunde der Uni Zürich.

Fest steht: Bitterstoffe haben ein grosses Wirkspektrum, sie regulieren nicht nur eine gestörte Verdauung. Sie „trainieren“ auch die Schleimhäute. Durch den bitteren Geschmack ziehen sich die Schleimhäute zusammen und dehnen sich dann wieder aus. Dabei können Gifte, Stoffwechselschlacken, Viren und Bakterien sowie Pilze leichter abtransportiert und ausgeschieden werden. Ausserdem wirken Bitterstoffe stark basisch und helfen dem Organismus, zu entsäuern. Nicht ohne Grund sagt der Volksmund: „Was bitter im Mund, ist dem Magen gesund“.

Jetzt zugreifen!

Die Natur hat es gut eingerichtet: Im Februar haben zahlreiche Gemüse, Salate und Früchte Saison, die Bitterstoffe enthalten. Sie helfen, die winterlichen Esssünden auszugleichen und langsam frühlingsfit zu werden. Gönnen Sie Ihrem Organismus eine grosse Portion Bitterstoffe und greifen Sie zu bei:

  • Catalogna
  • Chicorée
  • Cicorino rosso
  • Cicorino verde
  • Chinakohl
  • Endiviensalat
  • Grapefruits
  • Orangen
  • Zuckerhut
Kur mit Kräuterbitter

Um den Mangel an Bitterstoffen auszugleichen, empfiehlt sich eine Kur mit einer Bittertinktur, die es in Apotheken oder Drogerien gibt. „Bitterstoffe sind ein effektives Kosmetikum von innen – ein wahrer Jungbrunnen”, so die bekannte deutsche Heilpraktikerin Hannelore Fischer-Reska. Auf der Grundlage einer alten Klosterrezeptur hat sie ein hochkonzentriertes Tonikum aus 18 bitteren Heilkräutern entwickelt: „Bitterstern“ (50 ml, CHF 32.-, kann auch über Internet bezogen werden: www.schnarwiler.ch)

Das Buch zum Thema

„Die Bitterstoff-Revolution. Natürliche Vorsorge und sanfte Heilung über den Darm“, von Hannelore Fischer-Reska, Südwest Verlag, CHF 30.90

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.

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