Künstliche Befruchtung

Wenn die Kinderlein nicht kommen wollen: Bleibt der Kindersegen aus, kann eine künstliche Befruchtung helfen. Was ist in der Schweiz möglich, was nicht?

In der Schweiz ist jedes sechste Paar ungewollt kinderlos. Obwohl sie ein reges Liebesleben pflegen, bleibt der ersehnte Nachwuchs aus. In der Regel dauert es durchschnittlich sechs Monate, bis eine Frau in Erwartung ist. Wird sie nach einem Jahr regelmässigen Verkehrs ohne Verhütungsmittel nicht schwanger, sprechen Ärzte von Sterilität. Gründe für die Unfruchtbarkeit können Eizell-Reifungsstörungen, beschädigte oder fehlende Eileiter oder qualitativ ungenügende Spermien sein. Aber auch Rauchen, schweres Unter- oder Übergewicht und Stress. Häufig spielt das Alter eine Rolle: Nach dem Motto «Zuerst die Karriere, dann das Kind» schieben immer mehr berufstätige Frauen ihren Kinderwunsch hinaus.

«Den wenigsten ist bewusst, dass die Fruchtbarkeit einer Frau ab 35 Jahren drastisch abfällt und die Chance, schwanger zu werden, entsprechend abnimmt»,

erklärt der Fortpflanzungsmediziner Prof. Bruno Imthurn, Direktor der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie am Universitäts-Spital Zürich.

Gute Chancen

Paare, die sich erfolglos ein Kind wünschen, sollten nach 35 baldmöglichst das Gespräch mit einem Arzt suchen, um die Ursachen ihrer Unfruchtbarkeit abzuklären. Die moderne Schulmedizin bietet heute erprobte Methoden, um der Natur nachzuhelfen. «Mit medizinisch assistierter Fortpflanzung kann man heute in guten Zentren bis zu acht von zehn Paaren helfen», weiss Prof. Imthurn aus eigener Erfahrung an seinem Institut.

Im Schnitt werden hierzulande jeden Tag 210 Babys geboren – fünf von ihnen erblicken das Licht der Welt dank künstlicher Befruchtung.

Was für Möglichkeiten gibt es?

Welche Behandlung einem Paar hilft, Eltern zu werden, hängt davon ab, weshalb es mit der natürlichen Befruchtung nicht klappt. Die gängigsten Methoden sind:

  • Künstliche Besamung mit den Spermien des Partners (Intrauterine Insemination): Das Sperma wird aufbereitet – das heisst, man trennt die kräftigen, beweglichen von den schwachen Spermien – und mit einer Kanüle in die Gebärmutter gespritzt.
  • Bei der sogenannten «Heterologen Insemination» wird die Frau mit den Spermien eines Spenders künstlich besamt. Der Spender bleibt anonym, das Kind hat als Erwachsener aber das Recht zu erfahren, wer sein «biologischer Vater» ist. Seine Identität bleibt 80 Jahre lang im Spenderdatenverzeichnis gespeichert.
  • Bei der Befruchtung im Reagenzglas (In-vitro-Fertilisation) werden die Eierstöcke mit Hormonspritzen stimuliert, um mehrere Eizellen zu erzeugen, die dann der Frau entnommen und ausserhalb der Gebärmutter in einem Glas mit dem aufbereiteten Samen des Mannes zusammengebracht werden. Nach gelungener Befruchtung werden zwei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. «Von zehn Eizellen lassen sich durchschnittlich sechs befruchten, und eine davon entwickelt sich dann zu einem Kind», so Prof. Bruno Imthurn.
  • Mangelt es an guten Spermien, setzen die Ärzte heute in rund 75 Prozent der Fälle auf die «Intracytoplasmatische Spermieninjektion». Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Befruchtung im Glas: Der Samen wird direkt in die Eizelle eingespritzt, um die Chance auf eine Befruchtung zu erhöhen.
Nicht alles ist in der Schweiz erlaubt

Im Gegensatz zu Samenspenden sind Eizellenspenden bei uns verboten. Bei dieser Fortpflanzungsmethode spendet eine fremde Frau ein paar Eizellen, die im Reagenzglas mit den Spermien des Mannes befruchtet werden. Die daraus entstehenden Embryonen werden dann seiner Ehefrau in die Gebärmutter eingepflanzt und das Kind von ihr ausgetragen. Für Frauen über 40 Jahren, deren Fruchtbarkeit nachgelassen hat, ist dies meist die einzige Möglichkeit, noch zum eigenen Wunschkind zu kommen.

Um Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch kostspielige und strapaziöse Reisen nach Spanien, Belgien oder Osteuropa zu ersparen, wo die Eizellenspende erlaubt ist, fordert nun eine Gruppe führender Fortpflanzungsmediziner – darunter auch Prof. Bruno Imthurn – diese Behandlung in der Schweiz zuzulassen.

Kostspielige Behandlung

Die Kosten für eine künstliche Befruchtung sind hoch: Ein Behandlungszyklus kostet zwischen 5000 und 10’000 Franken. Da oft mehrere Zyklen notwendig sind, blättert ein Paar bis zu 30’000.- hin – ohne Garantie auf ein Baby. Schweizer Krankenkassen übernehmen die Kosten für maximal drei Zyklen «lntrauteriner Insemination». Alle anderen Methoden müssen selber berappt werden. Damit nicht nur vermögende Paare den Wunsch nach einem Kind erfüllen können, schlagen hiesige Fortpflanzungsärzte vor, dass die Kassen in Zukunft einen Teil der Kosten für eine künstliche Befruchtung übernehmen sollen.

Infoline Kinderwunsch

Der Verein «Kinderwunsch» ist eine Patientenorganisation, die sich auf das Thema «ungewollt kinderlos» spezialisiert hat. Unter anderem informiert sie über Behandlungsmethoden und testet die 26 Schweizer Zentren für Fortpflanzungsmedizin regelmässig auf ihre Seriosität. Info-Telefon: 0848 86 86 80, www.kinderwunsch.ch

PDF des Artikels: Künstliche Befruchtung

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy