Geheimnis der Heilung

Forschungsergebnisse zeigen: Gedanken und Gefühle haben einen direkten Einfluss auf unseren Körper. Mit inneren Bildern und Fantasiereisen können wir unsere Selbstheilungskräfte aktivieren und verstärken

Ein vermeintlich gelähmter Mann kann plötzlich wieder gehen und braucht seinen Rollstuhl nicht mehr. Bei einer Krebskranken verschwinden Tumore und Metastasten wie von Geisterhand.

Passieren solche unerwarteten Spontanheilungen steht die Medizin meist vor einem Rätsel. Ob es sich dabei tatsächlich um Wunderheilungen handelt, weiss niemand. Fest steht: Immer wieder genesen Menschen, die für die Schulmedizin als unheilbar galten. Das Geheimnis der Heilung ist zwar noch nicht entschlüsselt, neurologische Forschungsergebnisse zeigen aber: Mit unseren Gedanken und unseren inneren Bildern können wir im Körper Veränderungen erzeugen. Denn Gehirn, Drüsen und Immunsystem sind eng miteinander verbunden.

Joachim Faulstich, mehrfach preisgekrönter Autor und Regisseur wissenschaftlicher TV-Dokumentationen, plädiert deshalb, uralte Heilkünste wie Visualisierungen, Schamanen-Rituale, Meditation oder Handauflegen vermehrt in die Schulmedizin einfliessen zu lassen, um die Selbstheilungskräfte zu stärken.

Seit über 20 Jahren beschäftigten Sie sich mit komplementären Heilverfahren. Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Joachim Faulstich: Meine Vorstellung von dem, was medizinisch möglich ist, hat sich auf mehreren Reisen nach Südamerika verändert. Dort habe ich zum ersten Mal Schamanen und ihre Heilerfolge erlebt – und Ärzte, die mit ihnen zusammen arbeiteten und fasziniert von der Möglichkeit waren, auf geistigem Weg Erkrankungen zu beeinflussen.

Sie sagen: Jeder Mensch trägt zwei Persönlichkeiten in sich – eine vernünftige und eine gefühlvolle. Was bedeutet das für die Gesundheit?

Einerseits ist es sehr wichtig, eine Erkrankung „vernünftig“ zu betrachten, also alle Möglichkeiten der Behandlung logisch und rational abzuwägen. Dies ist die Stärke der Schulmedizin. Andererseits spielt das Gefühl, die Intuition, das innere Wissen eine grosse Rolle, wenn wir unsere Gesundheit erhalten oder wieder gewinnen wollen. Diese Ebene zu unterstützen ist die Stärke alter Heilmethoden.

Was ist falsch daran, wenn die Schulmedizin unseren Körper mit einer Maschine vergleicht? Schliesslich gibt es heutzutage doch gute Ersatzteile – wie künstliche Gelenke, Transplantationen usw.

Die Maschinen-Vorstellung entspricht einfach nicht mehr dem Stand unseres Wissens. Körper und Geist sind so eng miteinander verbunden, dass man sie zu Recht als Einheit betrachten kann. Weil dies so ist, können wir ja über den Geist auch den Körper positiv beeinflussen und manche Erkrankungen selbst heilen. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass wir die phantastischen Möglichkeiten der modernen Medizin gering schätzen sollten.

In Ihrem Buch / Film stellen Sie Menschen vor, die für die Schulmedizin als unheilbar galten. Wie kommt es, dass sie dennoch geheilt wurden?

Es gibt leider kein Patentrezept – jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden. So war das auch bei diesen Patienten: Sie folgten letztlich ihrem Gefühl, ihrer Intuition, und vertrauten genau den Methoden, die am Ende gut für sie waren. Letztlich setzten sie aber alle ihren Geist, ihre Vorstellungskraft ein, um die Selbstheilungskräfte zu stärken. Und diese Fähigkeit hat jeder Mensch.

Wie ist es möglich, dass innere Bilder und Fantasiereisen körperliche Prozesse positiv beeinflussen?

Innere Bilder werden vom Gehirn als „wirklich“ erlebt – genauso wie Erlebnisse im Alltag. Wenn Menschen sich intensiv mit klaren Vorstellungen einer Heilung beschäftigen, können sie das Zusammenspiel chemischer Botenstoffe im Körper beeinflussen. Und so lässt sich manchmal wieder ins Gleichgewicht bringen, was durch eine Erkrankung in Unordnung geraten ist.

Wieso gelingt es einigen Menschen, ihre Krankheit mit Visualisierungen zu überwinden, anderen nicht?

Wir können viel erreichen, aber wir sind nicht allmächtig. Es ist kein „persönliches Versagen“, wenn eine Heilung nicht möglich ist.

Wie finde ich einen guten Therapeuten?

Bei der Suche nach einer Methode oder einem geeigneten Therapeuten ist der erste Eindruck wichtig: Nur wenn ich einer Methode und dem Menschen, der sie mir nahe bringt, wirklich vertrauen kann, bin ich auf dem richtigen Weg.

Menschen, die von einer schweren Krankheit genesen, erzählen oft von diesem „Schlüsselmoment“, als sie genau spürten: „Ja, ich werde es schaffen!“ und sich Hoffnungslosigkeit unerwartet in Zuversicht umwandelte. Wie ist ein solcher plötzlicher Wandel möglich?

Dieser Moment ist wirklich oft entscheidend, wie mir viele Patienten erzählt haben. Der Wandel geschieht wahrscheinlich genau dann, wenn der „Körpergeist“ spürt, dass er dem richtigen Therapeuten und der richtigen Methode begegnet ist. Wir wissen viel mehr, als wir im Alltag glauben – deshalb ist es ja so wichtig, auf die innere Stimme zu hören.

In welchem Zustand müssen sich Körper und Geist befinden, damit das Unerwartete möglich wird?

In einem Zustand der Offenheit. Wenn wir alles für möglich halten, aber nichts zwingen wollen, dann ist die Kraft der Selbstheilung am grössten. Das haben Medizinforscher unlängst herausgefunden.

Schulmediziner, die mit Meditationstherapeuten, Schamaninnen oder Handauflegern zusammenarbeiten, sind bisher selten. Wird sich dies ändern?

Die Änderung ist schon im Gang. Immer mehr Ärzte nehmen uralte Methoden in ihr Behandlungskonzept auf, lernen sogar selbst das Handauflegen – oder sie kooperieren mit Therapeuten und Heilern. Die moderne Medizin öffnet sich, weil sie erkennt, dass Technik alleine nicht ausreicht: Menschen brauchen Zuwendung, Verständnis, eine vertrauensvolle Beziehung – und viel Zeit, um gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden.

Das Buch zum Thema

In seinem neuen Buch „Das Geheimnis der Heilung“ zeigt Joachim Faulstich auf, wie sich die Selbstheilungskräfte durch Kombination von Schulmedizin und uraltem Heilwissen aktivieren lassen (MensSana Verlag, CHF 34.50)

PDF des Artikels: Geheimnis der Heilung

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.