Schutz statt Sturz

In den vergangenen zehn Jahren haben Ski- und Snowboard-Unfälle stark zugenommen. Mit Vorbereitung und Verstand könnten zahlreiche Verletzungen verhindert werden.

Die Ausrüstungen zum Skifahren und Snowboarden werden immer sicherer. Dennoch steigen die Unfallzahlen auf den winterlichen Pisten. 2009 ereigneten sich 27‘000 Skiunfälle sowie 9‘000 Snowboard-Unfälle in den Schweizer Bergen. Dies entspricht einer Zunahme von 23 Prozent seit dem Jahr 2000.

Zu den Unfallgründen zählt mit Sicherheit Selbstüberschätzung. Wer aus Übermut oder auf der Suche nach einem Adrenalin-Kick die gesicherten Pisten verlässt, kann schnell an die eigenen Grenzen stossen oder durch mangelnde Geländeerfahrung schlimmstenfalls eine Lawine auslösen. Sicher ist: Viele Unfälle beim Skifahren und Snowboarden passieren wegen fehlender Konzentration und Kondition. Nur 20 Prozent der Pistenunfälle lassen sich auf eine mangelhafte Ausrüstung zurückführen.

Eine weitere Herausforderung sind die heute üblichen, taillierten Carving-Skis, die im Gegensatz zu den früheren „Holzbrettern“ höhere Geschwindigkeiten ermöglichen – und dies bereits im Kindesalter.

Die häufigsten Verletzungen

Beim Skifahren werden am häufigsten die Knie lädiert. Auf Platz zwei liegen Oberarm- und Schulterverletzungen. Der Anteil der Kopfverletzungen lag in den vergangenen Jahren konstant bei rund 10 bis 15 Prozent. Dass diese Art von Verletzungen nicht zugenommen hat, führen Experten darauf zurück, dass die Bereitschaft, einen schützenden Helm zu tragen, gestiegen ist.
Snowboarder-Unfälle sind meist selbst gemacht und selten Kollisionen mit anderen Pistenflitzern, Bäumen oder Masten. Die Herausforderung liegt darin, dass beide Beine fest auf dem Brett verankert sind und gewisse Bewegungen einschränken. Dadurch lassen sich Stürze nicht so leicht abfangen. Die Folge: Brüche der Handgelenke und Unterarme dominieren. Wer ungeübt Sprünge wagt, muss damit rechnen, auf dem harten Schnee aufzuschlagen, was jeden Körperteil verletzen kann.

Gefahr Herzinfarkt

Wenig bekannt ist, dass Pistenrasern nicht nur Bein- und Schulterblessuren drohen, sondern schlimmstenfalls das Herz schlapp machen kann. Wissenschaftler der Medizinischen Universität Innsbruck haben festgestellt: Wer untrainiert in die Skiferien fährt, mutet seinem Herzen einiges zu. Weil Höhenlage, Minustemperaturen und unüblich intensive körperliche Aktivität das Herz extrem stark herausfordern. Das Herzinfarkt-Risiko ist in den zwei ersten Urlaubstagen am höchsten.

So schützen Sie sich

Konsequent Kraft und Kondition aufbauen: Beim Skifahren und Snowboarden werden Rumpf- und Beinmuskulatur besonders stark gefordert. Eine gute körperliche Verfassung verbessert das technische Können und minimiert das Risiko von Stürzen und Verletzungen. Die Suva bietet ein gutes Trainingsprogramm für den Winter an: Die DVD „Top 10“ kann kostenlos über das Internet bestellt werden >>

  • Sich aufwärmen: Beim Skilanglauf reicht es, langsam zu beginnen und erst nach zehn Minuten das Tempo zu steigern. Beim Snöben und Skifahren hingegen braucht es Aufwärmübungen, bevor man auf die Bretter steigt. Dazu gehören z.B. lockeres Traben an der Stelle sowie mobilisierende Übungen für die Gelenke (z.B. Schulterkreisen).
  • Sich nicht überschätzen: Der Grossteil der Pistenunfälle passieren am Nachmittag. Lassen Sie die Bretter stehen, sobald Sie erste Ermüdungszeichen spüren.
    Passen Sie die Geschwindigkeit ihrem Können an – vor allem, wenn Sie sich auf der Sonnenterrasse der Gipfelbeiz ein Gläschen Wein oder einen Kafi-Schnaps gegönnt haben.
  • Bei der Ausrüstung nicht knausern: Eine passende Ausrüstung schützt ebenfalls vor Verletzungen. Dazu zählen nicht nur einwandfreie Bretter, Bindungen und Schuhe, sondern idealerweise auch Helm und Rückenprotektor. Kinder sollten nur mit Helm auf die Piste gelassen werden, denn die Kleinen stürzen öfter und verletzen sich besonders schnell am Kopf.
  • Snowboard-Fahrern sind spezielle Handschuhe mit eingearbeiteten Handgelenksprotektoren zu empfehlen: Gemäss einer norwegischen Studie können sie das Verletzungsrisiko am Handgelenk nahezu halbieren.
Unfallprävention via i-Phone

Besitzer eines i-Phones können die App „Slope Track“ der Suva auf Ihr Handy laden. Diese kostenlose Applikation bietet nicht nur Pistenpläne aller Skigebiete in der Schweiz, sondern misst beispielsweise auch die persönliche Fahrgeschwindigkeit auf der Piste und enthält Anleitungen zur Ersten Hilfe sowie ein Notruftelefon, das die präzisen Koordinaten der (Unfall-)Stelle wiedergibt. Weitere Infos >>

Neu: Pisten für Langsamfahrer

Hohes Tempo auf den Skipisten erhöht die Unfallgefahr. Wer keine Lust hat, Pistenflitzern in die Quere zu kommen, hat neu die Möglichkeit, auf sogenannte „Slow Slopes“ auszuweichen. Das sind Langsamfahrpisten für Geniesser und Anfänger. Wer auf den Slow Slopes schnell fährt statt langsam gleitet, wird vom Pistendienst zurechtgewiesen. Im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojektes wurden „Slow Slopes“ in Grindelwald, Thyon und Zermatt installiert. Die Initianten – Suva, bfu und Seilbahnen Schweiz SBS – erhoffen sich dadurch rückläufige Unfallzahlen beim Wintersport.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.