Zusammen geht es besser

Die Kombination von Tumormedizin und Naturheilkunde kann die Heilchancen bei Krebs stark erhöhen. Aber die Therapien müssen aufeinander abgestimmt sein; sonst kann es zu bösen Nebenwirkungen kommen.

Die Diagnose «Krebs» ist ein Schock. Plötzlich steht man zwischen Leben und Tod und möchte deshalb alles unternehmen, um möglichst schnell zu gesunden. Drei von vier Krebspatienten wenden jetzt Naturheilverfahren an, weil sie sich von der Onkologie nicht umfassend behandelt fühlen. Die wenigsten informieren aber ihren Arzt darüber. Ein «Verschweigen», das fatale Folgen haben kann, denn der falsche Einsatz von Heilkräutern oder Vitaminen kann die Krebstherapie beeinträchtigen.

Was das konkret bedeutet, erklärt Professor Gustav Dobos, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Naturheilkunde. Er engagiert sich zusammen mit dem Brustkrebsexperten Dr. med. Sherko Kümmel an den Kliniken Essen-Mitte für eine «Integrative Onkologie», die schulmedizinische und naturheilkundliche Verfahren aufeinander abstimmt und kombiniert – auf wissenschaftlicher Basis. «Voraussetzung für eine vertrauensvolle Diskussion zwischen Onkologen und Patienten über naturheilkundliche Verfahren ist natürlich das vorhandene Hintergrundwissen des Onkologen», betont er.

GlücksPost: Weshalb verschweigen so viele Krebspatienten ihrem Onkologen, dass sie sich naturheilkundlich behandeln lassen?

Prof. Gustav Dobos: Der häufigste Grund ist die Furcht der Patienten, vom Onkologen nicht ernst genommen und belächelt zu werden. Dies kann in Einzelfällen negative Folgen haben. So können beispielsweise sowohl Grapefruitsaft wie auch Baldrian-Tabletten die Wirkungsweise einer Chemotherapie reduzieren.

Naturheilkundeverfahren können in der Krebstherapie auch helfen. Wo liegt ihr Nutzen?

Die Diagnose Krebs ist für den Patienten in der Regel ein grosser Schock. Dies führt zu einer massiven Stressreaktion des Körpers. Diese wird durch die Behandlung noch deutlich verstärkt und führt dazu, dass der Organismus des Patienten körperlich wie auch psychisch geschwächt wird. Durch den gezielten Einsatz naturheilkundlicher Verfahren können die körperliche Fitness gesteigert, Angst- und massive Stresssituationen ausgeglichen und Nebenwirkungen von Chemotherapeutika verringert werden. Dadurch wird die Krebsbehandlung (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung) besser verträglich, und Therapieabbrüche sind seltener. Insgesamt verbessert sich auch die Lebensqualität des Patienten.

Bei welchen Nebenwirkungen hilft die Naturheilkunde?

Angst, Übelkeit, Depression, Erbrechen, Mundtrockenheit, Gelenkschmerzen nach Anastomosehemmern, Fatigue, postoperative Schmerzen, menopausale Beschwerden wie Hitzewallungen.

Wann gefährden Naturheilmittel eine onkologische Therapie?

Naturheilmittel, die von ihrer Stoffwechselsituation ähnliche Enzymmechanismen wie Chemotherapeutika aktivieren, können zu einer veränderten Wirkung der Chemotherapie führen. Dies wird differenziert auf der Website des Sloan Kettering Memorial Hospital dargestellt (www.mskcc.org/mskcc/html/11570.cfm).

Welche Heilpflanzen und Lebensmittel sollten während einer Krebstherapie gemieden werden?

Unter anderen Johanniskraut, Baldrian, Grapefruitsaft, Granatapfelsaft. Dies ist ausführlich im Buch «Gemeinsam gegen Krebs» erläutert.

Was bringt die Misteltherapie, was kann sie nicht?

Die Misteltherapie ist für viele Patienten der Inbegriff einer naturheilkundlichen Therapie. Es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen, die auch eine positive Wirkung der Misteltherapie unterstreichen. Diese bezieht sich in erster Linie auf die Steigerung der Lebensqualität, auf die Verbesserung des Appetits und die Reduktion von Nebenwirkungen. Eine tatsächliche Lebensverlängerung konnte nicht eindeutig belegt werden.

 Sie setzen auf MindBody-Medizin: Was ist das?

Die MindBody-Medizin unterstützt gezielt die Fähigkeit von Gehirn und Geist, Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Insbesondere gehören dazu Verfahren, die die Entspannungsfähigkeit des Körpers einleiten. Dies sind z.B. Yoga, Meditation, autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Tai-Chi, Qigong und andere Verfahren. Des Weiteren zählen dazu die kognitive Umstrukturierung – der Patient lernt, selbstschädigende Gedanken zu relativieren –, die Integration gesunder Ernährung und regelmässiger Bewegung in den Alltag sowie das Erlernen von Selbsthilfestrategien. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die MindBody-Medizin die von Patienten selbst durchführbaren Verfahren zur Unterstützung der Heilung und Gesundung darstellt.

Buch-Tipp

«Gemeinsam gegen Krebs» von Gustav Dobos und Sherko Kümmel, Verlag Zabert Sandmann, Fr. 38.90.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.