So bleiben Sie beweglich!

Ein Bandscheiben-Vorfall kann sehr schmerzhaft und unangenehm sein, braucht aber selten eine Operation. Ist ein chirurgischer Eingriff nötig, bietet die Medizin heute schonendere Verfahren sowie künstliche Bandscheiben an.

Ohne Bandscheiben wäre unsere Wirbelsäule steif wie ein Besenstiel. Dank dieser beweglichen Verbindungen zwischen den einzelnen Wirbelknochen können wir unser Rückgrat biegen und drehen. Gleichzeitig dienen die insgesamt 23 Bandscheiben als Stossdämpfer bei Erschütterungen – sei es beim Joggen oder Seilspringen.

Bewegung hält die Bandscheiben fit

Eine Bandscheibe setzt sich aus einem bindegewebigen, knorpeligen Aussenring und einem weichen inneren Kern – Gallertkern genannt – zusammen. Die Beschaffenheit dieses Kerns hängt vom Wasserhaushalt ab: Je mehr Wasser er aufsaugt – ähnlich einem Schwamm – desto praller, elastischer und fester ist er.
Dies erklärt, wieso wir morgens etwa 1 bis 2 cm grösser sind als abends: Beim Liegen nimmt der Druck auf die Bandscheiben ab. Über Nacht können sie sich wieder mit Wasser vollsaugen und werden dadurch höher. Mit dem Alter trocknet der Mensch allerdings vermehrt aus, weshalb man an Körpergrösse abnimmt.
Um in Form zu bleiben, braucht das hochsensible Knorpelgewebe nicht nur Wasser, sondern auch Vitalstoffe. Da die Bandscheiben nicht an die Blutzirkulation angeschlossen sind, müssen wir uns bewegen, um sie durch sogenannte Diffusion zu ernähren. Je vielseitiger wir uns bewegen (z.B. Hüften kreisen, sich bücken, gehen, sich nach hinten biegen), desto besser funktioniert die Vitalstoffzufuhr.

Bandscheiben-Vorfall

Durch falsches oder chronisches Heben schwerer Lasten, Fehlhaltungen bei der (Büro-)Arbeit, vererbte Bindegewebsschwäche, eine Schwangerschaft oder einen Treppensturz kann sich der weiche Kern in der Bandscheibe verlagern. Durchbricht der Kern den schützenden Bindegewebsring, nennt man dies einen Bandscheiben-Vorfall. Die austretende Gallertmasse drückt mehr oder weniger stark gegen das Rückenmark oder die Nervenwurzeln. Die Folge: Quälende Rückenschmerzen und Funktionsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Arm, Bein oder am Gesäss sowie Bewegungsprobleme bis hin zu Lähmungserscheinungen oder Harn- und Stuhlinkontinenz. Je nach Ort und Ausmass kann es aber auch sein, dass ein Vorfall keine Beschwerden verursacht und unentdeckt bleibt.

Wärme und Muskelstärkung

Weitaus am häufigsten passieren Bandscheiben-Vorfälle im Lendenwirbelbereich, oft im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Weniger häufig betroffen sind Halswirbel und nur sehr selten die Brustwirbel.
Sind keine Lähmungserscheinungen oder Ausscheidungsstörungen vorhanden, braucht es in der Regel keinen chirurgischen Eingriff.
In rund 90 Prozent der Fälle reichen Schonung (Bettruhe), schmerzstillende Medikamente sowie Physiotherapie mit Fangopackungen, Heilbädern und einem Training zur Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur.

Schonendere Operationsmethoden

Bandscheibenoperationen zählen weltweit zu den häufigsten neurochirurgischen Eingriffen. Heutzutage werden Operationen aber nur noch in schweren Fällen empfohlen, insbesondere bei Lähmungserscheinungen.
Da traditionelle, offene Operationsverfahren im allgemeinen mit Risiken behaftet sind und einen längeren Aufenthalt im Spital mit sich bringen, werden heute vermehrt sogenannt minimalinvasive Verfahren angewendet. Sie werden in lokaler Anästhesie durchgeführt und sind schonender. Dazu zählen beispielsweise mikrochirurgische Eingriffe unter dem Mikroskop: Über einen nur ca. 2 cm langen Schnitt wird der Bandscheibenvorfall durch das Vorschieben eines Hülsensystem entfernt.

Prothesen statt Versteifung

Abgenutzte Bandscheiben können heute vollständig ersetzt werden: Als Alternative zur Wirbelversteifung gibt es künstliche Bandscheiben, die die Funktion einer normalen Bandscheibe imitieren und ermöglichen, beweglich zu bleiben.
Mit der Lumbar-Disc erzielt man in der Schweiz seit rund acht Jahren gute Resultate. Allerdings funktioniert diese Methode nur, wenn der Knochen in gutem Zustand ist. Für ältere Menschen mit fortgeschrittener Osteoporose ist sie nicht geeignet.
Die neueste Methode, Bandscheiben zu ersetzen, ist die sogenannte „Dynamische Fusion“. Eingesetzt werden technologisch hochentwickelte Implantate, die sich aufgrund ihrer Beschaffenheit mit dem Wirbelsäulenknochen verbinden.
Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy