Die launigen Tage vor den Tagen

Vielen Frauen machen die Tage vor den Tagen zu schaffen, sie sind sehr gereizt oder ängstlich. Auslöser des Prämenstruellen Syndroms sind allerdings nicht die Hormone, sondern ein Mangel an Botenstoffen im Gehirn.

Beschwerden vor der Periode kennt jede Frau. Wenn aber Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Brustspannen, Bauchschmerzen, Heisshungerattacken auf Kohlenhydrate oder Wassereinlagerungen die alltäglichen Aktivitäten stören, spricht man von einem prämenstruellen Syndrom, kurz PMS.
Experten schätzen, dass rund 20 bis 50 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter in den Tagen vor der Menstruationsblutung von PMS betroffen sind. Sind die psychischen und körperlichen Beschwerden derart stark ausgeprägt, dass sie das Berufs- und Familienleben deutlich beeinträchtigen, sprechen Fachleute von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS). Daran leidet etwa jede zwanzigste Frau im Menstruationsalter.

Unbekannte Ursache

PMS findet stets in der zweiten Zyklushälfte statt – also in der Zeit nach dem Eisprung bis zum Einsetzen der Blutung. Manche Frauen leiden nur ein paar Tage lang, andere bis zu zwei Wochen. Trotz jahrelanger Forschung ist noch nicht geklärt, was genau die übermässige Reizbarkeit und weitere Beschwerden auslöst. Bislang gingen Forscher davon aus, dass es sich um ein unbekanntes Wechselspiel handeln muss: Daran beteiligt wären einerseits die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron, andererseits die beiden Wohlfühl-Botenstoffe Serotonin und GABA.

Mangel an Botenstoffen

Andrea Rapkin und ihr Forscherteam von der University of California (USA) haben nun eine spannende Entdeckung gemacht: Wenn Frauen vor der Periodenblutung gereizt oder ängstlich sind, hat das nichts mit den Hormonen zu tun! Sondern mit einer erhöhten Aktivität im Kleinhirn. Bei Frauen, die an PMS leiden, verändern sich gegen Ende des Menstruationszyklus die Andockstellen für den Nervenbotenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure). Dies hat zur Folge, dass die entspannenden und angstlösenden Botenstoffe nicht mehr richtig wirken können und die Nervosität zunimmt.
Mangelt es dem Körper an GABA – seinem natürlichen Beruhigungsmittel – äussert sich dies beispielsweise mit Heisshunger auf Süsses, Muskelverspannungen, nächtlichem Schwitzen, Gedächtnisstörungen, Ungeduld, Impulsivität, Angstzuständen, beschleunigter Atmung, beschleunigtem Puls oder Sensibilitätsstörungen.

Natürliches Vitamin B beugt vor

Ein eigentliches Medikament gegen PMS existiert (noch) nicht. Wohl aber Medikamente gegen die Beschwerden, die am stärksten plagen – wie Schmerzmittel gegen Krämpfe, Diuretika zum Entwässern oder stimmungsaufhellende Antidepressiva bei schlimmen psychischen Beschwerden. Vielen Frauen hilft auch die Anti-Baby-Pille. Bewährt haben sich zudem pflanzliche Präparate wie Mönchspfeffer (gegen Brustspannen) oder Johanniskraut (gegen innere Unruhe). Am besten lässt frau sich in der Apotheke beraten.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt das Essen. Mit einer Ernährung, die reich ist an den Vitaminen B1 (Thiamin) und B2 (Riboflavin) lässt sich die Wahrscheinlichkeit, an PMS zu leiden, um rund ein Viertel senken. So das Ergebnis einer langjährigen Studie der University of Massachusetts mit mehr als 3000 Teilnehmerinnen. Allerdings schützen die B-Vitamine nur, wenn sie aus der Nahrung stammen. Mit Vitaminpräparaten hingegen funktioniert es nicht. Gründe dafür könnten sein: Die Bioverfügbarkeit von Nahrungsvitaminen und Vitaminpillen sind verschieden. Oder: Lebensmittel, die reich sind an Thiamin und Riboflavin, enthalten zusätzliche Nährstoffe, die PMS-Symptome lindern. Um dies herauszufinden ist weitere Forschung nötig.

Natürliche Quellen

Folgende Nahrungsmittel sind reich an

Vitamin B1:

  • Hefe
  • Mageres Schweinefleisch, Rohschinken
  • Vollkorngetreide
  • Naturreis
  • Haferflocken
  • Sonnenblumenkerne
  • Hülsenfrüchte

Vitamin B2:

  • Milch, Joghurt und Käse
  • Leber, Niere
  • Hefeextrakt
  • Grünes Blattgemüse
  • Eier
  • Fisch

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.