Ferien für den Kopf

Auch unser Gehirn braucht Pausen vom Alltagstrubel, um in Form zu bleiben: Wer regelmässig meditiert, steigert nicht nur seine Konzentration, sondern baut vor allem auch Stress ab.

Was Nonnen und Mönche Jahrhunderte lang hinter Klostermauern und in Höhlen taten, tun im 21. Jahrhundert neuerdings auch Manager, Musikstars und Models: sie meditieren.

Die Beweggründe sind vielfältig, weshalb immer mehr Menschen die innere Einkehr suchen. Die bekannte Meditationslehrerin und Buchautorin Sharon Salzberg hat Tausende von Menschen in die Kunst des Meditierens eingeführt – von der Patientin mit chronischen Rückenschmerzen über Studentinnen, Sportler, Strafgefangene bis zum traumatisieren Feuerwehrmann (11. September) oder US-Soldat im Irak-Krieg. Gemeinsam war allen: Sie wollten sich besser fühlen – in ihrem Körper und in ihrem Geist.

„Sie suchten Unterstützung gegen Stress, Angst, Schmerzen, Depression und Schlaflosigkeit; sie wollten mit den Symptomen und psychischen Belastungen chronischer Krankheiten wie Herzerkrankungen und Krebs besser umgehen“,

erklärt Salzberg, die selber als achtzehnjährige College-Studentin mit dem Meditieren begann, als sie ein Studienjahr in Indien absolvierte. Nach ihrer Erfahrung wenden sich Menschen auch deshalb der Meditation zu, weil sie kluge Entscheidungen treffen, schlechte Gewohnheiten durchbrechen und sich nach Enttäuschungen schneller wieder fangen möchten.

Abschalten ist überall möglich

Jede und jeder von uns kennt diese mühsamen Zeiten, in denen unsere Gedanken sich im Kreis drehen: „Wieso hat er mich verlassen?“ Oder: „Was habe ich falsch gemacht, dass mein Sohn Drogen nimmt?“ Oder: „Wie schaffe ich es nur, all diese Arbeiten rechtzeitig fertig zu machen?“. Oder: „Wann werde ich endlich wieder gesund?“ Und so rattert es unaufhörlich im Kopf – hin und her, ohne Pause und ohne Ende.
Meditation hilft, diesem Gedankenkarussell für eine Weile zu entrinnen und Abstand vom Alltagsgeschehen zu gewinnen. Dafür muss man nicht nach Indien in einen Ashram fahren oder sich tagelang in die Einsamkeit zurückziehen. Ein paar Minuten Stille am Tag reichen aus, um positive Veränderungen zu spüren. Das haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt. Ob auf dem Liegestuhl am Strand, unter einem schattenspendenden Baum oder im Bett vor dem Einschlafen: Meditieren kann man grundsätzlich überall dort, wo man bequem und mit geradem Rücken sitzen kann. Und ungestört bleibt von Handy-Gebimmel, Kindergeschrei und nervenden Nachbarn.

Sich von Gedanken befreien

Die Auswahl an Meditationstechniken ist gross, angefangen bei der Zen-Meditation über das Wiederholen von Mantras bis zum Drehtanz der Derwische. Die einfachste Meditationstechnik besteht darin, die Augen zu schliessen und sich auf den eigenen Atem zu konzentrieren – bewusst zu spüren, wie man ein- und wieder ausatmet – ohne irgendetwas zu forcieren. Der Atem geschieht von selbst. Kommen Gedanken oder Gefühle hoch, was normal ist, lässt man sie einfach wie Wolken am Himmel weiterziehen. Im Moment der Meditation zählt nur das Hier und Jetzt. Was in der Vergangenheit geschehen ist oder in der Zukunft passieren könnte, ist völlig unwichtig. Es geht lediglich darum, dem Geist eine Pause von stressenden und bewertenden Gedanken zu gönnen, damit er sich beruhigen kann. Bei regelmässiger Meditation verlangsamt sich der Herzschlag, die Atmung wird vertieft und Muskelanspannungen reduziert. Mit fortschreitender Übung wird es möglich, tiefste Entspannung zu erleben und sich gleichzeitig hellwach zu fühlen.

Plastisches Gehirn

Die Reise nach innen löst im Kopf eine ganze Menge aus. Neueste Studien zeigen, dass regelmässiges Meditieren die „Architektur“ des Gehirns umwandelt. US-Forscher konnten belegen, dass bereits acht Wochen Meditation Spuren im Gehirn hinterlassen und helfen, Stress besser abzubauen. Die Hirnregion, die für Ängste und Stressverarbeitung (Amygdala) zuständig ist, hatte sich in diesem Zeitraum messbar verändert.
Regelmässige Versenkung wirkt zudem wie Body-Building fürs Gehirn, weil es die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit verbessert.

Das Buch zum Thema

„Entdecke die Kraft der Meditation – Das 28-Tage-Programm“ von Sharon Salzberg, mit einer Praxis-CD mit vier geleiteten Meditationen (Lotos Verlag, CHF 27.90).

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.