Immunsystem aus dem Gleichgewicht

Chronische Entzündungen sind auf dem Vormarsch und plagen immer mehr Menschen. Linderung verschaffen eine anti-entzündliche Ernährung und regelmässiger Ausdauersport.

Entzündungen sind im Grunde genommen etwas Gutes. Sie helfen unserem Körper, sich vor Eindringlingen – wie Viren, Bakterien und Pilzen – zu schützen, die ihm schaden könnten. Eine Entzündung entsteht, wenn Angreifer oder Fremdkörper es schaffen, bis ins Innerste – also bis in die Zellen – vorzudringen. „Das passiert praktisch ständig: beim Atmen, Essen und Trinken, aber auch, wenn Sie sich in den Finger schneiden oder sich einen Mückenstich aufkratzen – und sogar beim Küssen“, so die Medizinautorin Dr. Nicole Schaenzler.

„Wichtig ist, dass sich die Eindringlinge nicht im ganzen Körper ausbreiten, um am Ende gar das Kommando zu übernehmen.“

Zuständig für die Gegenwehr und das rasch möglichste Neutralisieren der unerwünschten Eindringlinge ist unser Immunsystem. Die Abwehrreaktion läuft in der Regel überall im Körper nach dem gleichen Muster ab: Durch die vermehrte Blutzufuhr – mit Zellen der Immunabwehr im Gepäck – rötet sich das Infektionsgebiet, schwillt an und wird warm.

„Ob eine Infektion harmlos bleibt oder gefährlich wird, ob sie starke oder weniger starke Beschwerden verursacht, hängt vor allem davon ab, wie infektiös der Erreger ist und wie gut es um die Abwehrfähigkeit des Immunsystems bestellt ist“,

so der Münchner Entzündungsforscher Prof. Eugen Faist.

 Epidemie der Moderne

Diese natürliche, angeborene Abwehrreaktion gerät nun bei immer mehr Menschen ausser Kontrolle. Ihre Organe, ihre Gewebe entzünden sich offenbar grundlos – zumindest ohne Angriff durch Krankheitserreger. Typische Beispiele sind Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Neurodermitis, Schuppenflechten, Rheumatoide Arthritis, Asthma oder Multiple Sklerose.

Aktuelle Zahlen zeigen: Die Häufigkeit chronischer Entzündungskrankheiten nimmt seit einigen Jahren dramatisch zu – weltweit, aber vor allem in Industrienationen. Betroffen sind Jung und Alt. Experten sprechen bereits von der „Epidemie der Moderne“ und forschen auf Hochtouren danach, was diese Entzündungsprozesse in Haut, Darm, Lunge, Gefässe oder Gelenke verursacht. Und was es braucht, um die Brände in den Organen wieder zu stoppen. Denn neueste medizinische Erkenntnisse zeigen: Chronische Entzündungen bilden Botenstoffe, die schwerwiegende Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Herzinfarkt oder Krebs auslösen können.

Gefahrenquelle Bauchfett

Was jetzt schon fest steht: Ein dicker Bauch ist besonders gefährlich. Denn Bauchfett setzt Botenstoffe frei, die chronische Entzündungen hervorrufen können.

„In jeder Fettzelle steckt eine winzige, aber hocheffiziente Chemiefabrik, die praktisch rund um die Uhr raffinierte Cocktails aus Hormonen, Enzymen, Boten- und sogar Entzündungs- und Antientzündungsstoffen mixt,“

erklärt Prof. Faist. Oder anders gesagt: Ein dicker Bauch versetzt den Körper in einen Zustand chronisch schwelender Entzündung. Die gute Nachricht ist aber:

„Die Produktion von zu viel Hormonen, Boten- und Entzündungsstoffen lässt sich innerhalb weniger Monate stoppen, indem Sie sich anti-entzündlich ernähren und auf regelmässige Bewegung achten. Auf diese Weise werden die ‚bösen‘ Fettzellen kleiner – und die Menge der gesundheitsschädlichen Entzündungsstoffe verringert sich von ganz allein“.

Der Entzündungsforscher empfiehlt, jeden Tag 1000 Schritte zügig zu gehen und dazu dreimal pro Woche 45 Minuten den Puls auf Trab und den Körper zum Schwitzen zu bringen.

Anti-entzündliche Ernährung

  • Fisch à gogo: Wegen ihres hohen Omega-3-Fettsäuren-Gehalts stehen Lachs, Thunfisch, Makrele und Hering an erster Stelle der anti-entzündlichen Ernährung.
  • Wenn Fleisch, dann nur magere Poulet- oder Trutenbrust, Wild, Kalb oder Rinderfilet.
  • Essen Sie viel Gemüse und Obst. Sie stecken voller anti-entzündlicher Pflanzenschutzstoffe. Und beugen der Übersäuerung des Körpers vor.
  • Meiden Sie Transfette! Sie stecken in Pommes Frites, Chips oder Crackern. Und entstehen, wenn falsches Öl zu stark erhitzt wird.
  • Sojaprodukte schützen vor Krebs, wirken der Übersäuerung des Blutes entgegen und machen Sauerstoffradikale unschädlich.
  • Milchsäure in Naturjoghurt, Kefir, Buttermilch oder Sauerkraut stärkt die Immunabwehr im Darm.
  • Täglich eine Tasse grünen Tee senkt Ihren CRP-Wert (Entzündungswert).
  • 1 bis max. 2 Stückchen dunkle Schokolade (mindestens 70 % Kakao) pro Tag schützt vor Bluthochdruck und Herzinfarkt.
Das Buch zum Thema

Der neue Ratgeber „Versteckte Entzündungen – Wie Sie die gefährlichen Krankmacher aufspüren und entschärfen“  von Dr. Nicole Schaenzler und Prof. Eugen Faist (Gräfe und Unzer Verlag, CHF 34.50) enthält auch einen Selbsttest sowie über 80 entzündungshemmende Rezepte für Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.