Bereit für den Kuss

Wer träumt nicht vom «Kuss der wahren Liebe»? – Küssen ist nicht nur schön, sondern auch gesund. Um mit zarten Lippen zu bezaubern, bedarf unsere extrem dünne Lippenhaut aber regelmässiger Pflege – insbesondere in den Wintermonaten.

Im Laufe seines Lebens verteilt ein Mensch etwa 100 000 Küsse. Küssen wirkt nicht nur zärtlich oder sexuell anregend – es löst im Körper auch eine Kaskade gesundheitlicher Effekte aus:

  • Küssen wirkt wie ein leichtes Sporttraining: Der Blutdruck steigt an, die Atmung wird schneller. Das aktiviert die Durchblutung und stärkt die Lungen.
  • Küssen trainiert die Leistungsfähigkeit des Herzens: Intensive Küsse beschleunigen den Herzschlag.
  • Küssen stärkt das Immunsystem: Bei einem Zungenkuss werden bis zu 4000 verschiedene Keime ausgetauscht. Dies kann unser Abwehrsystem wie eine Mini-Impfung stimulieren. Es gibt amerikanische Langzeitstudien, die belegen, dass fleissige Küsser bis zu fünf Jahre länger leben…
  • Küssen bildet Glückshormone: Nerven in den Lippen und in der Zunge reizen das Gehirn, vermehrt Serotonin zu bilden. Das steigert das Wohlbefinden und hilft gegen das Stresshormon Kortisol.
Lippen sind schutzlose Sensibelchen

Damit Küssen nicht zum kratzigen Erlebnis wird, ist Lippenpflege angesagt. Lippen sind äusseren Einflüssen schutzlos ausgeliefert, da ihre Haut sehr dünn ist (ungefähr 0,05 mm) und keine Talgdrüsen besitzt, die von innen heraus fetten. Vor allem in der Winterzeit werden die Lippen stark beansprucht: Der stetige Wechsel von eisiger Kälte in die trockene Heizungsluft hinterlässt Spuren. Die Lippenhaut trocknet aus, wird spröde und rissig. Wer seine Lippen häufig mit Speichel benetzt, lässt sie noch rau-er werden. Entstehen dann kleine Einrisse, vor allem in den Mundwinkeln, können sich Mikroben einnisten und Infektionen verursachen.

Balsam für spröde Lippen

Um die Lippen geschmeidig zu halten, stehen in Ihrer Apotheke verschiedenste Produkte zur Wahl. In die Handtasche gehört auf alle Fälle ein klassischer Lippenpflegestift, um die dünne Haut jederzeit mit einem schützenden Fettfilm zu versorgen. Für den Wintersport in den Bergen empfiehlt sich ein Pflegestift mit integriertem UV-Filter, da Sonnenstrahlen im Schnee stark reflektieren. Extrem trockene und rissige Lippen erholen sich mit einem Lippenbalsam oder einem Repair-Pflegestift. Am besten werden sie vor dem Schlafen dick aufgetragen, da man die Lippen im Schlaf weniger leckt und die Wirkstoffe besser einziehen können. Diese regenerierenden Produkte enthalten hochwirksame Ingredienzen, die beruhigen, Entzündungen hemmen, Rötungen in der Mundpartie lindern und Hautrisse schliessen.

Pflegende Inhaltsstoffe
  • Vitamin E neutralisiert die schädlichen Eigenschaften der freien Radikale, regt die Zellerneuerung an, schützt die Haut.
  • Provitamin B5 (Panthenol, Dexpanthenol) regeneriert die Haut und erhöht ihr Feuchthaltevermögen, was die Elastizität verbessert.
  • Shea-Butter (auch Karité-Butter genannt) wirkt leicht rückfettend und schenkt ein angenehmes Gefühl.
  • Natürliche Pflanzenöle wie Nachtkerzenöl, Traubenkernöl, Jojoba-Öl wirken rückfettend und beruhigen die Haut.
  • Aloe Vera kühlt und beruhigt irritierte Haut.
  • Allantoin befeuchtet die oberen Hautschichten.

Für Allergiker geeignet: Zu den Spezialitäten Ihrer Apotheke zählen ausserdem dermo-kosmetische Lippenpflegeprodukte, die weder Parfüm noch Konservierungsstoffe enthalten. Sie eignen sich einerseits für Allergiker und Menschen mit empfindlicher oder kranker Haut, andererseits für alle Personen, die eine Lippenpflege ohne allfällig irritierende Zusatzstoffe wünschen.

Peeling aus dem Küchenregal

Damit die Lippenpflege noch besser wirkt, lohnt es sich, den Lippen einmal pro Woche ein Peeling zu gönnen – um abgestorbene Hautzellen wegzurubbeln, damit Pflegeprodukte noch besser einziehen können. Dies lässt sich einfach herstellen – aus Zutaten, die in jeder Küche stehen: Vermischen Sie einen Teelöffel Olivenöl mit einer guten Prise feinkörnigem Meersalz. Tragen Sie die Mischung auf und rubbeln Sie sanft. Mit (lau-)warmem Wasser abwaschen. Ihre Lippen sind nun zarter denn je – zum Pflegen oder Küssen.

Herpes – Küssen als Risiko

So wunderbar und gesund Küssen ist: Die Liebkosung beherbergt auch Ansteckungsrisiken – beispielsweise mit Lippenherpes (Herpes labialis). Etwa 90 Prozent der Menschen sind mit dem Virus infiziert, die Ansteckung passiert meist schon in frühen Kinderjahren. Glücklicherweise schlummert der Virus beim Grossteil der Betroffenen. Ihr Immunsystem ist stark genug, den Eindringling in Schach zu halten.

Für rund ein Drittel der Infizierten wird der Virus aber zur wiederkehrenden Plage: Der Virus wacht immer wieder aus seinem Tiefschlaf auf und tobt sich am Lippenrand und rund um den Mund aus. Zuerst kribbelt es fürchterlich, die Haut brennt und juckt. Und dann wachsen kleine, feuchte Fieberbläschen, die nach kurzer Zeit aufplatzen. Sie hinterlassen gelbliche Verkrustungen, die immer wieder aufreissen können. Erst wenn der Schorf abfällt, ist die Herpesattacke überstanden. Wer auf einen Kuss hofft, sollte den Termin deshalb um etwa zwei Wochen verschieben. So lange kann es dauern, bis sich die hoch ansteckenden Fieberbläschen verabschiedet haben.

Salben verkürzen die Herpesattacke

Eine Methode, um den Virus dauerhaft loszuwerden, gibt es leider nicht. Unbehandelt klingt Lippenherpes nach zehn bis vierzehn Tagen ab. Wer rechtzeitig reagiert, kann die Leidensdauer aber mit einer antiviralen Salbe verkürzen – sofern sie spätestens zwei bis drei Tagen nach den ersten Anzeichen aufgetragen wird.

Zur lokalen Behandlung bietet Ihre Apotheke:

  • Cremen mit dem Wirkstoff Aciclovir hemmen die Vermehrung des Virus in den Zellen.
  • Herpesblasen-Pflaster lindern nicht nur den Schmerz, sie fördern die Krustenbildung und verringern das Risiko einer Ansteckung. Die Pflaster sind durchsichtig und können überschminkt werden.
  • Salben mit Zinksulfat trocknen die Fieberbläschen aus und wirken desinfizierend.
  • Salben mit Melissenextrakt wirken antiviral.
Was löst Lippenherpes aus?

Warum die Erreger plötzlich mobil werden, ist unbekannt. Als Auslöser gelten:

  • Stress, psychische Erkrankungen
  • Hormonschwankungen (Menstruation)
  • Schwangerschaft
  • Fieber, Erkältungskrankheiten
  • Allergien
  • Sonnenlicht, vor allem im Hochgebirge, aber auch durch UV-Lampen (zum Vorbeugen am besten Sun-Blocker auftragen!)
  • Immunschwäche (z. B. durch bestimmte Medikamente oder bei HIV-Infektion)
  • Zahnärztliche Behandlungen
Bei Lippenherpes: bitte Ansteckungsgefahr verringern!
  • Bis die Infektion vollständig abgeklungen ist, gilt striktes Kussverbot!
  • Berühren Sie die Bläschen nicht mit den Händen, um den Virus nicht weiter zu verteilen. Idealerweise tragen Sie Salben mit einem Wattestäbchen auf. Auf alle Fälle: Waschen Sie sich immer die Hände, wenn Sie mit den Bläschen in Kontakt gekommen sind.
  • Während der Akutphase sollten Gläser, Waschlappen, Taschentücher oder Pomadenstifte nicht geteilt werden.
Honig – natürlicher Balsam

Was unsere Grossmütter schätzten, wirkt auch heute noch: Honig ist ein wunderbarer Naturstoff für die Lippenpflege. Trägt man ihn auf strapazierte Lippen auf, werden sie glatt und geschmeidig. Honig hilft vielleicht auch bei Lippenherpes: Gemäss einer Studie von Forschern aus Dubai wirkt Honig möglicherweise genauso gut wie eine Salbe aus Aciclovir. Dafür müssten die betroffenen Stellen viermal pro Tag während je 15 Minuten mit Honig behandelt werden.

Erschienen in: AstreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.