Herz in Not

Wird es eng ums Herz, schlägt es taktlos oder wird es kraftlos, ist nicht zu spassen. Was sind die häufigsten Krankheiten des Herzens und wie werden sie behandelt?

Das Herz, unser Lebensmotor, ist ein faustgrosser Muskel, der über die Blutgefässe laufend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden muss. Zuständig für diese lebensnotwendige Aufgabe sind die sogenannten Herzkranzgefässe – auch Koronararterien genannt. Verengen sich diese Blutgefässe und schmälern die Durchblutung des Herzens, spricht man von einer koronaren Herzkrankheit. Der Durchfluss des Blutes ist erschwert, weil sich an den Gefäss-Innenwänden Cholesterin und Kalk anlagern (Arteriosklerose oder Arterienverkalkung genannt). Typische Symptome sind Schmerzen und Engegefühl in der Brust. Der Schmerz kann auch in Arme, Hals oder Magengegend strahlen. Schreitet die Erkrankung fort, gesellen sich Atemnot, Angst oder Schwitzen dazu.

Therapie: Medikamente wie Blutgerinnungshemmer, Beta-Blocker oder Cholesterinsenker lindern die Beschwerden und helfen, einen Herzinfarkt vorzubeugen. Reicht dies nicht aus, ist eine Operation angesagt. Als Richtlinie gilt: Ist nur ein Herzkranzgefäss verengt, wird die Engstelle mit einem Herzkatheter erweitert, an dessen Ende sich ein kleiner Ballon befindet. Damit sie sich nicht erneut verengt, wird häufig ein sogenannter Stent – ein röhrenförmiges Metallgitter – eingesetzt. Ist der Blutfluss in mehr als zwei Gefässen gestört, empfiehlt sich eine Bypass-Operation. Der Eingriff erfolgt am offenen Herzen: Der Blutfluss wird fortan umgeleitet, damit der Herzmuskel wieder ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird.

Lebensgefährlicher Verschluss

Zum Herzinfarkt kommt es, wenn sich eine Herzkranzarterie völlig verschliesst – meist wegen eines Blutgerinnsels. Der Teil des Herzens, der von diesem Gefäss versorgt wird, erhält keinen Sauerstoff mehr und droht abzusterben. Es handelt sich um einen Wettlauf mit der Zeit: Das verstopfte Herzkranzgefäss muss so schnell wie möglich wieder geöffnet werden, um ohne bleibende Schäden zu überleben. Bei Verdacht auf Herzinfarkt ist es wichtig, sofort den Notarzt anzurufen. Typische Anzeichen sind: Brustschmerzen oder starker Druck, Engegefühl oder Brennen hinter dem Brustbein, Kurzatmigkeit, Übelkeit, starkes Herzklopfen und Angstzustände. Manchmal strahlt der Schmerz in den Hals, die Arme, die Schultern oder in den Bauch aus. Die Schmerzen bessern sich nicht, wenn man sich Ruhe gönnt, und dauern länger als 15 Minuten.

Therapie: Mit einem feinen Katheter wird unter lokaler Betäubung ein leerer Ballon in das verengte Gefäss geschoben. Er wird mit Flüssigkeit gefüllt, um die verengte Stelle zu weiten und wieder zu öffnen. Falls nötig wird zudem ein Stent eingesetzt. Zusätzlich können thrombolytische Medikamente verabreicht werden, um das Blutgerinnsel aufzulösen.

Plötzlicher Stillstand

Häufigste Ursache eines Herz-Kreislauf-Stillstandes ist das sogenannte Kammerflimmern, eine schwere Herzrhythmusstörung, die meistens durch einen Herzinfarkt ausgelöst wird. Das Herz des Patienten setzt aus, er wird bewusstlos und atmet nicht mehr.

Therapie: Sofort die Notrufnummer 144 alarmieren und dann versuchen, den Patienten wiederzubeleben. Mit einem Defibrillator lässt sich das Kammerflimmern durch gezielte Stromstösse stoppen. Ist kein Gerät verfügbar, kann eine Herzdruckmassage Leben retten: Legen Sie den Patienten auf eine harte Unterlage. Platzieren Sie Ihren Handballen auf das Brustbein zwischen die Brustwarzen, eine Hand auf die andere. Drücken Sie mit durchgestreckten Armen kurz und kräftig nach unten – rund 5 bis 6 cm tief in Richtung Wirbelsäule. Idealer Takt sind 100 Stösse pro Minute. Fahren Sie solange fort, bis der Patient wieder selbständig atmet oder der Notarzt eintrifft.

Ausser Takt

Unser Herz schlägt jeden Tag etwa 100‘000 Mal. Herzrhythmusstörungen sind Unregelmässigkeiten des normalen Herzschlags: Das Herz schlägt zu schnell, zu langsam oder unregelmässig. Bei der Tachykardie schlägt das Herz zu schnell, der Puls liegt in Ruhe bei über 100 Schlägen pro Minute. Bei einer Bradykardie schlägt das Herz zu langsam, der Puls liegt bei weniger als 60 Schlägen pro Minute. Herzschläge, die ausserhalb des normalen Grundtaktes auftreten, nennt man Extrasystolen (Extraschläge).Typische Anzeichen sind Herzklopfen, Schwächegefühl, „Stolpern“ des Herzschlags, Atemnot oder Schwindel.

Therapie: Es stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung. Da sie aber selber auch Rhythmusstörungen verursachen können, muss der Arzt Nutzen und Risiko individuell abwägen. Gewisse Herzrhythmusstörungen können mit einer sogenannten Katheterablation behandelt werden: über einen feinen Schlauch werden Gewebestellen am Herz zerstört, die die Störung verursachen. Bei lebensbedrohlichem Herzrasen kann ein Cardioverter/Defibrillator implantiert werden. Er gibt bei gefährlichen Rhythmusstörungen Stromstösse ab, um das Herzrasen zu stoppen. Schlägt das Herz zu langsam, hilft ein Schrittmacher, der elektrische Impulse ans Herz abgibt.

Die Kraft reicht nicht

Herzinsuffizienz ist eine häufige Erkrankung und tritt meist zwischen 70 und 80 Jahren auf bzw. als Folge eines durchgemachten Herzinfarktes oder eines länger bestehenden Bluthochdrucks. Der Herzmuskel ist nicht mehr in der Lage, den Körper mit genügend Blut und Sauerstoff zu versorgen. Um die Schwäche auszugleichen, vergrössert sich das Herz, um kräftiger schlagen zu können. Symptome sind Müdigkeit, schnelle Erschöpfung, Atemnot bei körperlicher Anstrengung und später auch in Ruhe.

Therapie: Bei Herzschwäche stehen heute gute Medikamente zur Verfügung, die lebensverlängernd wirken oder die Beschwerden lindern. Genauso wichtig ist es aber auch, den Lebensstil zu verändern. Reicht dies nicht aus, wird allenfalls eine Herztransplantation nötig.

Geschädigte Ventile

Das Herz besitzt vier Klappen, die ähnlich wie ein Ventil arbeiten. Sind die Herz-Ventile zu eng oder schliessen sie nicht mehr richtig, belastet dies das Herz und kann mit der Zeit zu einer Herzschwäche führen. Angeborene Herzklappenfehler sind sehr selten. Meist sind sie die Folge von altersbedingter Verkalkung, Infektionskrankheiten oder Herzinfarkten. Die Beschwerden hängen davon ab, welche der Klappen erkrankt ist.

Therapie: Ist eine Herzklappe schwer geschädigt, wird sie entweder chirurgisch repariert, mit einem Ballonkatheter aufgesprengt oder durch eine künstliche bzw. biologische Klappe (aus menschlichem oder tierischem Gewebe) ersetzt. Künstliche Herzklappen halten länger, dafür müssen lebenslang blutverdünnende Medikamente eingenommen werden.

Weitere Infos: Schweizer Herzstiftung, www.swissheart.ch

PDF des Artikels: Herz in Not

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.