Wanderlust mit leerem Magen

Gemeinsam geht es besser: Geleitete Fastenwanderungen sind im Trend. Was bringt es der Gesundheit, wenn man auf feste Nahrung verzichtet und stattdessen viel frische Luft und Naturerlebnisse tankt?

Mit Wanderschuhen aber ohne Proviant durch die Natur zu streifen – vorbei an rauschenden Bächen, blühenden Wiesen und schattenspendenden Tannen – ist im Trend.

Beim Fastenwandern schliesst man sich eine Woche lang einer Gruppe an, um gemeinsam auf feste Nahrung zu verzichten und ausgedehnt zu wandern. Denn durch die Kombination von Fasten mit körperlicher Bewegung wird das Entschlacken des Körpers um ein Vielfaches verstärkt.

„Dank des Wanderns wird dem Blut viel Sauerstoff zugeführt, und dies unterstützt und fördert den Stoffwechsel, was zu einer gründlichen Reinigung des Blutes und der Gewebe führt“, erklärt Maya Hakios aus Fruthwilen/TG, zertifizierte Fastenleiterin nach Otto Buchinger und Dr. Hellmut Lützner (www.fastenwandern.ch). Die GlücksPost hat bei ihr nachgefragt, wie Fastenwandern funktioniert und was es bringt.

Wie viele Stunden wandert man täglich?

Maya Hakios: In der Regel sind es 2 bis 4 Stunden reine Wanderzeit, plus Teepausen und Mittagsrast. In der zweiten Wochenhälfte machen wir auch längere Wanderungen für diejenigen, die Lust dazu haben. Wir machen keinen festen Wochenplan, sondern richten uns nach dem Wetter sowie den Möglichkeiten und Wünschen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Was wird aufgetischt?

Wir servieren täglich frisch zubereitete Gemüse-Bouillon, Bio-Gemüse- und Frucht-Säfte, abgestimmte, abwechslungsreiche Kräutertees, viel Wasser, Zitrone und (mit Mass!) einheimischen Honig.

Am Ende der Woche leiten wir die Rückkehr zur festen Nahrung ein, mit dem Gala-Diner aus gedämpftem Apfel, schmackhaften, gedämpften Gemüsen, Kartoffeln und Dips. Anderntags folgt das Gala-Frühstück mit frischen und getrockneten Früchten, Beeren, Nüssen, Körnern.

Ist es nicht eine (Hunger-)Qual, ohne Essen zu wandern?

Im Gegenteil: Das ist für Fasten-Anfänger eine Riesen-Überraschung! Wer beim Fastenwandern Hunger hat, macht etwas falsch! Der Fastenstoffwechsel ermöglicht uns, von den körpereigenen Depots (Fettreserven, körpereigene Proteine) zu leben: Wir wandern mit viel Energie und ohne Hungergefühle.

Woher nimmt der Körper die nötige Energie?

Der Verdauungsvorgang im Alltag verbraucht 30 % der gesamten Energie …und plötzlich stehen diese 30 % zur freien Verfügung – zum leichtfüssigen Wandern. Es steht also mehr Energie zur Verfügung und von Tag zu Tag tragen wir weniger (Über-)Gewicht mit uns herum!

Ist beim Fasten mit Nebenwirkungen zu rechnen?

Durch den vertrauensvollen, freiwilligen Entschluss zu fasten sowie einer gründlichen Darmentleerung als Signal zum Einleiten des Fastens beginnt die Stoffwechselumstellung. Dass der Darm früh in der Woche möglichst leer wird, ist das A & O des Fastens! Die Alternativen wären Kopfweh, miese Laune und vielleicht sogar Hungergefühle. Gleich zu Beginn der Woche nehmen wir Spezialsalz zu uns. Am Tag danach erhalten unsere Teilnehmer genaue Anleitungen für einen sanften Einlauf.

Was bringt es der Gesundheit?

Fastenwandern wirkt ganzheitlich. Es fördert die Leber- und Nierendurchblutung, die Ausscheidung von Schadstoffen, die Entgiftung (Alkohol, Medikamente), reguliert den Blutdruck, entlastet den Magen-Darm-Trakt, stärkt das Immunsystem, gleicht den Säure-Basen-Haushalt aus, steigert die Durchblutung und Reinigung der Haut und verbessert das Körpergefühl.

Wem empfehlen Sie das Fastenwandern?

Fasten ist eine Zeit der Besinnung und der körperlich-seelischen Reinigung. Der Abstand vom Alltag schafft die nötige Ruhe und Gelassenheit, sich selber zu sein, das Leben zu überdenken. Positives Denken verstärkt den Gewinn, der aus Verzicht entsteht: pure Lebensfreude, eine bessere Gesundheit und ein neues Selbstvertrauen entstehen.

Alle gesunden Menschen profitieren von ein paar Tagen Verzicht auf feste Nahrung. Die bisher jüngste Teilnehmerin war 18, nach oben gibt es keine Altersgrenze – vorausgesetzt, man ist in der Lage, die Wanderungen mitzumachen.

Was ist das Schönste am Fastenwandern?

Abenteuer Selbsterfahrung; Stressabbau; Bedürfnislosigkeit und Vertrauen in den eigenen Körper erfahren, Hinwendung zu einem optimierten Lebensstil.

Fastenwandern ist eine Wohltat für Körper, Geist und Seele.

Kontraindikationen

Vom Fastenwandern profitieren gesunde Menschen. Nicht geeignet ist es bei:

  • Tuberkulose
  • Herzerkrankungen
  • Marcumar-Patienten
  • Magen-, Darmgeschwüren
  • Krebs in vorgerücktem Stadium
  • Schwangerschaft oder Stillzeit
  • Starkem Untergewicht
  • totaler Erschöpfung
  • Schilddrüsen-Überfunktion
  • Epilepsie
  • Nierenschwäche oder -funktionsstörungen
  • Kinder unter 16 Jahren
  • Menschen unter dauerhaft kontrollbedürftiger Medikation

Kranken Menschen empfiehlt Maya Hakios das Fasten unter ärztlicher Aufsicht oder in einer Fastenklinik.

PDF des Artikels: Fastenwandern

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.