Schluss mit dem Schrubben!

Weniger Druck bringt mehr – so lautet die Devise für gesundes Zähneputzen. In der Zahnreinigung ist ein neues Zeitalter angebrochen – mit Hightechbürsten, die schonender und dennoch gründlicher putzen.

Die Zähne mit starkem Druck zwei Minuten lang mit einer aufhellenden Zahnpasta zu bürsten und die Zwischenräume nachträglich mit Zahnseide zu säubern, galt jahrelang als die perfekte Formel für schöne Zähne und ein strahlend weisses Lächeln. Wer heutzutage seine Zähne wie auch Zahnfleisch gesund erhalten will, hat mittlerweile weit professionellere Methoden zur Wahl, um sich vor Karies und Parodontitis zu schützen und mit perfekt gereinigten Zähnen zu punkten.

Parodontitis ist eine weitverbreitete Entzündung, die durch Bakterien hervorgerufen wird, die sich auf den Zähnen ablagern und bei schlechter Mundhygiene vermehren. Typisches Zeichen für die Entzündung ist blutendes Zahnfleisch. Werden die Ablagerungen (Plaque) nicht regelmässig entfernt, werden sie hart. Es entsteht Zahnstein. Die entzündliche Erkrankung des Zahnbettes zerstört die Fasern, die die Zähne im Knochen verankern. Wird der „Schwundprozess“ nicht aufgehalten, lockern sich die Zähne und fallen dann aus. Tatsache ist: Bei Menschen über 40 Jahren gehen mehr Zähne durch Parodontitis als durch Karies verloren.

Die meisten putzen zu rabiat

Um das Zahnfleisch gesund zu erhalten ist deshalb zwei- bis dreimal täglich Zähneputzen ein Muss. Eine Tugend, die der Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer befolgt, allerdings zu wenig lang. Statistiken zufolge reinigen die meisten ihre Zähne weniger als 1 Minute statt der zahnärztlich empfohlenen Mindestputzzeit von 2 Minuten. „In weniger als 120 Sekunden ist es fast unmöglich, alle Zähne gründlich von Plaque zu befreien“, erklärt der Bülacher Zahnarzt Dr. Alessandro Devigus.

Ein weiteres Problem ist: Neun von zehn Personen putzen mit der falschen Technik. Sie schrubben so hart, als würden sie einen dreckigen Boden fegen. „Viele meinen, nur wenn sie fest aufdrücken, lassen sich die Beläge wirkungsvoll beseitigen. Das ist absolut falsch. Im Gegenteil: Dadurch kann man Zähnen und Zahnfleisch mehr schaden als nutzen“, stellt Dr. Devigus klar. Denn heftiges Hin- und Herschrubben kann (winzige) Verletzungen verursachen. Auch abrasive (Whitening-)Zahnpasten, die durch Nikotin, Rotwein, Tee oder Kaffee verfärbte Zähne aufhellen sollen, setzen unseren Beissern zu, weil ihre Schmirgelstoffe gleichzeitig Zahnschmelz wegschleifen.

Welche Zahnbürste darf es sein?

Am kostengünstigsten sind konventionelle Handzahnbürsten und elektrische Zahnbürsten mit einem kleineren, rotierenden Bürstenkopf. Ihr Nachteil: Bis zu 40 Prozent der Zahnbeläge verbergen sich an Orten, wo man mit den Borsten herkömmlicher Zahnbürsten schlecht hinkommt. Um Zahnzwischenräume zu reinigen, braucht es deshalb zusätzliche Mittel wie Zahnseide, Interdentalbürsten oder Mundspülungen.

Im Aufwind befinden sich Hightech-Zahnbürsten, die mit Schall funktionieren. Diese sogenannten Sonic-Zahnbürsten mit länglichem Kopf reinigen allerdings nicht durch Schallwellen (wie der Name es suggeriert), sondern durch ihre Borsten, die ultra-schnell schwingen (30‘000 bis 40‘000 Vibrationen pro Minute). Durch die hohen Schwingungen dringt der Zahnpasta-Schaum besser in unzugängliche Stellen vor.

Ultraschall – Putztechnik der Zukunft

Noch wenig bekannt sind Ultraschall-Zahnbürsten. Auf den ersten Blick sehen sie wie normale elektrische Zahnbürsten aus, doch sie funktionieren völlig anders – mit Ultraschall, der bis zu 96 Millionen Luftschwingungen pro Minute erzeugt.

Die reinigende und sterilisierende Wirkung von Ultraschall ist seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wissenschaftlich belegt. Bis vor wenigen Jahren fehlten aber die technischen Möglichkeiten, einen „weichen“ Ultraschall zu erzeugen, der für den Menschen unschädlich ist. 2004 gelang es einem deutschen Unternehmen schliesslich, eine solche Technologie für die Zahnreinigung zu entwickeln – ein Quantensprung in der Zahnmedizin.

Die Bakterien tötende Ultraschallzahnbürste lässt akute Entzündungen abklingen, verbessert die Durchblutung des Zahnfleisches und beugt Parodontitis vor. Ein wichtiger Vorteil besteht darin, dass bewegungslos geputzt wird: Der Bürstenkopf wird nur an die Zähne gehalten, ohne (schädlich) abzureiben. Davon profitieren beispielsweise auch Diabetiker mit extrem empfindlichem Zahnfleisch, Personen mit frischen Zahnimplantaten oder Spangenträger.

Die „Arbeit“ übernimmt eine Spezial-Zahnpasta, die keine Putzkörper enthält, dafür aber zusammen mit dem Ultraschall Millionen Mikrobläschen bildet. Der feine Schaum entfernt schonend Zahnbeläge und Verfärbungen. Zudem befreit er auch Zahnzwischenräume, Fissuren sowie Zahnfleischtaschen von schädlichen Keimen und Bakterien, da die weiche Schwingung ca. 12 mm tief ins Zahnfleisch eindringt.

Bürsten, die schonend reinigen

Antibakteriell und reibungslos: Die Wirkung der Ultraschall-Zahnbürste „Emmi-dent Professional“ wurde 2011 in einer klinischen Studie der Universität Witten nachgewiesen. Die Zahnbürste inkl. Spezialpasta kann für CHF 165.50 in einigen Schweizer Apotheken oder über den Online-Shop www.fairsano.ch gekauft werden. Neu erhältlich ist demnächst auch ein spezieller Bürstenaufsatz für Zahnspangenträger.

Intelligent und belohnend: Die neue Elektrozahnbürste „Triumph 5000 mit SmartGuide“ von Oral-B stoppt automatisch die Vor- und Rückbewegungen des Bürstenkopfes, wenn mit zu viel Druck geputzt wird. Sie schaltet selbständig in die schonende „Sensitiv-Reinigungsstufe. Als Belohnung fürs Putzen erscheint nach Erreichen der empfohlenen 2 Minuten ein lachender Smiley auf dem SmartGuide (separater Display). Im Schweizer Handel für CHF 295.- erhältlich.

Zahnärzte raten zu Rauchstopp

„Die schädlichen Auswirkungen des Rauchens auf Mundschleimhaut und Parodont (das Gewebe, die die Zähne im Kiefer verankern) sind bei der Schweizer Bevölkerung kaum bekannt”, mahnt der Zahnarzt Dr. Christoph Ramseier, Oberarzt an der Klinik für Parodontologie in Bern.

Rauchen verursacht im Mund weit mehr Schäden als verfärbte Zähne: Rauchende haben nicht nur ein 3.5 Mal höheres Risiko für Mundhöhlenkrebs, sie sind auch fünf Mal häufiger von Zahnfleischerkrankungen betroffen als Nichtrauchende. Wer raucht, riskiert mehr Plaque, Karies und Zahnverlust. Wer aufhört zu rauchen, verbessert automatisch seine Mundgesundheit.

PDF des Artikels: Zahnreinigung

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy