Reizmagen

Verdauungsstörungen haben vor allem in der kalten Jahreszeit Hochsaison. Was hilft gegen Völlegefühl und Blähungen? Zum Beispiel eine uralte Arzneiformel aus der Tibetischen Medizin.

Verdauungsbeschwerden sind hierzulande weitverbreitet: Betroffen sind rund ein Drittel der Bevölkerung – insbesondere Frauen sowie jüngere Personen zwischen 20 und 40 Jahren. Sie leiden nach dem Essen an Völlegefühl, Schmerzen oder Brennen im Oberbauch, Übelkeit, Blähungen, Magendrücken oder Aufstossen. Diese unangenehmen Beschwerden können – müssen aber nicht! – vom Essen herrühren, wenn beispielsweise viel Fett und Alkohol konsumiert wurden.

Fest steht: Bei 60 Prozent der Verdauungsstörungen sind die Ursachen unbekannt. Das heisst: es bestehen weder organische Erkrankungen wie Magengeschwür, Reflux oder Krebs noch Nahrungsmittelallergien.

Oberste Priorität: Stress abbauen

Werden die Verdauungsprobleme chronisch, spricht man von einem Reizmagen oder einer funktionellen Dyspepsie. Da sich die Ursachen mit schulmedizinischen Untersuchungen nicht eindeutig bestimmen lassen, müsste der Arzt eine ganze Palette an Medikamenten verschreiben, um alle potentiellen Auslöser zu therapieren – angefangen bei krampflösenden Arzneien, über Säurehemmer, Schmerzmittel bis hin zu Tabletten, die die Magen- und Darmbewegung fördern.

Um die Beschwerden zu lindern, ist es deshalb sinnvoller ist, die eigene Lebensweise zu ändern und gezielt Stress abzubauen – durch regelmässige Entspannungsphasen, autogenes Training, Gymnastik an der frischen Luft, intensives Spazieren gehen (Power Walking) oder Sauna. Bei psychischen Belastungen kann eine Psychotherapie helfen, Konfliktsituationen besser zu bewältigen. Eine spezielle „Reizmagen-Diät“ gibt es nicht. Es kann sich aber lohnen, das tägliche Essen auf mehrere kleinere Mahlzeiten zu verteilen und gut zu kauen.

Seit Jahrhunderten bewährt

Im Gegensatz zur Schulmedizin kennt die Tibetische Medizin seit über 1000 Jahren eine Rezeptur gegen Verdauungsbeschwerden. Das pflanzliche Arzneimittel (in Apotheken und Drogerien erhältlich) setzt sich aus Granatapfelsamen, Galgant, Zimtkassia, Kardamomsamen sowie Langem Pfeffer zusammen. Die Formel von „Se’bru 5“ wurde bereits im 12. Jahrhundert im „Gyüshi“ – dem Grundlagenwerk der Tibetischen Medizin – beschrieben, als Heilmittel gegen Verdauungsstörungen, Appetitmangel, Magenverstimmungen, Schmerzen des unteren Rückens sowie schwachen Nieren.

Formel wirkt auf verschiedenen Ebenen

Als sogenanntes Vielstoffgemisch stärkt „Se’bru 5“ die Verdauungswärme (siehe Box), indem es an unterschiedlichen Orten im Organismus wirkt. Gemäss dem Konzept der Tibetischen Medizin erhält der Körper so viele verschiedene Impulse, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen und gesund zu werden. Prof. Reinhard Saller, Direktor des Instituts für Naturheilkunde am Universitäts-Spital Zürich, beschreibt die Wirkung der tibetischen Formel folgendermassen: „Scharfstoffe regen die Verdauung und den Appetit an, mindern den Brechreiz, regulieren die Motilität des Magen-Darm-Trakts und desensibilisieren Schmerzrezeptoren. Ausserdem fördern sie die Durchblutung der Schleimhäute. Ätherische Öle regen die Verdauung und den Appetit an, wirken krampflösend und gärungshemmend. Andere Stoffgruppen, die der Gerb- und Schleimstoffe, tragen auf unterschiedliche Weise z.B. zum Schutz der Magenschleimhaut bei. Interessant ist auch die in Granatapfelsamen enthaltene Punicinsäure. Das ist eine Fettsäure mit entzündungshemmenden Eigenschaften, die zurzeit Gegenstand modernster Forschung ist.“

Wirkt auf Bauch und Psyche

Eine laufende, klinische Studie unter der Leitung des Gastroenterologen Prof. Rémy Meier (Kantonsspital Liestal) zeigt: Die uralte Rezeptur vom Dach der Welt ist auch im modernen Leben eine Hilfe bei Reizmagen. Bereits nach einer Woche Behandlung verbesserten sich die Symptome bei 80 Prozent der Patienten. Nach durchschnittlich 30 Tagen war die Hälfte der Patienten beschwerdefrei.

Die tibetische Formel tut offenbar nicht nur dem Magen gut, auch die Psyche profitiert davon. Das seelische Wohlbefinden der Studienteilnehmer – gemessen an Nervosität, Niedergeschlagenheit, Erschöpfung usw. – erhöhte sich im Schnitt um über 20 Prozent. „Es ist schon lange klar, dass die funktionelle Dyspepsie mit psychischen Faktoren in Zusammenhang steht“, so Prof. Meier.

Verdauungswärme hält gesund

Aus Sicht der Tibetischen Medizin spielt die Verdauungswärme – „Mé drö“ genannt – eine sehr zentrale Rolle für die Lebenskraft und das ganzheitliche Wohlbefinden. Die „Wärme im Bauch“ ist Basis für eine lang anhaltende Gesundheit.

Folgende Faktoren schwächen die Verdauungswärme:

  • Kaltes oder wenig gekochtes Essen
  • Zu viel Essen, unregelmässige Essenszeiten
  • Fehl- bzw. Mangelernährung
  • Industrielle Zusatzstoffe im Essen (wie Konservierungsmittel, Farbstoffe usw.)
  • Stress, Schlafmangel
  • Kalte Temperaturen, ungenügend warme Kleidung
  • Psychologische Faktoren (z.B. Depression)
  • Medikamente wie Antibiotika, Schmerzmittel und Chemotherapie
  • Mangel an körperlicher Bewegung

Gemäss Tibetischer Medizin ist die Verdauungskraft vor allem im Herbst, Winter und Frühjahr am schwächsten – also in kälteren Jahreszeiten.

PDF des Artikels: Reizmagen

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.