Hormone sanft ausbalancieren

Gerät der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht, leiden Körper und Psyche – nicht nur in den Wechseljahren. Hilfreich kann dann eine Therapie mit sogenannten bioidentischen Hormonen sein.

Hormonstörungen treten nicht nur in den Wechseljahren oder nach der Geburt eines Kindes auf: Sie können in jedem Alter passieren und sich durch verschiedenste körperliche oder seelische Beschwerden manifestieren – wie Migräne, Zyklusstörungen, Krämpfe, Schwindel, Ringe um die Augen, Über- oder Untergewicht, Akne, sexuelle Lustlosigkeit, Konzentrationsstörungen, extreme Launen, ADHS, Schlafprobleme, Burn out oder Depressionen, um nur ein paar der möglichen Symptome zu nennen.

Unerklärliches Herzrasen

Was passieren kann, wenn der Hormonhaushalt unerkannt aus dem Gleichgewicht kippt, hat die Winterthurer Businessfrau Nicole G. (47, Name geändert) vor rund zwei Jahren erlebt: „Ich war dauernd nervös und übersensibel, hielt überhaupt keinen Druck mehr aus“. Zudem litt sie an extremen Durchfällen und ihr war ständig übel. „Alles verursachte Übelkeit. Das einzige, was ich noch essen konnte – wenn überhaupt – waren ‚Gschwellti‘ mit Quark“, erinnert sie die Mutter von zwei Teenagern. Nachts konnte sie nicht schlafen, weil heftiges Herzrasen und fürchterliche Panik sie plagten. „Mein Puls war derart hoch, dass mein Mann mit dem Zählen gar nicht mehr nachkam“, so Nicole G.

Trotz Untersuchung der Blutwerte konnte ihr homöopathischer Hausarzt nichts Krankhaftes finden. „Er meinte, es handle sich bei mir einfach um Stress.“ Zum gleichen Resultat kam auch der Herzspezialist, den sie aufsuchte. In der Folge versuchte es Nicole G. mit Akupunktur: „Mein Organismus ertrug die Behandlungen überhaupt nicht. Mir war nun dauerübel und ich begann, auf gewisse Lebensmittel allergisch zu reagieren. Gleichzeitig litt ich unter Todesangst.“ Die Geschäftsfrau, die mit ihrem Mann ein eigenes Unternehmen leitet, traute sich nichts mehr zu, wollte sich nur noch verkriechen.

Körperidentische Hormone

Eines Tages erzählte ihr eine Bekannte von einer Schweizer Heilpraktikerin, die früher wegen einer Hormonstörung an Schizophrenie erkrankt gewesen war. Mit Hilfe von sogenannt bioidentischen Hormonen hatte sie es geschafft, von dieser schweren Störung zu gesunden. Es handelt sich bei dieser Behandlungsmethode um eine „sanfte Alternative“ zur herkömmlichen Hormonersatztherapie der Schulmedizin. In der Schweiz ist sie noch kaum bekannt, im Gegensatz zu den USA, wo sie seit Jahren sehr populär ist, insbesondere auch bei Anti-Aging-Medizinern.

Verabreicht werden dabei Hormone, die biochemisch genau gleich zusammengesetzt sind wie die Hormone, die der menschliche Körper selbst produziert. Sie wirken wie ein „Schlüssel, der genau ins Schlüsselloch passt“. Körperidentische Hormone werden vom Organismus nicht als Fremdkörper erlebt, wie etwa künstliche Hormone, die das Risiko von (Brust-)Krebs, Thrombose, Schlaganfall und Herzinfarkt erhöhen können.

Zufuhr über die Haut

Als Pionier der natürlichen Hormontherapie gilt der kalifornische Arzt Dr. John R. Lee. Bereits in den 70er-Jahren begann er seinen Patientinnen, die unter Wechseljahresbeschwerden litten, natürliches Progesteron in Creme-Form zu verschreiben. Weil er gehört hatte, dass Hormone wie Progesteron und Östrogen über die Haut aufgenommen werden. Und damit nur ein Zehntel der Hormonmenge nötig ist, weil die Leber umgangen wird. Die Erfolge, die er mit körperidentischem, aus Yamswurzeln gewonnen Progesteron erzielte, erstaunten ihn selbst: Seine Patientinnen freuten sich, dass sie weniger unter Hitzewallungen oder Schlaflosigkeit litten, weniger reizbar waren oder Beschwerden wie trockene Augen, Blähungen, Osteoporose-Schmerzen und Haarverlust verschwanden.

Problem Östrogen-Dominanz

Was viele nicht wissen: Wechseljahresbeschwerden basieren nur zum Teil auf fehlendem Östrogen. Zu rund 90 Prozent werden sie durch den Mangel des Mit- und Gegenspielers, dem Gelbkörperhormon Progesteron, verursacht. Dadurch entsteht eine „Östrogen-Dominanz“, wie Dr. Lee dieses Ungleichgewicht benannte. Obwohl der Östrogenspiegel vor und in den Wechseljahren abnimmt, gewinnt das Östrogen dennoch die Oberhand, weil das Progesteron weit stärker abfällt. Typische Anzeichen einer Östrogen-Vorherrschaft sind beispielsweise die Abnahme der Libido, prämenstruelle Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit, Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen, Energiemangel, Süssgelüste oder schlechte PAP-Abstriche und Gebärmutterfibrome.

Hormonspiegel messen lassen

Auch wenn die „natürliche Hormontherapie“ weit sanfter wirkt: Gesundheitsfördernd ist sie nur dann, wenn sie genau auf den persönlichen Hormonhaushalt abgestimmt wird! Das hat Nicole G. selbst erlebt: „Die Heilpraktikerin gab mir eine Salbe aus reiner Yams-Wurzel. Ein paar Minuten, nachdem ich sie aufgetragen hatte, ging es mir stets besser, aber nie langfristig.“ Den Grund dafür, erfuhr sie bei der Hormonselbsthilfe von Elisabeth Buchner (siehe Buchtipp und Box), an die sie sich schliesslich hilfesuchend wandte. „Die Heilpraktikerin hatte mir geraten, mehr Soja zu essen. Dies entpuppte sich als fataler Fehler, da Soja reich ist an Phytoöstrogenen und damit bei mir die Östrogendominanz förderte statt sie zu mindern“, so Nicole G.

„Das Problem ist, dass sich in der Schweiz noch sehr wenige Ärzte mit bioidentischen Hormonen auskennen und auf dem neuesten Wissensstand sind“. Die ehemalige Krankenschwester hat bei Elisabeth Buchner deshalb selber eine Ausbildung gemacht, für ihren Privatgebrauch. Nachdem sie sich ein Jahr lang regelmässig mit Progesteron-Creme eingerieben hat und ihre Schilddrüsen-Überfunktion anschliessend mit einer Urtinktur behandelte, ist Nicole G. nun wieder voll auf dem Damm.

Das Buch zum Thema

„Wenn Körper und Gefühle Achterbahn fahren – Hormone natürlich ins Gleichgewicht bringen“ von Elisabeth Buchner (Familienverlag Buchner, CHF 32.90).

Hormonhilfe-Berater in der Schweiz

Von einer Selbstbehandlung ohne vorangehende Laboruntersuchung der genauen Hormonwerte (mittels Speichel- und evtl. Bluttests) sowie professioneller Beratung ist abzuraten. Weitere Infos sowie eine Liste von Ärzten, Heilpraktikern und Kinesiologen in der Schweiz, die (mehr oder weniger) ausgebildet sind und weiterhelfen können, findet man unter www.hormonselbsthilfe.de.

PDF des Artikels: Hormone sanft ausbalancieren

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy