Haut ohne Farbe

Sie tut nicht weh, juckt nicht und ist auch nicht ansteckend. Dennoch ist die chronische Hautkrankheit Vitiligo für Betroffene eine grosse Herausforderung. Sie zeigt sich in weissen Flecken.

Weisse, scharf begrenzte Hautflecken an Kopf, Hals, Händen, Ellenbogen, Beinen oder in der Genitalregion sind typisch für die Hautkrankheit Vitiligo. Deshalb heisst sie auch Weissfleckenkrankheit. Die Grösse der weissen Flecken ist unterschiedlich und reicht von wenigen Millimetern Durchmesser bis zu grossen Hautarealen des Körpers.

Gesunde Haut bildet das Pigment Melanin, das unserer Haut Farbe verleiht. Melanin dient zudem als natürlicher Sonnenschutz: Die UV-Strahlen der Sonne regen die Produktion von Melanin an, was die Haut bräunt und schützt.

Bei einer Vitiligo-Erkrankung sind die Melanozyten – das sind jene Zellen, die die Farbpigmente in Haut, Haaren und Augen produzieren – nicht mehr in der Lage, Melanin zu bilden. An den betroffenen Hautstellen erscheint die Haut deshalb weisslich und kann nicht mehr bräunen. Dadurch steigt die Gefahr von Sonnenbrand erheblich. Die gute und beruhigende Nachricht ist: Trotz fehlender Pigmente erkranken Vitiligo-Patienten nicht häufiger an Hautkrebs als Menschen mit gesunder Haut. In den Hautarealen mit Weissfleckenkrankheit sind offenbar hohe Spiegel des Gens „p51“ zu finden, die der Bildung von Tumorzellen entgegenwirken.

Stress fördert die Krankheit

An Vitiligo leiden in der Schweiz rund 80‘000 Menschen – etwa ein Prozent der Bevölkerung. Die chronische Hautkrankheit beginnt meist schleichend in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter, also zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr. Generell gilt: je früher die Krankheit auftritt, umso grösser ist der zu erwartende Befall. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen kommt die Weissfleckenkrankheit in der Familie gehäuft vor. Verwandte ersten Grades erkranken etwa 4,5 Mal häufiger als andere Menschen.

Trotz intensiver Forschung ist die Ursache der Weissfleckenkrankheit bisher nicht eindeutig geklärt. Zwei Hypothesen, die untersucht werden, sind:

  • Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem erkennt die Pigmentzellen nicht mehr als körpereigen und bildet spezielle Antikörper, um sie zu zerstören.
  • Hautnerven geben einen Stoff ab, der die Pigmentzellen zerstört. Dies könnte erklären, weshalb Stress das Fortschreiten der Depigmentierung beschleunigt.

Tatsache ist: Bei 30 Prozent der Vitiligo-Patienten brach die Krankheit nach psychischen Stresssituationen aus. Als weitere Auslöser der Weissfleckenkrankheit gelten schwere Sonnenbrände, Verletzungen oder Hormonumstellungen (Schwangerschaft, Pubertät).

Die Psyche leidet mit

Der Pigmentverlust bestimmter Hautareale ist nicht lebensbedrohlich und die Krankheit ist weder ansteckend, noch juckt oder schmerzt sie. Dennoch kann der Leidensdruck enorm sein. Betroffene empfinden ihre weissen Flecken als einen Makel oder sogar als Entstellung. Sie fühlen sich ständig neugierigen, verstohlenen Blicken ausgesetzt und ziehen sich zurück. Dies kann das Selbstwertgefühl beeinträchtigen und sich negativ auf das Privat- und Berufsleben auswirken.

Flecken kosmetisch verstecken

Hilfreich kann deshalb das Abdecken der weissen Hautpartien sein. Dafür existieren sogenannte Camouflage-Produkte: Diese speziellen, hautfreundlichen Kosmetikartikel sind haltbarer als gewöhnliches Make-up und in hohem Masse wasser- und hitzebeständig. Sie halten etwa 24 bis 36 Stunden und man kann damit sogar baden gehen. Die störenden Flecken lassen sich auch mit Selbstbräunern tönen.

Behandlungen beim Hautarzt

Vitiligo ist bis heute nicht heilbar. (Vorübergehende) Verbesserungen sind aber möglich. Die besten Erfolge werden derzeit mit UV-Lichttherapien erreicht. Die Lichtbehandlung aktiviert und vermehrt die farbstoffbildenden Zellen in der Haut.

Britische Forscher haben nun entdeckt, dass die Substanz Piperin im schwarzen Pfeffer die Melaninproduktion in pigmentfreien Hautarealen ebenfalls ankurbeln kann. Mit einer UV-Lichttherapie kombiniert bräunen die betroffenen Stellen innerhalb weniger Wochen natürlich und gleichmässig. Die Pfeffertherapie ist bisher aber erst an Mäusen getestet worden.

Zu den möglichen Behandlungen zählt auch die sogenannte Pigmentzelltransplantation. Dabei werden Pigmentzellen aus gesunder Haut der Betroffenen auf die Vitiligo-Stellen verpflanzt, nachdem dort die oberen Hautschichten entfernt wurden.

Als Mittel der letzten Wahl kommt die vollständige Depigmentierung in Betracht. Die restlichen, normal gefärbten Hautareale werden „entfärbt“. Erwogen wird diese Behandlung vor allem bei dunkelhäutigen Menschen, wenn mehr als 60 Prozent der Hautoberfläche von weissen Flecken betroffen sind. Dafür wird über Monate hinweg eine spezielle Creme auf die normale Haut aufgetragen. Die Depigmentierung lässt sich nicht rückgängig machen.

Schilddrüse überprüfen lassen

Vitiligo kommt häufig mit anderen Erkrankungen zusammen vor. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Schilddrüse. 20 Prozent der Vitiligo-Patienten leiden gleichzeitig an einer chronischen Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis Hashimoto).

Weitere Krankheiten, die mit Vitiligo auftreten können:

  • Kreisrunder Haarausfall
  • Addison-Krankheit (Funktionsstörung der Nebennierenrinde)
  • Störung der Aufnahme von Vitamin B12
  • Lupus erythematodes (Autoimmungerkrankung)
  • Diabetes Typ 1
  • Muskelschwäche (Myasthenia gravis)
Infos

Weitere Infos und regionale Selbsthilfegruppen: Schweizerische Psoriasis- und Vitiligogesellschaft (SPVG), www.spvg.ch

PDF des Artikels: Haut ohne Farbe

 Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.