Nicht nur ein Problem der Psyche

Das Krankheitsbild Burnout breitet sich immer mehr aus. Neueste Forschungserkenntnisse zeigen: Hinter der „Managerkrankheit“ steckt nicht nur psychische Erschöpfung, sondern oft auch Vitalstoffmangel.

Das Burnout-Syndrom (engl. „to burn out“ = „ausbrennen“) gilt landläufig als emotionaler Erschöpfungszustand – als Folge monate- oder gar jahrelanger Überarbeitung und Überforderung. Um Burnout-Betroffenen zu helfen, wieder zu Kräften zu kommen, haben sich zahlreiche psychotherapeutische Kliniken auf die Behandlung der „Krankheit der Tüchtigen“ spezialisiert. Im Vordergrund der Therapie stehen Stressbewältigung, Lebensbalance und Entspannungsübungen.

Für die Managementtrainerin und Heilpraktikerin Uschi Eichinger (Bild) kommt bei den bisherigen Therapieansätzen aber ein wichtiger Aspekt deutlich zu kurz – die körperlichen Ursachen und Auswirkungen des „Ausgebranntseins“. Für sie steht fest: Emotionale Erschöpfung lässt sich nicht ausschliesslich auf die Psyche reduzieren. Burnout geschieht auch in den rund 70 Billionen Körperzellen, in denen unsere Energie produziert wird. Eichinger erklärt, was den Energiestoffwechsel zum Stocken bringt.

GlücksPost: Bei immer mehr Menschen wird ein „Burnout“ diagnostiziert. Woran liegt das?

Uschi Eichinger: Unsere Lebensweise hat sich in den letzten Jahrzehnten schleichend verändert – und zwar immer weiter weg von dem, was eine „artgerechte“, für unseren Organismus gesunde Lebensweise wäre. Das muss zwangsläufig zu Problemen führen – und zwar auf der körperlichen UND emotionalen Ebene.

Sie behaupten, Burnout sei nicht nur ein psychisches Problem, sondern finde vor allem im Körper statt. Wie ist das zu verstehen?

Ausgebrannt sein heisst ja vor allem Energiemangel – und da müssen wir uns anschauen, wo unsere Energie produziert wird. Damit landen wir automatisch mitten in unserem Körper. Genaugenommen in den Körperzellen, winzig kleinen Einheiten, in denen in den „Zellkraftwerken“ ununterbrochen die nötige Energie für unseren Alltag produziert wird. Wenn sie denn noch produziert wird – denn genau diese Energieproduktion kommt beim Burnout ja mehr und mehr zum Erliegen.

Was beeinträchtigt den Zellstoffwechsel?

Wie bei einem richtigen Kraftwerk benötigen unsere Zellkraftwerke – sie heissen übrigens Mitochondrien – Brenn-, Hilfs- und Betriebsstoffe, um optimal zu funktionieren. Fehlen sie oder reichen sie nicht aus, wird die Energieproduktion gedrosselt – wir fühlen uns schlapp und müde. Dabei ist es eine ganze Palette von Nährstoffen, die in der richtigen Kombination mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Wird immer mehr Fast Food konsumiert, kommt in der Zelle nicht mehr das an, was gebraucht wird, aber oft eine ganze Menge „Müll“, zum Beispiel Chemie im Essen, der auch noch den Zellstoffwechsel stört. Andere Störfaktoren sind z.B. Bewegungsmangel, Lichtmangel, Schlafmangel, um nur einige zu nennen. Auch Alltagsgifte und Elektrosmog haben ihren Anteil an der Problematik.

Wie wirkt sich das auf den Körper aus?

Bei der Energieproduktion fallen Schadstoffe an, die unsere Zellen schädigen – die „freien Radikale“. Wie Radikale, die in der Innenstadt randalieren, „randalieren“ diese in der Zelle und beschädigen sie. Um sie in Schach zu halten, benötigen wir Schutzstoffe, sogenannte Antioxidantien. Sind diese nicht ausreichend vorhanden, schaltet die Zelle ihre Energieproduktion auf Sparflamme. Wenn das nur eine Zelle macht, merken wir das kaum. Machen es immer mehr Zellen, führt das zu massiver Erschöpfung. Ausserdem kann unter diesen Voraussetzungen die Zelle ihren Job nicht mehr machen – je nachdem, welches Organ betroffen ist, führt das zu unterschiedlichen Problemen im Körper.

Wie wird die Energieproduktion des Körpers wieder in Schwung gebracht?

Wir schauen, welche Störfaktoren sich bei dem Betroffenen finden, und sorgen dafür, dass sie beseitigt werden. Wenn Nährstoffmängel vorliegen, müssen diese natürlich ausgeglichen werden. Das kann in Form von Infusionen oder auch mit Nahrungsergänzungen passieren. Oft sind auch eine Darmsanierung oder Entgiftungsmassnahmen erforderlich.

Ihr persönlicher Tipp, um sich vor Burnout zu schützen?

Mehr „artgerechte“ Lebensweise – das heisst zum Beispiel, nährstoffreiche, möglichst naturbelassene Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, Alltagsgifte möglichst zu meiden und sich auch regelmässig bei Tageslicht in freier Natur zu bewegen. Und natürlich bedeutet es auch ein gesundes Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung. Wer immer nur im Hamsterrad läuft, wird auch mit der optimalen Ernährung und Bewegung irgendwann krank.

Burnout ist messbar geworden

Die Leistungsfähigkeit unserer Zellkraftwerke wie auch die vorhandenen Nährstoffmengen und -defizite lassen sich mit moderner Laboranalytik (Blut-, Stuhl- und Urindiagnostik) messen.

Das Buch zum Thema

In Ihrem Ratgeber „Der Burnout-Irrtum. Ausgebrannt durch Vitalstoffmangel – Burnout fängt in jeder Zelle an“ präsentieren die Heilpraktikerinnen Uschi Eichinger und Kyra Hoffmann-Nachum ein Anti-Burnout-Programm für den Alltag. Ergänzt wird es durch Fach-Interviews mit renommierten Wissenschaftlern. Verlag systemed, CHF 28.90.

PDF des Artikels: Nicht nur ein Problem der Psyche

 Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.