Hilfe, Akne!

Fiese Pickel im Gesicht können einem das Leben ganz schön vergällen, beispielsweise vor der Schulhausfete oder dem ersten Date. Wichtig zu wissen: Akne ist ein völlig natürlicher Körperprozess beim Erwachsenwerden! Dennoch muss man die Quälgeister nicht tatenlos erdulden. Was hilft ist konsequente Hautpflege.

Als Teenager kämpft man in der Pubertät nicht nur gegen die „doofen Vorschriften“ der Eltern. Zu schaffen macht auch die Hormonflut, die Jugendliche zu Erwachsenen macht und dafür sorgt, dass der Körper in die Höhe schnellt und Schamhaare, Brüste sowie Penis wachsen. Dummerweise lassen sie auch Pickel spriessen: Die durch Sexualhormone angeregten Talgdrüsen der Haut produzieren verstärkt Fett. Die Poren verstopfen, es entsteht Akne. Siedeln sich Bakterien in den Talgdrüsen an, verursachen sie Entzündungen, die sich zu Knötchen und Pusteln entwickeln, eitern und sehr schmerzhaft sein können.

Kaum ein Teenager bleibt vor Akne verschont: Fette Haut, Mitesser und eitrige Pusteln plagen rund 80 Prozent der Jugendlichen – Jungs gleichermassen wie Girls. Bei einigen zeigen sich nur diskrete Pickel, andere leiden unter „blühenden Landschaften“ im Gesicht wie auch am Oberkörper und Rücken. Schwerere Fälle kommen tendenziell eher bei jungen Männern vor, da ihre Talgdrüsen etwas grösser sind.

„Ich tue etwas dagegen“

Akne ist eine der häufigsten Hauterkrankungen und kein Grund, sich zu schämen – selbst wenn man sich „potthässlich“ fühlt und sich so lange verkriechen möchte, bis die Pickelflut verebbt ist. Tatsache ist: Der Grossteil der Gleichaltrigen ist genauso betroffen und leidet genauso. „Unter Jungs reden wir nicht viel über dieses Thema“, meint der Gymnasiast Simon (14). „Ob wir uns über einen pickel-übersäten Kollegen ‚lustig machen‘, hängt davon ab, wie er mit seiner Akne umgeht. Pflegt er sich, ist es in Ordnung. Meint er aber, er warte einfach, bis die Akne von selbst wieder weggeht, kann es sein, dass Witze gerissen werden“. Obwohl erst wenige und kaum sichtbare Mitesser um seine Nasenflügel herum spriessen, behandelt Simon auftretende Hautunreinheiten sofort mit einer Creme, die die Talgproduktion regulieren soll. Ob das Produkt, das er verwendet, das richtige ist, weiss er allerdings nicht. Für ihn zählt lediglich: „Ich tue etwas dagegen“.

Individuelle Beratung lohnt sich

Tatsächlich ist es wichtig, „etwas dagegen zu tun“, weil Akne sonst bleibende Narben hinterlassen kann. Irgendein beliebiges Akne-Produkt zu verwenden, wie Simon es tut, ist allerdings wenig sinnvoll. Um die Talgproduktion zu regulieren, verstopfte Poren zu öffnen, das Wachstum von Bakterien zu hemmen und/oder entzündete Haut zu beruhigen, braucht es Wirkstoffe, die gezielt auf die persönliche Akne-Problematik zugeschnitten sind. „Eine individuelle Beratung ist sehr wichtig. Die Produkte müssen nicht nur angepasst sein, sie müssen für Teenager auch einfach anwendbar sein. Für die einen muss es schnell und effizient gehen. Andere sind bereit, auch mal ein Peeling oder eine Reinigungsmaske anzuwenden. Oder sie wünschen eine Make-up-Beratung, die auf ihre Haut abgestimmt ist“, weiss Sandra Ruch (eidg. diplomierte Apothekerin und Betriebsleiterin der Bahnhof Apotheke Aarau) aus Erfahrung. „In der Apotheke bieten wir Jugendlichen nicht nur ein sehr breites Sortiment an Reinigungsgels, Lotions, Feuchtigkeitspflege und Abdeckstiften an. Wir bieten auch viel Fachwissen.“

Regelmässige sanfte Reinigung

Akne ist kein Zeichen mangelnder Hygiene, wie gerne gemunkelt wird. Im Gegenteil, häufiges oder falsches Waschen zerstört den Säureschutzmantel der Haut auf die Dauer. „Das A und O bei Pickeln ist die richtige Hautpflege. Zu intensive Reinigung regt die Talgproduktion an und kann Akne sogar verstärken“, erklärt Sandra Ruch. „Ideal ist, das Gesicht morgens und abends regelmässig und gründlich zu reinigen – mit einem milden Produkt für unreine Haut. Geeignet sind Reinigungsgels mit saurem pH-Wert (5.5), die meist Milch- oder Zitronensäure enthalten und die Poren tiefer reinigen als ein pH-neutrales Produkt.“ Anschliessend kann man eine Tages- bzw. Nachtcreme auftragen, die speziell für junge Haut entwickelt wurde. „Konzentrate und Abdeckstifte gegen Hautunreinheiten trägt man nur lokal an den Stellen auf, wo tatsächlich Pickel und Mitesser wachsen – wie auf der Stirn, um die Nase oder am Kinn“, präzisiert Sandra Ruch. Bei leichten Unreinheiten rät sie davon ab, desinfizierende und antibakterielle Wirkstoffe wie Benzoylperoxid, Ethanol oder Salicylsäure gegen vermehrte Verhornung vorschnell zu verwenden, da sie die Haut austrocknen können.

In schweren Fällen zum Hautarzt

Die Pflege unreiner Haut erfordert viel Geduld und Beständigkeit – manchmal über Jahre. „Wenn sich die Pickel oder Mitesser trotz konsequenter Reinigung und Pflege entzünden oder wenn Knötchen entstehen, sollte ein Hautarzt aufgesucht werden“, rät Sandra Ruch. Der Hautarzt bietet stärkere Behandlungsmöglichkeiten als die Apotheke an. In ganz schweren Fällen kann er auch orale Medikamente mit dem Wirkstoff Isotretinoin verschreiben. Dies wirkt entzündungshemmend und drosselt die Talgproduktion um bis zu 90 Prozent. Aufgrund seiner starken Nebenwirkungen ist das Medikament nur dann zu empfehlen, wenn keine andere Behandlung anschlägt.

Pickel ausdrücken – ja oder nein?

Hautärzte raten dringend davon ab, Pickel eigenhändig auszuquetschen. Die darin enthaltenen Bakterien können sich auf oder unter der Haut ausbreiten, die Entzündung verschlimmern und Narben entstehen lassen.

Thront vor einem ersten Date oder einer angesagten Party plötzlich ein dicker Pickel mitten auf der Nase, ist die Versuchung gross, ihn dennoch auszudrücken. Wer es nicht sein lassen kann: Bitte auf keinen Fall mit schmutzigen Fingern Hand anlegen!

So geht’s (aber nur für den Notfall!):

  • Gesicht abschminken.
  • Die Poren mit einem Gesichtsdampfbad (oder einer warme Dusche) öffnen.
  • Eine Nadel sterilisieren (mit einem Desinfektionsmittel aus der Apotheke) und damit ganz oben in den Pickel einstechen, aber nicht zu tief.
  • Den Pickel mit einem Kosmetiktuch oder WC-Papier von den Seiten her leicht drücken.
  • Rührt sich nichts: auf keinen Fall weiterfummeln – im eigenen Interesse.
Das kann helfen
  • Treibe Sport: Er wirkt drüsenregulierend und verbessert das Hautbild. Schweiss öffnet die Poren und säubert sie.
  • Geh an die Sonne: Die UV-Strahlen wirken entzündungshemmend.
  • Benütze stets saubere Waschlappen und Handtücher, damit keine Bakterien hängenbleiben.
  • Verwende nur Kosmetika, die „nicht komedogen“ sind. Wer seine Pickel mit dickem Make-up und fettreichen Produkte zukleistert, verstopft die Poren. Auch wenn du abends todmüde bist: unbedingt abschminken!
  • Nimm die Pille: Bei Frauen können die weiblichen Geschlechtshormone in der Anti-Baby-Pille die Talgproduktion reduzieren.
  • Lass dich nicht unterkriegen: Hör auf zu glauben, deine Pickel würden dir alles kaputt machen. Deine Freunde mögen dich so, wie du bist.
Das fördert Pickel:
  • Rauchen: Der Glimmstengel setzt nicht nur den Lungen, sondern auch der Haut zu.
  • Stress: Er beeinflusst zwar nicht die Talgproduktion, schwächt aber den Schutzschild der Haut. Genug Schlaf hilft der Haut, sich zu erholen.
  •  Periode: In den Tagen vor den Tagen läuft der Hormonhaushalt auf Hochtouren. Das lässt leider die Pickel spriessen.
  • Minderwertige Kohlenhydrate: Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel stark ansteigen lassen, können die Akne verschlechtern. Dazu zählen etwa Weissmehl, Zucker oder Limonaden.
  • Milch: Studien der Harvard Medical School deuten darauf hin, dass hoher Milchkonsum Akne begünstigt – unabhängig ihres Fettgehaltes. Auf eine normale Menge Milchprodukte solltest du aber nicht verzichten, deine Knochen brauchen das Kalzium.
PDF des vollständigen Artikels:

Erschienen in astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy