Schluss mit fettigem Haar

Überaktive Talgdrüsen bescheren das Desaster: Kaum gewaschen hängen die Haare schon wieder wie schmierige Strähnen herunter und können einem den Tag richtig vermiesen. Wir zeigen auf, was hilft, fettiges Haar in eine gepflegte Haarpracht zu verwandeln.

Grundsätzlich ist Haarfett eine wohlgemeinte Erfindung der Natur: Das dünnflüssige Fett – Sebum genannt – das von den Haartalgdrüsen auf unserer Kopfhaut produziert wird, hat die Aufgabe, unsere Haare mit einem wasserabweisenden Schutzfilm zu überziehen. Das schenkt unserer Mähne schönen Glanz und schützt die Haare davor, struppig zu werden und abzubrechen. Bei manchen Menschen gebären sich die Talgdrüsen aber überaktiv: Statt winzige Schönheitsportionen an Sebum abzugeben, produzieren sie Übermengen an Fett, das sich bereits wenige Stunden nach dem Haarwaschen über die Haaransätze ergiesst. Die Frisur fällt zu strähnig verklebtem Haar zusammen und lässt selbst die bis in die Fingerspitzen gestylte Business-Frau oder den in hochwertigen Nadelstreifen gekleideten Mann ungepflegt wirken. Kein Wunder zählen fettige Haare zu den unbeliebtesten Haarproblemen! Kommt dazu, dass zu viel Talg die Haarwurzeln ersticken kann, was Haarausfall oder Schuppenbildung nach sich zieht. Zudem ist fettige Kopfhaut ein idealer Nährboden für Bakterien, die Juckreiz auslösen können.

Was steckt dahinter?

Die Ursachen für das übermässig schnelle Nachfetten sind von Mensch zu Mensch verschieden. Fest steht: Talgdrüsen gibt es überall in der Haut – ausser in den Handinnenflächen und an den Fusssohlen. Am dichtesten verbreitet sind die Fett produzierenden Drüsen in der Kopfhaut. Als Hauptursache für viel zu rasch fettendes Haar gelten Turbulenzen im Hormonhaushalt – vor allem in der Pubertät, wenn die Geschlechtshormone verrücktspielen und der Talgproduktion einheizen. Mit zunehmendem Alter lässt die hormonelle Sebum-Überproduktion wieder nach und pendelt sich um das 30. Altersjahr ein. Bei einigen Menschen ist die Überfunktion allerdings genetisch vererbt. Sie leiden dann nicht nur unter fettigen Haaren, sondern in der Regel auch unter fettiger Haut, Mitessern und Akne.

Die passende Pflege macht den Unterschied

Auch wenn sich extreme Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, starkes Schwitzen, übermässiger Stress wie auch eine unausgeglichene Ernährung fettanregend auf die Kopfhaut-Talgdrüsen auswirken können: Wessen Haar als Erwachsener weiterhin übermässig schnell nachfettet, ist gut beraten, genauer hinschauen, was er seiner Mähne zumutet. Häufig liegt es einfach an der falschen Haarpflege!

Experten sind sich uneinig, wie oft man ölig-klebrige Haare waschen sollte. Die einen raten dazu, die Haare höchstens zwei Mal pro Woche zu shampoonieren, andere finden alltägliches Waschen sei völlig in Ordnung. Weit wichtiger als die Häufigkeit des Waschens ist die Qualität der Produkte, die man ans eigene Haar lässt. Um rasches Nachfetten der Kopfhaut vorzubeugen, sind milde Shampoos zu verwenden, die den Säureschutzmantel der Haut bewahren und zugleich reich an sanften Tensiden sind, die das Fett auswaschen. Ein natürliches Tensid ist beispielsweise Panamarinden-Extrakt. Gute Anti-Fett-Shampoos können mit Pflanzenextrakten bereichert sein – wie Meerestang, Schachtelhalm, Rosmarin, Brennnessel, Kamille oder Zinnkraut – die die Kopfhaut beruhigen, die Fettbildung regulieren und erfrischen.

Strapazen minimieren

Da fettiges Haar die Kopfhaut schon genug reizt, ist sie dankbar, wenn sie von weiteren Strapazen verschont bleibt. Tabu sind deshalb nicht nur zu stark entfettende Shampoos, sondern auch heisses Waschen, zu heisses Föhnen, heftiges Bürsten, druckstarke Kopfmassagen sowie eng sitzende Kopfbekleidung.

Unerwünscht sind zudem rückfettende Substanzen, wie sie in Spülungen und Haarmasken enthalten sind. Haarkuren gehören nur auf die Haarlängen und -spitzen, am Haaransatz haben sie nichts zu suchen. Vorsicht geboten ist auch bei fetthaltigen Styling-Produkten wie Wachs, Gelwachs oder Styling-Cremes.

Verwöhnmomente und Katzenwäsche

Dies bedeutet aber keineswegs dass fettige Kopfhaut verwöhnender Pflege entsagen muss – im Gegenteil. Ideal ist eine Packung mit Heilerde (aus der Apotheke), die man rund 15 bis 20 Minuten einwirken lässt. Sie saugt überschüssiges Sebum wie Löschpapier auf. Empfehlenswert ist auch eine Gel-Spülung, die schnelles Nachfetten bremst. Das fettfreie Gel mit Mineralstoffen überzieht die Haare mit einem hauchdünnen Film, damit die Frisur länger füllig bleibt.

Gegen platte, klebrige Haarsträhnen hilft auch Trockenshampoo, dass notfalls auch in der Büro-Toilette auf den Ansatz gesprüht, mit einem Handtuch leicht einmassiert und nach kurzer Einwirkzeit ausgebürstet wird.

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Hausmittel gegen fettige Haare

Wer es natürlich mag, kann es mit folgenden Hausmitteln versuchen:

Salbei-Spülung: 1 Liter lauwarmes Wasser mit 2 Tropfen Salbei-Öl und 2 EL Apfelessig zu einer Spülung verrühren nach dem Waschen in die Haare einreiben. Etwa zehn Minuten lang einwirken lassen und anschließend mit lauwarmen Wasser abwaschen.

Spülung mit Kamillentee: Den Tee wie üblich aufkochen und dann auf lauwarme Temperatur abkühlen lassen. Nach der Haarwäsche über die Haare giessen, 15 Minuten wirken lassen und gründlich ausspülen.

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Haarpflege aus der Apotheke

Theres Helbling, diplomierte Drogistin HF, Denzler Apotheke Drogerie Parfümerie in Rapperswil, erzählt, wie sie ihre Kunden berät.

 Wer ist insbesondere von fettigen Haaren betroffen?

Theres Helbling: Es sind meistens Personen, die auch zu Mischhaut oder zu öliger Gesichtshaut tendieren.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Pflege fettiger Haare?

Im Beratungsgespräch stellt sich vielfach heraus, dass die Haare falsch oder gar zu aggressiv gereinigt werden. Die betroffenen Personen neigen dazu, stark entfettende Produkte zu benutzen. Auch zu heisses Wasser und tägliches Haare waschen verstärken die Talgproduktion. Daraus kann ein Teufelskreis entstehen, da die Kopfhaut aus Schutz noch mehr Talg produziert.

Wichtig ist, die Haare auch von innen zu stärken. Was bietet die Apotheke dazu?

Sehr gut eignen sich Produkte mit einer Grundlage aus ungesättigten Fettsäuren wie zum Beispiel Hirsenöl. Zu empfehlen sind ausserdem Wirkstoffe wie Zink, Kieselsäure oder Biotin. Mittlerweile gibt es sehr gute Kombinationspräparate, welche die verschiedenen Bedürfnisse der Kopfhaut und der Haarwurzel abdecken.

Ihr persönlicher Tipp für gesunde Haare ohne Fettüberschuss?

Die Häufigkeit des Haarwaschens reduzieren. Als Hilfsmittel für den Alltag eignet sich ein fettabsorbierendes Trockenshampoo aus der Spraydose. Dies nimmt den Fettglanz, reizt aber die Kopfhaut nicht.

Leckerbissen für die Haare

„Du bist, was du isst“, gilt auch für unsere Haarpacht. Unsere Haarwurzeln verbrauchen besonders viel Nährstoffe und sind auf eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung angewiesen, die von innen stärkt. Haare freuen sich generell über Vitalstoffe aus Obst, Gemüse, Fisch, Geflügel, Milch-, Soja- und Vollkornprodukten.
Übersicht wichtiger Nährstoffe für die Haare (PDF) >>

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Erschienen in astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy