Nur keine faulen Ausreden!

Zählen Sie zu den Menschen, die gerne Ungesundes naschen und über den Hunger hinaus essen? Vielleicht liegt es daran, dass Sie zu viele Ausreden haben. Streichen Sie sie besser!

Die figurbetonten Sommertage sind definitiv vorbei. Leichte Speisen wie Forelle blau, Fitness-Teller oder Fruchtsalat haben bis zur nächsten Bikini-Saison ausgedient. Wird es draussen kühler, rückt Seelenwärmendes auf den Speiseplan. Ob eine heisse Schoggi mélange mit Schlagrahm, ein deftiges Raclette oder eine Pizza mit Speck: An kalten Tagen ist die Verlockung gross, tüchtig zuzugreifen und gesundes Essen zu vergessen. Doch Vorsicht: Wer fit und schlank überwintern will, sollte wissen, welche Ausreden ihn verführen, masslos zu werden.

„Ich bin total gestresst“

Der Chef ordnet Überstunden an, die Kinder quengeln, der Partner motzt ständig: Stehen wir unter Strom und liegen die Nerven blank, bekommen wir Heisshunger auf Süsses und Fettiges. Schuld ist das Stresshormon Cortisol. Doch aufgepasst: Der Griff zu Schokolade und Co. bringt nur sehr kurzfristige Entspannung, die bereits nach drei Minuten wieder abklingt. So das Ergebnis einer Studie.
Das ist besser: Ein erhöhter Cortisolspiegel lässt sich auch kalorienfrei reduzieren – mit Ausdauersport, Yoga, Selbstmassage und beruhigender Musik.

“Ich hab’s mir verdient”

Nach einem strengen Tag oder einer schwierigen Prüfung sehnt man sich nach einer Belohnung. Sich mit einer Tüte Chips oder einer Riesenportion Vermicelles für die vollbrachte Leistung zu belohnen, ist aber eine gefährliche Angewohnheit (die oft schon in der Kindheit beginnt). Der Körper wird darauf programmiert, ungesundes Essen mit Wohlgefühl und guten Emotionen zu verbinden.
Das tut gut: Eine echte Belohnung ist körperliches Wohlbehagen. Für gesunden Genuss sorgen beispielsweise ein Entspannungsbad mit ätherischen Ölen oder eine ausgiebige Massage.

“Das Leben ist zu kurz, um aufs Schlemmen zu verzichten”

Das Leben kann aber nocch kürzer werden, wenn man auf gesunde Lebensmittel voller Vitamine und essentieller Nährstoffe verzichtet. Es geht nicht um völlige Entsagung, sondern um die richtige Balance: Auf dem Teller müssen Gemüse, Früchte, mageres Eiweiss, Hülsenfrüchte, Vollkorn und hochwertige Pflanzenöle die Hauptrolle spielen. Lieblings-Leckereien wie Speck, Rahmsaucen und Frites werden als Mini-Portionen dazugenossen.
Der Tipp: Die Abneigung gegenüber „gesundem Essen“ liegt oft daran, dass man nicht weiss, wie man es lecker zubereiten kann. Wie wäre es mit einem Kochkurs?

„Ich bin Vegetarier“

Zahlreiche Studien zeigen, dass Vegetarier in der Regel gesünder sind und mehr Gemüse essen als andere. Dies liegt aber nicht nur am Fleischverzicht, sondern auch am generellen Interesse dieser Menschen, vital durchs Leben zu schreiten. Vegetarismus ist kein Garant für gesunde Ernährung. Wer eine Pizza mit Gemüse statt mit tierischen Schinken verzehrt, ernährt sich noch lange nicht gesünder.
Wichtig zu wissen: Auch wer sich vegetarisch ernährt, sollte einen Bogen machen um raffinierte Produkte wie polierten Reis, Weissmehl-Teigwaren und helles Brot. Genauer hinschauen lohnt sich zudem bei vegetarischen Fertiggerichten – auch sie können ungesunde Zusatzstoffe enthalten.

„Ich will kein Essen wegwerfen“

Sollen Essensreste tatsächlich lieber auf unseren Hüften statt im Abfall landen? Stellen Sie sich vor, wie Sie einen Abfallsack mit sich herumtragen. Darin befinden sich alle Essensreste, die Sie „gerettet“ haben, indem Sie den Teller, die Schüssel leer gegessen haben – obwohl Sie längstens satt waren. Es geht keineswegs darum, gute Nahrung fortzuwerfen, sondern Essensabfälle von vornherein zu vermeiden.
So geht es: Kochen Sie pro Person eine Portion – das reicht. Wer grössere Mengen kocht, plant im Voraus, wie die „Reste“ für eine weitere Mahlzeit verwendet werden.

„Ich treibe viel Sport“

Nach einem 5-Kilometer-Lauf oder einer intensiven Fitnessstunde hat man das Gefühl, viele Kalorien verbrannt zu haben. Regelmässiger Sport erlaubt, sich ab und zu eine kleine Essünde zu gönnen, ist aber kein Freipass für hemmungsloses Schlemmen.
Gut zu wissen: Die beim Training verbrauchten Kalorien sind schnell wieder aufgegessen. Beim Walking verbrennt eine 70 kg schwere Person 385 Kalorien pro Stunde (= ca. 70 g Kartoffelchips), bei intensivem Aerobic 580 Kalorien (= ca 110 g Schokolade).

„Ich ernähre mich fettarm“

Ob Milch, Käse, Joghurt oder Würste: Fettreduzierte Produkte wandern gerne in den Einkaufskorb. Sie geben das Gefühl, sich gesund zu ernähren. Eine Studie der US-Universität Cornell hat aber gezeigt: Bei fettarmen Esswaren, die wir als „gesünder“ erachten, neigen wir dazu, mehr zu essen. Und schlucken unter dem Strich mehr Kalorien.
Bewusst geniessen: Schauen Sie auf die Etikette, denn fettreduzierte Produkte sind nicht unbedingt fettarm. Zudem enthalten sie oft Zusatzstoffe (auch Zucker), um den Geschmack zu verbessern. Wer auf die Gesundheit achtet, geniesst besser ein kleines Stück vollfetten Bio-Bergkäse als künstlich geschlankten Käse.

„Ich esse viel weniger als meine Freunde / meine Bekannten“

Jede und jeder kennt in seinem Umfeld mindestens eine Person, die offenbar alles Mögliche und Unmögliche isst, ohne ein Gramm zuzunehmen. Nur: Niemand weiss, was diese Person hinter verschlossenen Türen allenfalls tut, um ihre Linie schlank zu halten. Es geht nicht darum, wie viel man isst, sondern was man isst. Gemüse und Blattsalate dürfen jederzeit in grossen Mengen genossen werden.
Fest steht: Schlanke Personen, die auf Junk Food stehen, leben mit Sicherheit ungesünder als etwas molligere Personen, die sich vollwertig ernähren und regelmässig Sport treiben.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.