Richtig Luft holen

Chronische Erkrankungen der Atemwege zählen zu den verkanntesten Gesundheitsproblemen. Wer die Lunge gezielt pflegt, entlastet und erfrischt, kann sie reinigen und stärken.

Spricht man von Volkskrankheiten, ist in erster Linie von Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkankungen, Diabetes, Übergewicht oder Alzheimer die Rede. Kaum jemand aber weiss: „Schauplatz“ der vierthäufigsten Todesursache weltweit sind unsere Lungen!

Literweise Luft für die Lungen

Der Atem ist wichtigste Quelle unserer Lebensenergie. Er schenkt körperliches und seelisches Wohlbefinden, verbessert die Durchblutung, regt Zellstoffwechsel, Immunabwehr sowie Verdauung an und stimuliert die inneren Organe. Pro Tag atmen wir rund 12‘000 Liter Luft ein. Wie oft und wie tief wir pro Minute einatmen, hängt davon ab, wieviel Sauerstoff unser Körper bzw. unsere Muskeln brauchen. Je anstrengender die Tätigkeit, desto mehr Sauerstoff muss her. Beim Schlafen brauchen wir deshalb nur 280 Liter Luft pro Stunde, beim Rennen hingegen 3600 Liter. Unsere Lunge erledigt diesen Job automatisch und macht sich meist erst bemerkbar, wenn sie längst angeschlagen ist.

Tipps für fitte Lungen

Um die Vitalität des Lungenraums zu erhalten und die Atemmuskulatur zu stählen, helfen einfache Massnahmen.

Schadstoffe meiden

Schlimmste Feinde unserer Atemwege sind all die Giftstoffe, die wir einatmen, sei es Tabakrauch, Feinstaub oder gefährliche Gase. Wer zehn Zigaretten pro Tag raucht, büsst jedes Jahr zwei Prozent seiner Lungenkapazität ein. Für Raucher gilt deshalb: sofortiger, konsequenter Rauchstopp. Da dies einfacher gesagt als getan ist, lohnt es sich, Unterstützung zu suchen, beispielsweise bei der Schweizer Lungenliga (www.lungenliga.ch). Wer im Beruf schädlichen Substanzen ausgesetzt sollte unbedingt eine Schutzmaske tragen.

Atmung anregen

Atemgymnastik stärkt die Atemmuskulatur und erhöht die Sauerstoffaufnahme. Ideal sind gezielte Atemübungen, Yoga-Stellungen und Ausdauertrainings wie Walking, Velofahren, Langlauf oder Schwimmen. Beim Schwimmen massiert der Wasserdruck zudem den Brustkorb.

Sich räkeln und gähnen

Es tönt banal ist aber höchst wirksam: Wer sich im Laufe des Tages immer wieder zwei bis drei Minuten Zeit nimmt, um sich durchzustrecken und sich wie eine Katze in alle Richtungen zu dehnen, fühlt sich frischer und lebendiger. Aktives Gähnen hilft, verbrauchte Luft (CO2) auszustossen. US-Forscher der Ball State University haben nachgewiesen: Regelmässiges Stretching dehnt die Lungenflügel. Das ideale Minimal-Training für alle, die nie Zeit finden, sich regelmässig zu bewegen.

Lungen auslüften

Nach einem (Arbeits-)Tag in winterlich geheizten Räumen freut sich die Lunge, frische, sauerstoffreiche Luft zu tanken. Wer mindestens 1000 bis 2000 Schritte geht, bevor er in den Bus oder ins Auto steigt, baut zudem Stress ab und lässt Sorgen verblassen. Keine Bange vor der kalten Luft draussen: Einfach durch die Nase (und nicht durch den Mund) atmen, dann gelangt die Luft wohltemperiert im Körper.

Dampf duschen

Im Dampfbad ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Dies befeuchtet die Atemwege und wirkt schleimlösend, was auch bei Erkältung und Husten wohltuend entspannt. Im Gegensatz zur klassischen Sauna liegen die Temperaturen mit 45 bis 60 Grad viel tiefer und schonen den Kreislauf. Wer lieber zu Hause kuriert: Badezimmertüre schliessen, während rund 20 Minuten die Dusche heiss prasseln lassen und die aufsteigenden Wasserdämpfe auskosten.

Lauthals lachen

Ob gesellige Witzrunde oder eine Filmkomödie im Kino: Befreiendes Lachen löst Spannungen im Zwerchfell und macht gute Laune.

Fetten Fisch essen

Eine Studie der Indiana University in den USA hat gezeigt, dass der tägliche Konsum von Fischölkapseln die Lungenfunktion um bis zu 64 Prozent steigern kann, wegen des hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren. Die findet man in natürlicher Form auch in frischem Lachs, Tunfisch, Hering oder Makrele.

Ein Apfel pro Tag

Wer häufig Äpfel isst, kann besser durchatmen. Dies haben Tests mit über 2000 Bewohnern der britischen Stadt Nottingham erwiesen. Äpfel enthalten Flavonoide (Pflanzenstoffe), die gesundheitsfördernd auf die Lunge wirken.

COPD – die unbekannte Krankheit

Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit COPD ist weltweit die vierthäufigste Todesursache. Das Erkrankungsrisiko ist dreimal so hoch wie für einen Herzinfarkt. In der Schweiz sind rund 400’000 Personen betroffen.
Über längere Zeit eingeatmete Schadstoffe – insbesondere Tabakrauch – schädigen die Atemwege. Neun von zehn Erkrankten rauchen oder haben geraucht. Hauptsymptome sind Husten und Auswurf am Morgen, die gerne als „Raucherhusten“ abgetan werden. Schreitet die Krankheit voran, kommt Atemnot dazu, selbst bei kleinsten Anstrengungen. Spätestens dann sollte der Hausarzt aufgesucht werden. COPD ist bisher zwar nicht heilbar, das Fortschreiten der Lungenkrankheit lässt sich aber verlangsamen. Wird COPD nicht gebremst, können schwere Entzündungen und Veränderungen an den Lungenbläschen zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und letztlich zum Tode führen.

Aufatmen – 100 Alltagstipps

Die 28-seitige Broschüre „Aufatmen“ gibt 100 bewährte Tipps für Menschen, die an einer Atemwegserkrankung leiden. Sie kann kostenlos über www.lungenliga.ch bestellt werden.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.