Auftanken wie die Römer

In der Schweiz ist römisch-irisches Baden auf dem Vormarsch. Das moderne Wellness-Ritual , das auf antiken Traditionen basiert, entspannt den Körper, stärkt das Immunsystem und erfrischt die Seele.

Sinken die Aussentemperaturen in Richtung Nullpunkt und drücken dicke Nebelschwaden aufs Gemüt, steigt die Sehnsucht nach wärmenden und stimmungsaufhellenden Streicheleinheiten. Kein Wunder erfreuen sich Wellness-Angebote in und ums Wasser hierzulande steigender Beliebtheit. Das Element, in dem wir die ersten neun Monate bis zu unserer Geburt leben, schenkt nicht nur Geborgenheit, sondern auch Gesundheit und Entspannung.

Badehäuser als Treffpunkt

Das wussten bereits die alten Römer, die heisse Dämpfe und Thermalquellen nutzten und Baderituale zelebrierten. Das Baden in Thermen diente nicht nur der Körperreinigung, wie zuvor in den antik-griechischen Badestuben. Im alten Rom entstanden riesige Badepaläste, wo nebst der Gesundheit auch die Kommunikation gepflegt wurde. Hier traf man sich, um Neuigkeiten auszutauschen, Verträge zu machen, Staatsmänner zu bestechen und zu tuscheln. Schon damals umfasste die Badekultur verschiedene Stationen – vom “Tepidarium” (Warmbad) über das “Sudatorium” (feuchtheisser Schwitzraum) bis zum “Frigidarium” (Kaltbad).

„Die Welt vergessen“

Im 19. Jahrhundert erweckte der irische Arzt Dr. Richard Barter (1802-1870) die antike Badekultur der Römer zu neuem Leben und kombinierte sie mit Elementen aus dem türkischen Hammam und irischen Heissluftbädern. 1843 eröffnete er das “St Ann’s Hydropathic Establishment” und erntete dafür vorerst viel Spott und Verachtung. Sein neu kreiertes Baderitual wurde aber schnell zum Erfolg, immer mehr Patienten suchten den “verrückten Doktor” auf. 1877 wurde in Baden-Baden dann der erste römisch-irische Badetempel im deutschen Sprachraum eröffnet. Er galt damals als modernstes Badehaus Europas. Der berühmte amerikanische Schriftsteller Mark Twain soll nach einem Besuch dieses Bades einem Freund geschrieben haben: „Hier vergessen Sie nach 10 Minuten die Zeit und nach 20 Minuten die Welt.“.

Gesunde “Mini-Ferien”

Römisch-irisches Baden, das rund 2,5 Stunden dauert, ist tatsächlich eine Wohltat für Körper und Seele und regeniert wie drei Tage Ferien. Es regt den Kreislauf sanft an, entschlackt den Körper und stärkt das Immunsystem. Die feuchte Wärme des Dampfes dringt tief in die Bronchien ein und verbessert die Durchblutung der Atemwege. Gerade in der kalten Jahreszeit, in der Erkältungen à jour sind, tut dies besonders gut. Eine reinigende Seifenbürstenmassage beschert zudem streichelzarte Haut.

So läuft es ab

Das heilsame Badevergnügen ist klar reglementiert. In rund 10 bis 17 aufeinander folgenden Stationen – die Zahl variiert je nach Anbieter – wird der Organismus langsam erwärmt, zum Schwitzen und Entschlacken angeregt, sanft abgekühlt und in tiefe Entspannung gebracht – eingehüllt in wohlig-warme Tücher. Wichtigste Stationen sind, nebst mehrmaligem Duschen:

  • Warmluftbad 54° (Tepidarium)
  • Heissluftbad 70° (Laconium)
  • Seifenbürstenmassage
  • Dampfbad 42° (Caldarium)
  • Dampfbad 48° (Sudatorium)
  • Baden in 36° ( Thermalwasser oder Sprudelbad)
  • Baden in 34° ( Thermalwasser oder Sprudelbad)
  • Kaltwasserbad, zwischen 12° und 18° (Frigidarium)
  • 30 Minuten Entspannen in einem stillen Raum mit (vorgewärmten) Decken

Manche Anbieter offerieren zudem Spezialitäten wie Eincreme-Station, Infrarot-Kabine oder Ganzkörperpackungen mit Tonerede.

Das Wellness-Ritual richtet sich an Erwachsene ab 16 Jahren und findet normalerweise nackt statt (ausser in Zürich und Morschach). Beim Einchecken wird traditionsgemäss ein “Pestemal” gereicht. Das leichte Baumwolltuch trägt der Mann als Lendentuch, die Frau als Pareo.

Römisch-irisch Baden in der Schweiz

  • Abtwil (SG), Säntispark, www.saentispark.ch, CHF 72.- , inkl. Seifenbürstenmassage und Benützung der Bäder- und Saunalandschaft.
  • Bern-Brünnen (BE), Bernaqua, www.bernaqua.ch, CHF 75.-, inkl. Seifenbürstenmassage und Erlebnisbad.
  • Leukerbad (VS), Lindner Alpentherme, www.lindner.de/de/LHAT, CHF 74.-, inkl. Seifenbürstenmassage und Thermalbad.
  • Morschach (SZ), Swiss Holiday Park, www.swissholidaypark.ch, CHF 54.-, inkl. Sauna und Erlebnisbad. Reduzierte Tarife ab 19 Uhr und für AHV/IV. Seifenbürstenmassage CHF 24.-.
  • Scuol (GR), Bogn Engiadina, www.cseb.ch, CHF 66.-, inkl. Seifenbürstenmassage und Benützung der Bäder- und Saunalandschaft.
  • Zürich, Thermalbad & Spa, www.thermalbad-zuerich.ch, CHF 55.-, inkl. Thermalbad.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.

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Geniessen wie die alten Römer

Ein Verwöhn-Erlebnis der unvergesslichen Art sind sogenannte „römisch-irische Nächte“, wie sie in Leukerbad und Morschach alle paar Wochen angeboten werden. Zur zeremoniellen Eröffnung des Rituals im dekorierten Bad trägt man eine weisse, luftige Toga – wie zu Cäsars Zeiten. Ein opulentes Buffet mit mediterranen Köstlichkeiten wie Caesar Salat, gegrillte Fische mit geheimnisvollen Gewürzen, Vitello Tonnato auf Artischockenblatt oder eingelegte Feigen in Rotwein weckt die Lust, es den gutsituierten Bürgern im alten Rom gleichzutun, die lukullischen Gaumengenuss mit gesunden Badefreuden verbanden. An einem solchen Abend ist es beispielsweise möglich, den Liebsten, die Liebste mit frischen Trauben zu füttern, während er / sie im Pool entspannt.

Die dreistündige Römernacht mit Baderitual und Buffet kostet pro Person:

  • Morschach: CHF 97.-
  • Leukerbad: CHF 111.-