Doktor auf Pfoten

Mit Haustieren zu spielen und sie zu streicheln, muntert nicht nur auf, sondern hält auch gesund. Ältere Menschen und Schwerkranke profitieren, wenn Hunde zu ihnen auf Besuch kommen.

Die Golden-Retriever-Dame Kira ist in der Schweiz eine kleine Berühmtheit: Die Hündin, die zuvor in einem Tierheim lebte, ist zur ersten Spitex-Hündin der Schweiz ausgebildet worden. Als jüngste Mitabeiterin der privaten „Spitex zur Mühle“ in Uster ist es ihre Aufgabe, sich streicheln zu lassen – von älteren Herren, die zu Hause von der Spitex versorgt werden, von einsamen Damen, die in einem Alters- oder Pflegeheim wohnen oder von Schwerkranken, die im Spital liegen.

Bedingungslose Liebe

Studien belegen, dass das Zusammensein mit Tieren das gesundheitliche Wohlbefinden erhöht. Grundsätzlich muss man aber zwischen zwei verschiedenen Arten unterscheiden, wie Tiere „als Medizin“ eingesetzt werden können. Bei der sogenannten tiergestützten Therapie ist das Tier nur Teil einer gezielten Therapie. Beim Besuchsdienst in Kindergärten oder Altersheimen hingegen – wie Kira dies tut – spielt das Tier die Hauptrolle: Es darf geknuddelt, geherzt oder gefüttert werden. Wedelt der Hund mit dem Schwanz, kann man nicht anders, als sich geliebt zu fühlen, was die Laune sofort hebt. Wunder bewirkt auch eine Katze, die einem anschaut, am Bein streift und zu schnurren beginnt. Tiere lieben den Menschen, so wie er ist, auch wenn man ein künstliches Gebiss hat, ständig die gleichen Sätze wiederholt oder inkontinent ist. Tiere knüpfen ihre Liebe an keine Bedigung und stellen auch keine nervigen Fragen. Vor allem ältere Leute, die früher selbst ein Haustier hatten, profitieren und kommen ins Erzählen, vergessen ihre Einsamkeit und ihre Schmerzen, wenn sie Tierbesuch erhalten.

Gut fürs Herz

Die gesundheitliche Wirkung von Haus- oder Besuchstieren ist keine Einbildung, sie lässt sich wissenschaftlich messen. Forscher der Universität Missouri-Columbia konnten zum Beispiel nachweisen, dass 15 bis 30 Minuten Streicheln und Spielen mit einem Hund den Blutdruck um 10 Prozent senken kann.

Die Anwesenheit eines Hundes sorgt auch dafür, dass man das Hormon Oxytocin ausschüttet, welches Ruhe und Vertrauen schenkt. Gleichzeitig verringert sich das Stresshormon Cortisol – das gilt natürlich nur bei Menschen, die Person keine Angst vor Hunden haben… Das Kraulen von Tieren lässt alle Sorgen und Schmerzen vergessen, ein Fell zu berühren wirkt schmerzlindernd.

Eine andere Studie mit über 4500 Teilnehmern hat ergeben, dass Katzen gut fürs Herz sind: Katzenbesitzer haben ein 40 Prozent geringeres Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben. Sie erliegen auch seltener einem Herzversagen oder Schlaganfall.
Von Tieren profitieren auch Kinder: Wachsen sie mit Haustieren, erkranken sie später seltener an Allergien.

Was ist eine tiergestützte Therapie?

Hier  handelt es sich um ein alternativmedizinisches Therapieverfahren, bei dem eine ausbildete Fachperson ein Tier einsetzt, um die Heilung des Patienten zu fördern und die Behandlung angenehmer zu gestalten. Die Methode eignet sich etwa bei psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen und Behinderungen, da sie hilft gewisse Barrieren wie Sprachstörungen, Gehörlosigkeit oder Autismus besser zu umgehen.
Bekannte Angebote sind beispielsweise Schwimmen mit Delfinen für Behinderte, Hundetraining für hyperaktive Kinder oder Depressive, Physiotherapie auf dem Pferderücken für halbseitig Gelähmte oder Lamatherapie für Suchtkranke.
Die heilungsfördernde Wirkung wird nicht dem Tier an sich zugeschrieben, sondern dem ganzen Therapie-Setting.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.