Hier lauern Zuckerfallen

Zuckerwürfel
Jährlich verputzen wir pro Kopf 44 Kilo Zucker. Auch wenn seine Süsse unsere Gaumenknospen erfreut: Der Süssmacher liefert viele Kalorien, aber keine Nährstoffe. Besonders ungesund sind industriell gefertigte Zuckerbomben.

Herr und Frau Schweizer konsumieren im Jahr durchschnittlich 11‘000 Zuckerwürfel – pro Tag sind das rund 30 Stück beziehungsweise 120 Gramm. Wir vertilgen heute 20 Mal mehr Zucker als unsere Vorfahren vor 150 Jahren, als das „weisse Gold“ noch ein Luxusgut der Reichen war.
Rund drei Viertel des Zuckers, den wir konsumieren, versteckt sich mehr oder weniger offensichtlich in verarbeiteten Nahrungsmitteln und Getränken. Deshalb unterschätzen wir, welche immensen Mengen des Süssmachers tatsächlich in unseren Körper gelangen. Denn Zucker dient in der Nahrungsindustrie nicht nur zum Süssen, sondern auch als Konservierungsstoff und Geschmacksverstärker – selbst in Fleischwaren.

Brauchen wir Zucker?

Im Gegensatz zu Fett, das unser Körper für gewisse Stoffwechselvorgänge unbedingt benötigt, ist Zucker entbehrlich – zumindest der sogenannte Haushaltzucker, der null lebensnotwendige Nährstoffe enthält, dafür viele Kalorien liefert. Der Mensch war jahrtausendelang fähig, ohne den Süssmacher zu leben. Die Glukose, die das Gehirn als Treibstoff braucht, holte er sich aus Früchten, Kartoffeln und vollwertigem Getreide.
Das Zuviel an Zucker, das wir heutzutage unserem Organismus zumuten, schadet nicht nur den Zähnen und der Linie. Es fördert auch zahlreiche Krankheiten. Die Liste der gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist riesenlang. Um ein paar Beispiele zu nennen, was Zucker auslösen kann:

  • Er schwächt das Immunsystem
  • macht unerklärlich müde und antriebslos
  • fördert Hyperaktivität und Konzentrationsprobleme bei Kindern
  • begünstigt Pilzinfektionen
  • verursacht Kopfschmerzen und Migräne
  • erhöht das Krebsrisiko und nährt Krebszellen
  • bringt das hormonelle Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht
  • beeinträchtigt die Darmgesundheit
  • lässt Haut und Gewebe schneller altern und
  • führt zu Haarausfall.

In den USA gibt es mittlerweile Stoffwechselexperten, die den Süssmacher für einen der grössten „Killer“ halten – so schlimm wie Tabak oder Alkohol. Ihre Meinung: Ein bisschen Zucker ist kein Problem, aber viel Zucker tötet – wenn auch nur langsam.

Die schlimmsten Zuckerbomben

Selbstverständlich muss niemand auf den Genuss eines Schoggi-Stängelis verzichten. Vielmehr geht es darum, einen Bogen um unnötige Zuckerbomben zu machen. Dazu zählen

Süssgetränke: Eistee, Limonaden und Energy Drinks sind flüssige Zuckerfallen. Wer 1 Liter davon trinkt, um seinen Durst zu löschen, schluckt zwischen 15 und 30 Zuckerwürfel!
Besser ist: selbstgemachter Eistee mit Stevia / pures Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft.

Fruchtsäfte: Sie gaukeln Gesundheit vor, doch selbst reine Orangen- und Multivitaminsäfte enthalten 10 Gramm Zucker pro Deziliter, also fast so viel wie Cola. Ganz schlimm sind gezuckerte Frucht-Nektare: In einem 1 Liter stecken zwischen 27 und 42 Zuckerwürfel!
Besser ist: Früchte essen statt trinken; Apfelschorle, Säfte mit Wasser verdünnen.

Joghurts und Milchdrinks: Ungesund gesüsst sind auch Energymilk, Schoggi-Drinks oder Frucht-Lassis: Auf 1 Liter kommen bis zu 35 Zuckerwürfel. In einem vermeintlich gesunden Fruchtjoghurt (180 g) verstecken sich rund 6 Zuckerwürfel.
Besser ist: Buttermilch mit frischen Früchten mixen, Nature-Joghurt mit wenig Honig süssen.

Cornflakes und Frühstücksflocken: In einer Portion von 50 Gramm stecken bis zu 4 Zuckerwürfel. Wahre Zuckerfallen sind auch Nutella oder Konfitüre.
Besser ist: eine Scheibe Vollkornbrot mit magerem Schinken oder mit Hüttenkäse zum Frühstück.

Ketchup und fixfertige Saucen: Nicht nur Ketchup strotzt vor Zucker, sondern auch Barbecue-Sauce, Sweet-&-Sour-Sauce oder Mango Chutney. Zuckerreich ist auch Aceto Balsamico, insbesondere in Creme-Form.
Besser ist: Senf, Weinessig oder eine Mini-Portion selbst gemachte Mayonnaise.

Fertiggerichte: Auch wenn Schinkengipfeli, Pizza, Gemüse-Lasagne oder Fischstäbli nicht süss schmecken, liefern sie pro Mahlzeit 2 bis 3 Würfelzucker.
Besser ist: Selbstgekochtes mit frischen Zutaten.

So schnell wird es zu viel

Die Schweiz. Gesellschaft für Ernährung SGE rät zu maximal 50 Gramm Zucker pro Tag. Wie schnell diese Menge überschritten wird, zeigt folgendes Beispiel:

Frühstück:

  • Kaffee mit 2 Zuckerwürfeln: 8 Gramm Zucker
  • 2 dl Orangensaft: 20 Gramm
  • 20 Gramm Konfitüre: 12 Gramm

Znüni:

  • 1 Fruchtjoghurt: 25 Gramm

Mittags:

  • 1 Portion Birchermüesli fixfertig: 25 Gramm
  • 5 dl Eistee: 37 Gramm

Abends:

  • Fertigpizza à 400 g: 10 Gramm

Das sind insgesamt 137 Gramm purer Zucker!

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy.