Essen, das einheizt

wärmende SuppeBei klirrenden Winter-Temperaturen reicht dicke Kleidung nicht immer aus, um sich gegen inneres Frieren zu schützen. Die Traditionelle Chinesische Medizin rät zu Nahrungsmitteln und Gewürzen, die den Körper von innen heraus aufwärmen.

Die «Ernährung nach den Fünf Elementen» – so nennt sich die Ernährungslehre der 3000 Jahre alten Traditionellen Chinesischen Medizin TCM – unterscheidet Nahrungsmittel nicht nur nach ihrem Geschmack wie sauer (= Holzelement), bitter (= Feuerelement), süss (= Erdelement), scharf (= Metallelement) oder salzig (= Wasserelement). Die Chinesen teilen Essen, Gewürze und Getränke auch nach ihrer thermischen Wirkung ein. Es geht nicht primär darum, ob warm oder kalt gegessen wird, sondern um die Frage, ob ein Lebensmittel den Organismus von innen her wärmt oder kühlt. Auch hier gibt es fünf Kategorien:

  • heisse Nahrungsmittel, die vor Kälte schützen (wie Chili oder Lamm)
  • warme Nahrungsmittel, die die Aktivität steigern (wie Hafer oder Rotwein)
  • neutrale Nahrungsmittel, die Lebensenergie liefern (wie Linsen oder Safran)
  • erfrischende Lebensmittel, die das Blut tonisieren (wie Pfefferminztee oder Rettich)
  • kalte Nahrungsmittel, die vor Hitze schützen (wie Tomaten oder Grüntee).

Gemäss TCM gilt: Wer im Winter vermehrt Kälte und Nässe ausgesetzt ist, bringt seinen Körper aus dem Gleichgewicht und wird anfälliger für Krankheiten, wenn er zu viel kühlende Nahrungsmittel und Getränke geniesst. Besonders «Gfrörlis», die trotz dicken Socken, wattierter Jacke und gefütterten Schuhen ständig unter Frösteln, kalten Füssen und Antriebslosigkeit leiden, sollten ihre Ernährung anpassen. Auf den Teller gehören Lebensmittel, die dem Körper von innen einheizen. Zu meiden sind hingegen Rohkost, Joghurt oder Zitrusfrüchte, deren Verdauung viel Energie bindet, die dann für die Wärmeproduktion des Körpers fehlt.

Alte Esstraditionen wieder entdecken

Wer befürchtet, er müsse fortan im Asia-Laden einkaufen und chinesisch kochen lernen, um der Kälte zu trotzen, darf gleich aufatmen: Die chinesische Fünf-Elemente-Ernährungslehre ist längst an die westliche Küche adaptiert worden. In den vergangenen 20 Jahren sind zahlreiche deutschsprachige Kochbücher und Ratgeber auf den Markt gekommen, die erklären, wie es geht. Zudem gibt es auch in der Schweiz Ernährungsberaterinnen, die sich darauf spezialisiert haben.
Fündig wird man aber auch bei der Esskultur unserer Grossmütter und Urgrossmütter, die zu Winterzeiten Speisen auftischten, die von innen wärmten, obwohl sie von TCM keine Ahnung hatten. Sie kochten einfach mit dem, was die Natur saisonal bot. Damals gab es in der frostigen Jahreszeit keine kühlenden Ananas, Tomaten oder Mangos, wie wir sie heute rund ums Jahr im Supermarkt finden. Dafür Kohl, Lauch und Walnüsse.

Gekochtes statt Rohkost

Wohltuend wärmend bei eisigen Temperaturen sind schmackhafte Suppen und herzhafte Eintöpfe, wie eine Kürbissuppe, eine Quinoa-Lauch-Pfanne oder eine Gemüse-Kraftsuppe mit Markknochen. Fleischliebhaber setzen auf Wild, ein Lammragout oder luftgetrocknetes Bündnerfleisch. Wärmend wirkt auch ein Rindsbraten, der mit Wintergemüse und Rotwein über Stunden geköchelt wird.
Um energiereich in den Tag zu starten, empfiehlt die chinesische Ernährungslehre, bereits beim Frühstück warm zu essen. Ideal ist ein gekochter Getreidebrei, der mit gehackten Walnüssen und Früchtekompott verfeinert wird.
Wer gesundheitsbewusst viel Gemüse verzehrt, verabschiedet sich im Winter vom klassischen Salatteller und komponiert einen vitamin- und mineralstoffreichen Gemüseteller mit Kürbis, Rosenkohl, Fenchel, Weiss- oder Rotkraut, Rüeblis, (Süss-)Kartoffeln, Randen und gebratenen Zwiebeln – angereichert mit wärmenden Gewürzen und einer geschmacksgebenden Mini-Portion an Kürbiskernöl, Rapsöl oder Bio-Butter.
Naschmäuler laben sich in der kalten Jahreszeit an heissen Maronis, Dörrfrüchten und seelenwärmenden Bratäpfeln mit Zimt, Rosinen, Walnüssen und Honig.

Kühlende Fallen

Wem es in kalten Wintermonaten nie warm genug wird, reduziert oder streicht gemäss TCM folgende Zutaten auf seinem Speiseplan, weil sie stark auskühlen:
Ananas, Grüntee, Gurken, Joghurt, Kaviar, Kiwi, Krebsfleisch, Mangos, Meeresalgen, Melonen, Orangensaft, Pfefferminztee, Salz, Sojasauce, Tomaten, Weizenkleie und Zitrusfrüchte.

Das wärmt von innen
  • Fleisch:  Lamm, Schaf, Ziege, Wild, Suppenhuhn, gegrilltes Fleisch.
  • Fisch:  Kabeljau, Krevetten, Miesmuscheln, Sardellen, Thunfisch, geräucherter Fisch.
  • Gemüse:  Fenchel, Kohl, Kürbis, Lauch, Rosenkohl, Rüebli, (Süss-)Kartoffeln.
  • Getreide:  Grünkern, Hafer, Quinoa, Süssreis.
  • Nüsse: Kokosnuss, Pinienkerne, Walnuss.
  • Milchprodukte: Parmesan, Schafskäse, Schimmelkäse, Ziegenmilch.
  • Öle: Kürbiskernöl, Rapsöl.
  • Gewürze: Bockshornklee, Cayennepfeffer, Chili, Curry, Fenchelsamen, Ingwer, Kakao, Knoblauch, Kümmel, Kurkuma, Lorbeer, Mohn, Muskat, Nelke, Pfeffer, Sternanis, Vanille, Zimt, Zwiebeln.
  • Sonstiges: Kokosmilch, Maronis.
  • Getränke:  Bitterlikör, Fencheltee, Glühwein, Holundersaft (gewärmt), Ingwertee, Kaffee, Kirschsaft, Portwein, Rotwein, Yogi-Tee.
Wärmende Tees aus der Apotheke

Die Apotheke bietet praktische Beutel, mit denen sich Tee aufbrühen lässt, der Kältegefühle vertreibt. Zur Wahl stehen beispielsweise aromatisch-scharfer Ingwertee, Roiboos-Tee mit Honigaroma und würziger Vanille oder schweisstreibende bzw. schleimlösende Teemischungen, die Husten und Erkältung sanft und natürlich lindern.

Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy