Wie gut ist Ihr Hausarzt?

Stethoskop mit ApfelEr – oder sie – ist eine ganz wichtige Ansprechperson, wenn es um Ihre Gesundheit geht. Haben Sie den richtigen gefunden? An diesen Punkten können Sie eine professionelle Behandlung erkennen.

Ob Schwindelanfälle, Heuschnupfen oder Rückenschmerzen: Ist man krank, fühlt man sich in einer Art Ausnahmezustand. Und wünscht sich einen Arzt oder eine Ärztin, auf die man sich voll und ganz verlassen kann.

Zur Genesung gehören nicht nur Pillen, Spritzen und Operationen. Mindestens so wichtig ist die Kommunikation mit dem behandelnden Arzt. Befragungen haben gezeigt: Patienten wünschen sich in erster Linie, dass der Hausarzt mit ihnen spricht, ihnen zuhört und Interesse zeigt. Wie sehr die richtigen Worte des Arztes den Heilungsverlauf beeinflussen können, belegten britische Forscher: Eine warmherzige, freundliche und angstnehmende Zuwendung verkürzt die Genesungszeit, stellten sie fest. Psychischer Stress hingegen beeinträchtigt die Selbstheilungskräfte und lässt beispielsweise Wunden langsamer heilen.

DEN RICHTIGEN ARZT FINDEN

Woran erkennt man einen guten Mediziner? Ob er fachlich auf dem neusten Stand ist, lässt sich als Patient kaum einschätzen. Beurteilen kann man aber die emotionale Kompetenz des (Haus-)Arztes, das heisst die Art, wie er auf einen eingeht. Als Patient muss man das Gefühl haben, in wirklich guten Händen zu sein. Zu einer erfolgreichen Behandlung tragen folgende zehn Punkte bei:

1. Volles Vertrauen

Vertrauen zwischen Arzt und Patient ist das Wichtigste. Mit seinem Hausarzt sollte man über alles offen reden können – auch über peinliche Themen wie Alkoholprobleme, Erektionsstörungen oder Fressattacken. Alles, was man ihm erzählt, unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht! Wer seinem Arzt nicht traut, sollte sich fragen, woran es liegt: Ist es die eigene Schüchternheit oder gibt es andere Gründe dafür?

2. Ungeteilte Aufmerksamkeit

Während der Sprechstunde hört der Arzt aufmerksam zu und lässt sich nicht durch Telefonate stören (ausser in Notfällen). Er nimmt Ihre Probleme und Ängste ernst und erkundigt sich, ob Sie unter beruflichen oder familiären Belastungen leiden, da nicht nur Bakterien, sondern auch Stresssituationen krank machen können. Hat er Ihnen in einer früheren Sprechstunde Medikamente oder andere Massnahmen verschrieben, erkundigt er sich, wie sie gewirkt haben und ob Sie sie gut vertragen haben. Während einer körperlichen Untersuchung erklärt er, was er gerade macht und was als Nächstes passiert.

3. Kein Zeitdruck

Für die Qualität eines Mediziners spricht, dass er sich Zeit für seine Patienten nimmt – nicht nur für die Untersuchung, sondern auch für ihre Fragen. Fehlt es an Zeit, kommen wichtige Details möglicherweise nicht zur Sprache. Ein guter Arzt lässt Sie zunächst ausreden und unterbricht Sie nicht bereits nach 15 Sekunden.

4. Verständliche Information

Ein Arzt, der Sie ernst nimmt, spricht Klartext und nicht Fachchinesisch. Er klärt Sie mit verständlichen Worten über Ihre Erkrankung auf und ermuntert Sie, Fragen zu stellen, falls etwas unklar ist.

Ganz wichtig: Verschreibt er ein Medikament oder eine Behandlung, erklärt er, wie diese wirkt. Er informiert Sie über Vor- und Nachteile sowie über mögliche Nebenwirkungen und lässt Sie mitreden bzw. mitentscheiden. So steigt die Bereitschaft, den ärztlichen Ratschlägen zu folgen. Verschreibt der Arzt ein neues Medikament, erkundigt er sich nach bestehenden Allergien und ob Sie noch andere Medikamente (auch Naturheilmittel) einnehmen, da gewisse Wirkstoffe sich gegenseitig beeinflussen. Sind Sie an anderen oder weiteren (komplementär-medizinischen) Behandlungen interessiert, die Ihr Hausarzt selber nicht praktiziert, ist er offen, mit diesen Therapeuten zu kooperieren.

5. Überweisung / Zweitmeinung

Ein guter Hausarzt kennt die eigenen Grenzen und überweist Sie rechtzeitig an einen Spezialisten. Er empfindet es auch nicht als Vertrauensbruch, wenn Sie sich vor wichtigen Entscheidungen (zum Beispiel einer Operation) eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt einholen wollen. Als Patient haben Sie das Recht auf eine Zweitmeinung.

6. Aktiv vorbeugen

Ihr Arzt begnügt sich nicht damit, Medikamente zu verschreiben. Er zeigt auch taktvoll auf, wie Sie Ihre Gesundheitsprobleme selber an die Hand nehmen können – sei es mit mehr Bewegung, Ernährungsumstellung oder Stressabbau. Zudem weiss er auch, welche Vorsorgeuntersuchungen für Sie nötig sind und welche nicht – abhängig von Ihrem Alter und Ihrem Gesundheitszustand.

7. Diskretion zugesichert

Vertrauliche Gespräche mit dem Arzt oder dem Praxispersonal finden nur in Räumen statt, in denen keine fremden Personen mithören können. Auch im Wartezimme darf niemand erfahren, weshalb Sie den Arzt aufsuchen – selbst wenn es sich «nur» um Hämorrhoiden handelt. Patientenakten dürfen in der Praxis niemals herumliegen.

8. Soforttermin im Notfall

Als (regelmässiger) Patient eines Hausarztes dürfen Sie erwarten, dass Sie in Notfällen oder bei akuten Beschwerden noch am gleichen oder am nächsten Tag einen Termin erhalten. Im Gegenzug müssen Sie Verständnis haben, wenn die Wartezeit länger als üblich dauert.

9. Respektvoller Umgang

In einer guten Praxis ist nicht nur der Arzt einfühlsam, sondern auch das Praxispersonal, das Sie nett begrüsst und Voruntersuchungen zuvorkommend durchführt. Absolut tabu sind Witze über Ihre Befindlichkeit oder Ihre Krankheit.

10. Patientenakte einsehen

Als Patient ist es Ihr Recht, Ihre Krankengeschichte einzusehen. Dazu gehören auch Laborresultate, Röntgenbilder oder Operationsberichte. Sie können sich Ihre Patientenakte auch aushändigen lassen, falls Sie den Arzt wechseln möchten.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy