Was Gelenke gerne essen

© Lsantilli - Fotolia.com

© Lsantilli – Fotolia.com

Die richtige Ernährung trägt viel zu Gesundheit und Wohlbefinden zu. Gilt dies auch bei Rheuma und Gichtbeschwerden? Worauf ist zu achten?

Welche Rolle die Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen spielt, ist ein vieldiskutiertes, kontroverses Thema. Fest steht: Die bisherigen Forschungsergebnisse sind nicht sehr umfangreich und eine eigentliche «Rheuma-Diät», die von den Gelenkerkrankungen heilt, existiert (bisher) nicht. Was es gibt, sind einzelne Erkenntnisse und daraus resultierende Empfehlungen für die Ernährung. Diese Massnahmen können helfen, die Beschwerden und Schmerzen zu lindern, vor allem, wenn es sich um eine entzündliche Rheumaform wie rheumatoide Arthritis handelt.

Allgemeine Richtlinien

Grundsätzlich gilt für alle rheumageplagten Menschen: Wer übergewichtig ist, sollte unbedingt abnehmen, um seine Gelenke zu entlasten und sie vor verstärkter Abnützung zu schützen. Bei der Ernährung lohnt es sich, ein paar Grundregeln zu beherzigen. Die Schweizerische Rheumaliga (www.rheumaliga.ch) empfiehlt allgemein:

Mehr: Gemüse, Früchte, vollwertige Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Fisch sowie Raps-, Oliven-, Nuss- und Leinöl.

Weniger: Fleisch, Würste, Innereien, Eier, Kaffee, Alkohol, Zucker sowie Sonnenblumen-, Distel- und Maiskeimöl.

Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

Oberstes Ziel ist, die Entzündung zu hemmen, um weniger Medikamente einnehmen zu müssen und den Knochenabbau zu mindern. Eine Hauptrolle spielen dabei mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die durch die Nahrung aufgenommen werden, insbesondere Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren. Das A und O ist eine ausgewogene Zufuhr dieser Fettsäuren. Einschränken sollte man Lebensmittel, die reich an entzündungsfördernder Arachidonsäure sind. Sie entsteht aus Omega-6-Fettsäuren oder wird direkt mit der Nahrung aufgenommen. Besonders hoch ist ihr Anteil in Schweineschmalz, Schweineleber, Eigelb, Thunfisch oder Leberwurst. Frei von Arachidonsäure sind Kartoffeln, Gemüse, Obst, Nüsse, Sojaprodukte und pflanzliche Öle.

Entzündungshemmend wirken hingegen die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure EPA und Alpha-Linolensäure. Wertvolle EPA-Quellen sind fette Fische wie Lachs, Makrele, Hering, Sardinen sowie Fischölkapseln aus der Aptoheke. Reich an Alpha-Linolensäure sind beispielsweise Pflanzenöle wie Raps-, Walnuss- und Leinöl.

Im Ernährungsalltag bedeutet dies: Um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken, kommt zweimal pro Woche Fisch auf den Teller. Tierische Koch- und Streichfette ersetzt man am besten durch pflanzliche Öle mit Alpha-Linolensäure

Weitere Gegenspieler

Die Bildung von Entzündungsstoffen aus Arachidonsäure kann durch Antioxidantien gemindert werden, insbesondere durch Vitamin E (in Nüssen, Samen und Pflanzenölen). Auch Fasten kann eine Entzündung innerhalb weniger Tage reduzieren. Wichtig ist, genügend zu trinken (Gemüsebrühe, Gemüsesäfte, Molke oder Mineralwasser). Eine solche Fastenkur gehört aber unbedingt unter ärztliche Aufsicht.

Sonderfall Gicht

Im Gegensatz zu anderen Rheuma-Erkrankungen spielt die Ernährung bei der Gicht eine zentrale Rolle. Diese besondere Form von entzündlichem Rheuma ist die Folge eines gestörten Harnsäure-Stoffwechsels, die hauptsächlich Männer trifft. Frauen bleiben bis zu den Wechseljahren in der Regel davon verschont. Plagegeister sind winzige Harnsäurekristalle, die sich bilden, wenn die Harnsäure-Menge im Blut über ein bestimmtes Niveau steigt und sich in den Gelenkspalten absetzen. Auslöser der schmerzhaften Attacken sind üppige, purinreiche Mahlzeiten und übermässiger Alkoholkonsum. Wirkungsvollste Massnahme gegen Gicht ist, weniger Purine (Vorstufe der Harnsäure) zu essen. Sie stecken insbesondere in Fleisch,
Fleischprodukten und Innereien, aber auch in Ölsardinen, Meeresfrüchten, Fertigsuppen und -saucen sowie in Hülsenfrüchten. Um den Harnsäurespiegel zu senken und die Urinausscheidung zu fördern, ist viel trinken angesagt – mindestens zwei Liter pro Tag. Aber bitte nicht in Form von Alkohol!

Rheuma aus ganzheitlicher Sicht

In der Naturheilkunde spielt das Bindegewebe eine wichtige Rolle bei Rheumaerkrankungen. Als belastend gelten u. a. Eiweissmast und eine Übersäuerung durch zu viele säureüberschüssige Nahrung (wie Zucker, Weissmehl, Fleisch und Eiweiss). Empfohlen werden entgiftendes Fasten und Rohkostkuren, eine Darmsanierung (z. B. mit Brottrunk oder Colon-Hydrotherapie) sowie eine Regulation des Säure-Basen-Haushaltes (z. B. Basenpulver aus der Apotheke).

Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy