Kläranlage des Körpers

© kreativloft GmbH - Fotolia.com

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Die Nieren befreien unser Blut täglich von Gift- und Abfallstoffen. Lässt ihre Funktion nach, kann es lebensbedrohlich werden. Deshalb sollte man ihnen Sorge tragen und sie ein bisschen verwöhnen.

Die beiden lebenswichtigen Waschmaschinen unseres Körpers sehen wie dicke Bohnen und liegen rechts und links der Wirbelsäule. Täglich leisten sie Schwerstarbeit, indem sie bis zu 1800 Liter Blut reinigen: Die rund sechs Liter Blut in unserem Körper fliessen etwa 300 Mal pro Tag durch die Filteranlage des Körpers. Damit sind die Nieren weitaus stärker durchblutet als die Leber oder der Herzmuskel.
Einerseits befreien die faustgrossen Organe unseren Organismus von Gift- und Abfallstoffen, die über den Urin ausgeschieden werden. Andererseits führen sie Nährstoffe in den Blutkreislauf zurück. Nebst ihren „Recycling“-Aufgaben regeln sie zudem den Flüssigkeits- und Salzhaushalt und produzieren Hormone, die den Blutdruck steuern.

Wenn die Nieren erkranken

Es gibt zahlreiche Faktoren, die unsere Nieren beeinträchtigen können. Häufig sind Nierenbeckenentzündungen. Verursacht werden sie durch Bakterien, die über einen oder beide Harnleiter aufsteigen – oft als Folge einer Blasenentzündung. Typische Anzeichen sind plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost, Druck- und Klopfschmerz in der Nierengegend, Übelkeit und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Der Urin kann trüb oder rötlich sein. Besonders anfällig sind Schwangere, Frauen in den Wechseljahren und ältere Frauen. Die Entzündung wird in der Regel mit Antibiotika behandelt.
Nierensteine sind eher ein Männerleiden. Es trifft sie doppelt so häufig wie Frauen. Nierensteine bilden sich, wenn der Urin mit winzigen Ablagerungen aus Kalzium, Oxalat, Phosphat, Harnsäure oder Cystin übersättigt ist und diese nicht mehr auflösen kann. Auch bestimmte Medikamente – wie Schmerzmittel, Blutgerinnungshemmer, Entwässerungsmittel und Immunsuppresiva – können Nierensteine fördern. So lange die Steine klein sind, können sie mit grossen Trinkmengen – über Wochen hinweg – ausgespült werden. Hilfreich sind auch feuchte Lendenwickel und heisse Vollbäder.
Unerträglich schmerzhaft wird es, wenn ein grosser Stein aus der Niere heraustritt und eine Kolik auslöst. Dann muss der Arzt Hand anlegen, indem er die Steine mit Stosswellen von aussen zertrümmert oder sie mittels einer endoskopischen Operation entfernt.

Wenn die Nieren versagen

Chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck sowie schädigende Medikamente können die Funktion der Nieren über Jahre bis Jahrzehnte hinweg schleichend herabsetzen. Dieser Funktionsverlust wird als chronische Niereninsuffizienz bezeichnet. Hinweise auf ein fortschreitendes Nierenversagen sind Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, beispielsweise an Knöcheln, Unterschenkeln oder auch im Gesicht. Auch Schmerzen beim Wasserlassen und schäumender Urin können ein Zeichen sein.
Sind die Nieren eines Tages nicht mehr in der Lage, Abfall- und Giftstoffe über den Urin auszuscheiden, kann es zu einer lebensgefährlichen Vergiftung kommen. Um diese Substanzen und überschüssiges Wasser aus dem Körper zu entfernen, müssen sich Betroffene einer Dialyse unterziehen. Der Patient wird an ein Gerät angeschlossen, dass sein „Blut wäscht“. Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Transplantation einer Spenderniere. In der Schweiz wie auch weltweit ist die Nierentransplantation die häufigste Organtransplantation. Trotz Lebendspenden mangelt es aber transplantierbaren Nieren. Allein in der Schweiz stehen über 1100 Menschen (Stand 2011) auf der Warteliste.

So halten Sie Ihre Filteranlagen in Form

Um die Nieren möglichst lange gesund zu erhalten, helfen einfache Massnahmen:

  • Viel trinken: Die Nieren brauchen viel Flüssigkeit für ihre Spülfunktion. Pro Tag sollten es mindestens 1,5 Liter sein – am besten Wasser, ungesüsste Tees oder verdünnte Fruchtsäfte (Schorlen). Bei hohen Temperaturen und körperlicher Anstrengung braucht der Organismus entsprechend mehr Flüssiges. Alkoholische und zuckerreiche Getränke (Limonaden, reine Fruchtsäfte) hingegen beschleunigen den Wasserverlust.
  • Nierenfreundlich essen: Die Nahrung sollte nicht zu viel tierisches Eiweiss enthalten, dafür mehr pflanzliche Kost, die reich an essenziellen Aminosäuren ist (wie Nüsse, Hülsenfrüche, Tofu, Amarant oder Quinoa).
  • Weniger Salz: Die Salzzufuhr sollte auf fünf Gramm pro Tag beschränkt werden. Dies entspricht etwa einem Teelöffel. Auch scharfe Gewürze wie Chili, Pfeffer und Essig können den Nieren zusetzen. Besser sind Kräuter und milde Gewürze.
  • Blutdruck senken: Hoher Blutdruck erhöht das Risiko einer Nierenerkrankung massiv. Jede Woche mindestens dreimal 30 Minuten Ausdauersport senkt den Blutdruck.
  • Blutzucker überprüfen: Diabetiker, deren Zucker gut eingestellt ist, können Nierenschädigungen verzögern oder gar verhindern.
  • Auf Zigaretten verzichten: Die Glimmstängel schaden den Blutgefässen und den Nieren, insbesondere bei Diabetikern.
  • Sparsam mit Schmerzmitteln: Zahlreiche Medikamente belasten die Nieren. Besondere Vorsicht ist beim Dauergebrauch von Schmerzmitteln geboten.
 Erschienen in: GlücksPost. © Von Marie-Luce Le Febve de Vivy