«Oft hilft es, das Shampoo zu wechseln»

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Das Angebot an Shampoos wächst und wächst – gar nicht einfach, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden. Wir haben bei Rahel Ihro, Parfümerie-Chefin der Bahnhof Apotheke in Zürich, nachgefragt, worauf es bei der Shampoo-Wahl ankommt.

Schönes Haar hängt in erster Linie von der richtigen Pflege ab. Was banal tönt, ist aber nicht so einfach zu handhaben: Zahlreich sind die Frauen und Männer, die aus Unkenntnis zum falschen Shampoo greifen – so die Erfahrung des renommierten Haar-Experten und Dermatologen Prof. Ralph Trüeb. Die Auswahl an Haarwasch-Produkten ist heute derart riesig, dass man sich im „Shampoo-Dschungel“ regelrecht verlaufen bzw. vergreifen kann. Mit unangenehmen Folgen: Statt sich über eine glänzende, gesunde Haarpracht zu freuen, sieht man sich plötzlich mit stumpfen Haaren, trockenen Schuppen oder Kopfhaut-Irritationen konfrontiert.

Rahel_IrohWir haben bei Rahel Ihro (Bild), Parfümerie-Chefin der Bahnhof Apotheke in Zürich, nachgefragt, worauf es bei der Shampoo-Wahl ankommt.

Woran erkennt man generell ein gutes Shampoo?

Rahel Ihro: Ein gutes Shampoo schäumt nicht zu stark. Produkte, die sofort und extrem schäumen, enthalten grosse Mengen an billigen Schäumungsmitteln, darunter Sodium-Lauryl-Sulfat. Dieser Wirkstoff trocknet die Kopfhaut aus und leistet Schuppen Vorschub.
Gute Shampoos sind zudem frei von Silikon (Dimethicone). Silikon legt sich zwar wie ein hauchdünner Film ums Haar, die Haare sind nach dem Waschen weich und leicht kämmbar. Mit der Zeit stumpfen die Haare aber ab, werden matt und können allfällige Kolorationen nicht mehr richtig annehmen. Es kommen zahlreiche Kunden zu uns in die Apotheke, die ein silikonfreies Shampoo wünschen.

Wie sieht es mit dem Haarglanz aus, wenn das Silikon fehlt?

Silikonfreie Shampoos enthalten beispielsweise Öle als Ersatz. Wenn man auf Shampoos mit Silikon verzichtet, muss sich das Haar zuerst daran gewöhnen. Am Anfang fühlen sich die Haare etwas quietschend und rauh an. Die Umstellung lohnt sich aber: Mit der Zeit kommt der natürliche Haarglanz wieder zum Vorschein. Zudem können die Haare wieder gesünder und stärker nachwachsen, da sie nicht mehr durch Silikon-Ablagerungen auf der Kopfhaut beeinträchtigt werden. Zu viel Silikon führt dazu, dass die Haare dünner nachwachsen.

Können Shampoos auch gesundheitsgefährdende Wirkstoffe enthalten?

Sodium-Lauryl-Sulfat wird nachgesagt, es sei krebserregend. Als problematisch gelten auch Parabene. Das sind Konservierungsmittel mit grossem Allergiepotenzial. Sie stecken nicht nur in Shampoos, sondern auch in zahlreichen Kosmetikartikeln. Führende Anbieter von Dermokosmetika verzichten zunehmend auf deren Einsatz.

Wie finde ich das für mich passende Shampoo?

Wichtig ist, nicht irgendwelchen Trends zu folgen, weil sie gerade angesagt sind. Um das passende Shampoo zu finden, gilt es, auf die persönliche Haarqualität zu achten und allenfalls auch auf den Zustand der Kopfhaut. Die Apotheke ist dabei gerne behilflich.
Ein grosses Thema ist die irritierte Kopfhaut. Etwa 80 Prozent unserer Kunden sind der Meinung, ihre Kopfhaut sei empfindlich. Bei juckender, beissender Kopfhaut muss man aber nicht gleich den Arzt aufsuchen. Oft reicht es, einfach das Shampoo zu wechseln. Wir bieten milde Shampoos an, die frei von irritierenden Zusatzstoffen sind, das Haar waschen und die Kopfhaut beruhigen. Sie eignen sich für die ganze Familie und für häufiges Waschen.

Bei gewissen Menschen ist die Kopfhaut aber wirklich überempfindlich.

Ja. Die Kopfhaut mancher Leute reagiert selbst auf die erwähnten milden Shampoos. Hier braucht es ein hypertolerantes Shampoo, das möglichst wenige Wirkstoffe enthält und völlig frei ist von Konservierungsmitteln, Farbstoffen oder Duftkomponenten. Je weniger Zutaten ein Shampoo enthält, desto geringer ist die Gefahr unerwünschter Reaktionen.

Wie sieht es mit Schuppen aus?

Schuppen sind ein Kopfhaut-Problem. Sie können durch Medikamente ausgelöst werden, aber auch durch ein falsches Shampoo oder nicht richtig ausgespülte Haare. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen trockenen und fettigen Schuppen. Trockene Schuppen können durch Shampoos entstehen, die zu stark schäumen und die Kopfhaut austrocknen. Eine Rolle spielt auch die Jahreszeit bzw. das Klima: Ist die Luft trocken, wie etwa im Winter, ist auch die Kopfhaut trockener. Hilfreich ist ein Shampoo, das die Kopfhaut beruhigt, ihre Feuchtigkeit nicht entzieht und rückfettet. Fettige Schuppen sind vielfach hormonell bedingt, durch eine Überproduktion der Talgdrüsen. Hier braucht es ein Shampoo, das die Talgdrüsenproduktion einschränkt.

Gilt dies auch für fettige Haare?

Ja, auch bei fettigem Haar muss man vor allem darauf achten, die Talgproduktion zu regulieren. Gut ist, wenn man stark schäumende Shampoos meidet, um nicht einen Teufelskreis anzukurbeln. Starker Schaum trocknet die Kopfhaut aus und regt die Talgdrüsen an, vermehrt Talg zu produzieren. Zur Normalisierung von fettigem Haar spielt die Shampooqualität deshalb eine grosse Rolle. Gute Shampoos enthalten Gerbstoffe, Zink und Brennesselextrakt, die die Talgproduktion ausgleichen.
Ich empfehle zudem, die Haare nicht zu oft zu waschen, sondern nur jeden zweiten Tag. Eine andere Möglichkeit ist der Wechsel zwischen Shampoo für fettige Haare und mildem Shampoo. Die Waschfrequenz kann man auch dadurch reduzieren, indem man den Haaransatz mit Trockenshampoo besprüht und dieses anschliessend ausbürstet. Das Trockenshampoo saugt das Haarfett auf und verhilft ebenso zu Normalität.

Weit verbreitet sind kolorierte Haare. Ihre Empfehlung?

Beim Kolorieren öffnet man die Haarfasern, damit die Farbe in die Haare eindringen kann. Dies ist eine Strapaze fürs Haar. Ein pflegendes Shampoo für kolorierte Haare hilft, die Haarschüppchen wieder schön zu schliessen. Dafür eignen sich Shampoos, die chlorid- und sulfitfrei sind. So hält die Farbe länger und die Haare können später auch wieder besser neue Farbe aufnehmen. Shampoos für kolorierte Haare enthalten darüber hinaus keine Farbbestandteile.

Was ist mit Shampoos für blonde, rote oder braune Haare?

Das sind Farbreflex-Shampoos, die die natürliche Haarfarbe unterstützen – beispielsweise mit Henna (Rotton), Kamille (Blondton) oder Walnuss (Braunton). Sie verändern den Haarton aber nicht. Verwendet eine blonde Frau fälschlicherweise ein Henna-Shampoo, werden die Haare dadurch nicht rot.

Menschen mit feinem Haar wünschen sich mehr Volumen. Was hilft?

Bei Volumen-Shampoos ist es wichtig, dass sie kein Silikon enthalten. Silikon beschwert das Haar, entzieht im die Sprungkraft und lässt es nicht locker fallen.

Wie sieht es mit Haarausfall aus? Gibt es Shampoos, die entgegenwirken?

Haarausfall ist in unserer Apotheke tatsächlich ein grosses Thema, vor allem bei Männern. Wir bieten zahlreiche Shampoos mit Pflanzenextrakten wie Ginseng, Rosmarin oder Koffein an, die die Haarfollikel stimulieren und das Haarwachstum anregen. Solche Shampoos wirken aber nur unterstützend, in Kombination mit einer Lotion, einem Tonic oder einer medikamentösen Behandlung.

Öko-Shampoos sind im Trend. Wie gefragt sind sie?

Die Nachfrage ist steigend – ob bei Shampoos oder in der Pflegekosmetik. Die Kunden sind heute viel bewusster und kritischer, wenn es um die Inhaltsstoffe geht. Der Vorteil von Öko-Shampoos ist, dass sie keine synthetischen Substanzen enthalten. Der Nachteil ist ihr höherer Seifenanteil, der sie basisch macht. Das kann den Säureschutzmantel beeinträchtigen. Öko-Shampoos hinterlassen ein eher rauhes Gefühl und enthalten deshalb vielfach Öle, wie Arganöl.

Ihr persönlicher Tipp bei der Wahl eines Shampoos?

Lieber mehr Geld ausgeben und ein Shampoo kaufen, das weniger schäumt und eine höhere Konzentration an Wirkstoffen enthält, als sich mit einem extrem schäumenden Shampoo begnügen, das die Kopfhaut reizt.

 Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy