Unbeschwert unterwegs

© Pavel Losevsky - Fotolia.com

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Ferien – das bedeutet oft auch eine längere Anreise zum Ziel. Macht Ihnen oder Ihren Lieben dabei Reiseübelkeit zu schaffen? Dann hilft es, wenn Sie vorher ein paar Vorkehrungen treffen!

Häufiges Gähnen, flaues Gefühl im Magen, Blässe, Mattigkeit, Schwindel, kalter Schweiss, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen: Der Start in die wohlverdienten Ferien kann einem ganz schön die Laune vermiesen, wenn man von Reiseübelkeit heimgesucht wird.
Die Reisekrankheit – in der Fachsprache Kinetose genannt – ist eine unangenehme Begleiterscheinung, die etwa jeden Zehnten trifft, insbesondere Kinder unter zwölf Jahren, Frauen, ängstliche Menschen und Migräne-Patienten. Passieren kann es im Auto, im (Neige-)Zug, im Flieger oder auf dem Schiff, aber auch in der Seilbahn, im Helikopter, in Freizeitparks oder auf dem Rücken eines Kamels.

Sinneskonflikt im Hirn

Ausgelöst wird die Kinetose nicht im Magen-Darm-Trakt, sondern durch einen Verarbeitungskonflikt im Gehirn. Erhält das Hirn widersprüchliche Signale, schüttet der Organismus vermehrt den Botenstoff Histamin aus und aktiviert damit das Brechzentrum. Um ein Beispiel zu nennen: Man sitzt im Auto und liest ein Buch. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr sowie die Bewegungsmelder in den Muskeln und der Haut registrieren „Bewegung“. Die Augen hingegen, die auf dem Buch ruhen, melden dem Gehirn „Stillstand“. Das bringt das Hirn in einen Sinneskonflikt – mit Reiseübelkeit als unangenehme Folge.

So beugen Sie vor

Wer zu Reiseübelkeit neigt, beherzigt am besten ein paar Grundregeln und Tipps:

  • Fette Speisen meiden: Vor Reiseantritt ist leichte Kost angesagt. Zu empfehlen sind Zwieback, fettarm und dünn belegtes Brot sowie Früchte – gepaart mit ausreichend Flüssigkeit in Form von Tees, stillem Wasser oder verdünnter Saftschorlen. Empfindlichen Kindern gibt man besser keine Milch.
  • Auf Genussmittel verzichten: Alkohol, Nikotin und Kaffee sind unterwegs nicht zu empfehlen, wenn man zur Reisekrankheit tendiert. Auf dem Kreuzfahrtenschiff gilt: Lieber Weisswein als Rotwein trinken. Je höher der Reifegrad des Rotweins, desto höher sein Histamingehalt, der das Brechzentrum stimulieren kann.
  • Frische Luft tanken: Bahnt sich Übelkeit an, hilft frische Luft. Das heisst: Auf dem Schiff begibt man sich am besten aufs Deck. Auf der Autofahrt öffnet man häufiger die Fenster und macht alle zwei bis drei Stunden eine Pause, um sich die Beine zu vertreten. Dies hilft auch dem Gleichgewichtssinn wieder ins Lot zu kommen. Absolut tabu im Auto sind Rauchen und penetrante Gerüche (wie Parfüm).
  • Den Blick nicht nach unten lenken: Ob Lesen oder Computerspiele – das Fixieren eines Gegenstandes vermeldet dem Gehirn „Stillstand“ und löst einen Sinneskonflikt aus, der den Brechreiz fördert. Im Auto und Zug ist es besser nach draussen zu schauen, am besten in Fahrtrichtung. Kinder unterhält man mit Musik, Hörspielen, lustigen Geschichten oder Suchspielen, bei denen beispielsweise bestimmte Autofarben / – marken oder –kennzeichen erkannt werden müssen. Das lenkt den Blick automatisch nach draussen und lässt die Zeit schneller verfliegen. Auf kurvigen Strassen gilt: nicht zu rasant fahren, vor allem wenn Kinder an Bord sind!
  • Wem es auf der Schiffsreise übel wird, geht am besten an Deck, um einen Punkt am Horizont zu fixieren.
  • Den richtigen Sitzplatz auswählen: Im Zug oder im Car entsteht Übelkeit vor allem dann, wenn man entgegen der Fahrtrichtung sitzt. Wer auf Flugreisen empfindlich reagiert – sei es bei Start, Landung oder Turbulenzen – reserviert sich einen Gang-Platz im Bereich der Tragflächen. Hier ist die Flugzeugbewegung am wenigsten ausgeprägt. Auf einer Kreuzfahrt bucht man am besten eine Kabine mit Aussenfenster – so ist der Horizont immer fest im Blick. Ein weiterer günstiger Ort, um sich bei hohem Wellengang aufzuhalten, ist die Schiffsmitte.
  • Für den Notfall gerüstet sein: Ein Mittel gegen Reiseübelkeit gehört sicherheitshalber in jede Reiseapotheke. Wer mit Kindern reist oder selbst anfällig ist, packt am besten auch noch eine „Kotztüte“, Papiertaschentücher und eine Flasche Wasser ein.
Mittel gegen Reisekrankheit

Präparate gegen Reiseübelkeit können vorbeugend wie auch zur Behandlung eingenommen werden. Die meisten rezeptfreien Medikamente enthalten den Wirkstoff Dimenhydrinat, der die Wirkung des körpereigenen Botenstoffes Histamin blockiert und meist auch müde macht. Zur Wahl stehen Tabletten, Kapseln, Dragées, Kaugummi-Dragées und Zäpfchen (für Kleinkinder und Babys).
Beliebt sind auch natürliche Ingwer-Kapseln oder homöopathische Mittel auf Basis von Cocculus. Die Kockelskörner – Früchte einer südasiatischen Schlingpflanze – wurden bereits zu früheren Zeiten gegen Seekrankheit eingesetzt.
Praktisch sind elastische Reisearmbänder, die an der Innenseite einen hartes Kügelchen enthalten, das auf den Akupressur-Punkt Nei-Kuan (wörtlich: innere Barriere) drückt und gemäss chinesischer Medizin Übelkeit und Erbrechen vorbeugt. Sie sind in Apotheken und Drogerien erhältlich, für Erwachsene und für Kinder.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy