Sommerfrisch von Kopf bis Fuss

Copyright: Vichy

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Stimmungshebende Sonnenstrahlen, unbeschwerte Ferientage am Meer oder stundenlanger Wassersport: Es ist Zeit, den Sommer in vollen Zügen zu geniessen! Wir haben bei der Apothekerin Dr. Anthi Georgaki Sutter nachgefragt, welche Körperpflege Wohlgefühl schenkt und wie man auch bei heissen Temperaturen im Arbeitsalltag mit Frische punktet.

Was setzt der Haut im Sommer am meisten zu?

Anthi Georgaki SutterDr. Anthi Georgaki Sutter: Die Sonnenstrahlen und mangelnde Feuchtigkeit sind die grössten Herausforderungen für unsere Körperhülle. Die UVA-Strahlen dringen bis zur Unterhautschicht und lassen die Haut bekanntlich schneller altern. Aber auch vermehrtes Waschen und häufiges Baden im Meer- oder Chlorwasser trocknen die Haut aus.

An heissen Tagen möchte man mehrmals duschen. Worauf ist zu achten?

Man kann wiederholt duschen, sollte aber überlegen, ob es wirklich nötig ist, jedes Mal zur Seife zu greifen. Zum Abkühlen reicht es aus, nur mit Wasser zu duschen. Bei der Wahl eines Duschmittels empfehle ich, ein sanftes Produkt zu verwenden, das der Haut nicht zusätzlich Feuchtigkeit entzieht und rückfettende Substanzen beinhaltet. Ein gutes Duschmittel enthält möglichst wenige Emulgatoren, die die Haut reizen könnten, und hinterlässt ein angenehmes Frischegefühl. Wichtig ist, sich zwischendurch immer wieder einzucremen, um die Haut mit Feuchtigkeit und Fett zu versorgen.

Welche ausgleichenden Wirkstoffe sind eine Wohltat für die sommerliche Körperhaut?

Grundsätzlich empfehlenswert sind im Sommer Öl-in-Wasser-Emulsionen oder Lotionen. Nach dem Sonnenbad werden kühlende Gele als besonders angenehm empfunden, beispielsweise mit Aloe Vera. Hamamelisextrakt wirkt leicht entzündungshemmend. Glycerin, Harnstoff sowie Hyaluronsäure sind gute Feuchtigkeitsspender. Und Vitamin E hilft, die sonnenbedingten freien Radikale zu neutralisieren. Eine zentrale Rolle für das Hautbefinden spielt zudem reichlich Flüssigkeit: Man sollte wirklich viel Wasser trinken!

Was ist mit Körperpeelings?

Peelings regen die Zellerneuerung an und verfeinern das Hautbild. Indem man die äusserste Schicht der abgestorbenen Hautzellen wegrubbelt, atmet die Haut besser und bräunt zudem gleichmässiger und somit schöner. Wer will, kann aus Olivenöl und Salz selber eine Peelingpaste herstellen – ein bekanntes Hausmittel. Vielen ist diese „Rezeptur“ aber zu fettig. Ein gutes Peelingprodukt, wie es in der Apotheke angeboten wird, zeichnet sich durch feinkörnige, gleichmässig grosse „Rubbelteilchen“ aus und ist frei von schädigenden Zusatzstoffen. Gute Resultate kann man auch mit „Schlamm-Behandlungen“ und Masken aus Heilerde erwarten.

Was ist nach dem Duschen angesagt: Eine leichte, schnell einziehende Körperlotion oder ein After-Sun-Produkt?

Am Morgen rate ich zu einer Lotion, die die Haut mit Feuchtigkeit und Fett versorgt. Nach einem Sonnenbad oder einem Ferientag am Meer braucht es jedoch ein After-Sun-Produkt mit regenerierenden Inhaltsstoffen, denn die kurzwelligen UVA-Strahlen können die Haut übermässig erwärmen, röten und eine leichte Entzündung auslösen. Überreizte Nervenendigungen können zudem Juckreiz entfachen. Lindernde „Erste Hilfe“ leistet der Wirkstoff Dexpanthenol. Auch Ringelblume oder Kamille können die Haut entspannen. Wurde die Haut beim Sonnenbad zu stark gereizt, hilft eine Salbe, die die Histaminproduktion der Haut unterdrückt, oder ein Lokalanästhetikum.

Im Trend sind duftende Körperwasser, sogenannte „Body Sprays“. Wie werden sie verwendet?

Sie dienen in erster Linie der Erfrischung. Man unterscheidet zwischen reinen Thermalwasser-Sprays und Produkten mit pflegenden Zusatzstoffen. Erstere enthalten weder Duft- noch Konservierungsstoffe, dafür von Natur aus reichlich Mineralstoffe und Spurenelemente. Sie werden auch von empfindlicher Haut gut vertragen. Die „Body Sprays“, die momentan in Mode sind, enthalten Zusatzstoffe wie pflegendes Panthenol, hydratisierendes Aloe Vera, schützenden Grüntee, erfrischende Zitrusfrüchte oder stimulierenden Ginseng. Was fehlt, sind Lipide. Sie pflegen deshalb weniger intensiv als Lotionen. Man trägt sie nach dem Duschen auf – morgens oder nach dem Sport. Bei Hitzegefühlen kann man sie zwischendurch auf die Arm- und Kniebeuge sprühen.

Wie sieht es mit Deos aus?

Die spielen nebst guter Körper- und Mundhygiene selbstverständlich eine Hauptrolle. Es gibt zwei Sorten von Deos: Solche, die die Schweissproduktion hemmen und solche, die nur den Geruch binden. Letztere absorbieren den Geruch mit Hilfe von Inhaltsstoffen wie Zink, Rizinoleat oder Natron. Nebst Parfümstoffen enthalten sie meistens auch antibakterielle Wirksubstanzen, die die Anzahl der Keime in der Achselhöhle reduzieren. Damit soll verhindert werden, dass der austretende Schweiss zersetzt wird, da dies die Ursache für die lästige Ausdünstung ist. Ein Deo, das die Schweissproduktion nicht hemmt, gilt als hautverträglicher, muss aber in der Regel mehrmals am Tag aufgetragen werden, auch wenn ein 24-Stunden-Schutz propagiert wird. Sonst beginnt der Schweiss irgendwann wieder zu riechen. Sogenannte Antitranspirante oder Antiperspirante hingegen setzen bereits bei der Bildung von Schweiss an. Die enthaltenen Wirkstoffe verengen die Ausgänge der Schweissdrüsen. So gelangt weniger Schweiss an die Hautoberfläche. Die am häufigsten eingesetzte Substanz, um die Schweissproduktion zu hemmen, ist Aluminiumchlorid, ein Aluminiumsalz.

Ist es nicht ungesund, den Schweiss zu hemmen?

Man sagt, dass man die Schweissproduktion nicht hemmen sollte, weil sonst die Drüsen verstopfen und gereizt werden. Tatsache ist: Ein schweisshemmendes Deo hat den Vorteil, dass man sich wirklich wohlfühlt. Warum soll ich schwitzen, wenn ich einen wichtigen Geschäftstermin habe oder ein schönes Kleid trage? Schweissflecken sehen unschön aus… Zudem ist Körpergeruch nicht gerade förderlich, wenn man mit anderen Personen in (nahem) Kontakt steht. Ob gesund oder nicht: Jeder Mensch muss selber entscheiden, wo seine Prioritäten sind. Unabhängig davon, für welche Deo-Art man sich entscheidet: Wichtig ist das korrekte Auftragen. Die Achsel muss vollständig trocken sein, sonst hält das Deo nicht bzw. weniger lang.

Was ist mit Aluminiumsalz? Sein Einsatz in Deos gilt als umstritten…

Aluminiumsalze stehen immer wieder im Verdacht, das Alzheimer- und das Brustkrebsrisiko zu erhöhen. Bisher existieren aber keine epidemiologischen Studien, die dies belegen. Aluminiumsalz wirkt äusserlich und dringt nicht in tiefere Hautschichten ein. Es kann also nicht in die Blut- und Lymphbahnen gelangen, ausser bei (kleinsten) Hautschnitten. Nach der Rasur der Achselhaare ist es deshalb besser, für mindestens 24 Stunden auf Antitranspirante zu verzichten.

Zu den Füssen: Wie hält man sie in geschlossenen Schuhen frisch?

Generell sollte man die Schuhe jeden Tag wechseln, damit sie Zeit haben zu trocknen. Praktisch sind spezielle Sohlen, die den Schweiss aufsaugen. Für Fussfrische sorgen Fuss-Deos, Fuss-Gele oder Fuss-Puder, die schweisshemmende Aluminiumsalze enthalten. Bei extremer Schweissproduktion kann man sich vom Arzt eine hochkonzentrierte Aluminiumlösung verschreiben lassen. Es handelt sich um eine alte, bekannte Rezeptur, die in der Apotheke hergestellt wird.

Zum Schluss: Was sind Ihre persönlichen Tipps für gepflegte Sommerhaut?

Sauberkeit ist die wichtigste Massnahme. Im Arbeitsalltag sowie auf Reisen oder Wanderungen empfehle ich Einmal-Hygienewaschtücher aus der Apotheke, wenn man nicht duschen kann und den Schweiss wegwaschen will, bevor er durch Bakterien zersetzt wird und zu riechen beginnt. Diese saugfähigen und reissfesten Tücher müssen nur unter den Wasserhahn gehalten werden, beispielsweise auf der Toilette. Nach Gebrauch wirft man sie weg. Für Instant-Erfrischung sorgen Thermalwasser-Sprays, die es auch in Mini-Grössen für die Hand- oder Aktentasche gibt. Da der Mensch nicht nur aus Haut besteht, tut es der Seele gut, ab und zu Sonne zu tanken und die sommerlichen Badefreuden zu geniessen. Aber bitte immer mit gutem Sonnenschutz und einer regenerierenden Nachpflege, die der Haut alles zurückgibt, was sie braucht.

Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy