Kohlgemüse schützt vor Krebs

© Serghei Velusceac - Fotolia.com

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Wer auf die Gesundheit achtet, tischt regemässig Kreuzblütler auf. Das sind Gemüse, die vor Senfölen strotzen und erwiesenermassen krebsvorbeugend wirken.

Kreuzblütengewächse galten bereits in der Antike als heilfördernd. Wie sehr dies zutrifft, belegt nun die moderne Wissenschaft, die die bioaktiven Inhaltsstoffe unserer Lebensmittel nach und nach unter die Laborlupe nimmt und isoliert. Die wirksamsten Inhaltsstoffe dieser Pflanzenfamilie sind die sogenannten Senföle, von denen bisher mehr als 150 verschiedene bekannt sind. Diese sekundären Pflanzenstoffe kommen in unterschiedlichen Mengen in Kreuzblütlern vor und bewirken den scharfen Geschmack in Rettich und Senf oder den bitteren Geschmack in bestimmten Kohlsorten.

Starker Krebsgegner

Senföle können gegen verschiedene Krankheiten eingesetzt werden. Im Mittelpunkt der Forschung steht derzeit vor allem das Senföl Sulforaphan – ein starkes Antioxidans, das 1992 erstmals isoliert wurde, bisher aber noch nicht in Medikamentenform existiert. Tatsache ist: Mehrere wissenschaftliche Studien belegen, dass Sulforaphan Krebserkrankungen vorbeugen und zum Teil auch bereits vorhandene Tumore auflösen kann:

  • Untersuchungen der Universitätsklinik Heidelberg zeigen, dass Sulforaphan aus Brokkoli und verwandtem Gemüse das Wachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebs hemmen und zudem die Wirkung von Chemotherapie verstärken kann.
  • Spezielle Proteine im Senföl regen Krebszellen an, „Selbstmord“ zu begehen. So wird verhindert, dass sie sich weiter teilen können. Offenbar wirkt Sulforaphan selbst bei der aggressivsten Form von Leukämie, die vor allem bei Kindern vorkommt.
  • Eine kanadische Studie kam zum Schluss, dass sich bei Prostatakrebs die Streuung des Tumors um 50 Prozent verringern lässt, wenn jede Woche drei- bis fünfmal Brokkoli oder Blumenkohl gegessen werden.
  • Sulforaphan wie auch andere Wirkstoffe in Kohlgemüse und Artgenossen bekämpfen nicht nur Krebszellen, sondern helfen auch bei Entzündungen und Infektionen, die durch Bakterien und Viren verursacht wurden – etwa in den oberen Atemwegen oder im Harntrakt.
  • Neuste Daten weisen darauf hin, dass auch die Darmflora von Kreuzblütlern profitiert, was wiederum das Immunsystem stärkt.

Weitere Untersuchungen und Tierexperimente belegen die stark krebsbremsende Wirkung von Senfölen zudem bei Lungen-, Magen-, Darm- und Brusttumoren.

Mehrmals pro Woche auftischen

Wie hoch die Dosis an Sulforaphan und anderen Senfölen sein muss, um präventiv bzw. heilend zu wirken, ist wissenschaftlich noch nicht klar erforscht. Experten gehen momentan davon aus, dass drei bis fünf Portionen Brokkoli, Kresse, Meerrettich und Co reichen, um die Gesundheit zu fördern. Derzeit konzentrieren sich Forscher insbesondere auf Brokkoli-Sprossen. In den USA sind sie bereits zum Krebsschutzschlager avanciert… Tatsache ist: auch andere Kreuzblütler sind für die Gesundheit wohltuend. Gemäss einer weiteren Studie tut es Rauchern gut, wenn sie drei Mal täglich 60 Gramm Brunnenkresse verzehren, weil dies hilft, die krebsfördernden Stoffe aus dem Tabakrauch vermehrt auszuscheiden.

Richtig zubereiten ist das A und O

Um in den Genuss der krebshemmenden und gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe von Senfölen zu kommen, müssen ein paar wichtige Grundregeln beherzigt werden:
Sulforaphan ist extrem hitzeempfindlich, beim Kochen gehen wichtige Biostoffe verloren. Am besten wird das Gemüse deshalb roh verzehrt oder in drei bis vier Minuten im Dampfgarer aufbereitet. Notfalls kann es auch kurz in hochwertigem Fett angebraten werden.
Wird in Wasser gekocht oder blanchiert, muss das Kochwasser unbedingt für eine Suppe oder Sauce verwendet werden, da Sulforaphan wasserlöslich ist. Absolut ungeeignet ist das Kochen oder Aufwärmen in der Mikrowelle, weil dabei bis zu 97 Prozent der Schutzstoffe zerstört werden.
Wichtig ist auch, beim Essen gründlich zu kauen, um das Sulforaphan freizusetzen.

Frisch von der Fensterbank

Als hervorragende Sulforaphan-Quelle gelten Sprossen, die aus Brokkolisamen gezüchtet werden. Gemäss der Universitätsklinik Heidelberg können sie 10 – bis 100-mal so viel Glukarophan (Vorläufer von Sulforaphan) enthalten wie ausgewachsener Brokkoli. Die Sprossen anderer Kreuzblütler sind ebenso gesundheitsfördernd und peppen jeden Salat, Kräuterquark oder ein Sandwich auf.
Fixfertige Sprossen kann man kaufen. Um vom vollen Vitalstoff-Paket zu profitieren, züchtet man sie aber besser selber – in einem Keimapparat oder in einem Einmachglas. Nach drei bis sieben Tagen sind sie bereits erntereif. Eine ausführliche Anleitung findet man beispielsweise auf der Website: sprossen-selbstgemacht.de.

Was zählt zu den Kreuzblütengewächsen?

Die Kreuzblütler (in der Fachsprache Brassicaceae oder Cruciferae genannt) sind eine Pflanzenfamilie mit rund 3000 bis 4000 Arten. Zu den Kreuzblütengewächse, die essbar sind, zählen:

  • Blumenkohl
  • Brokkoli
  • Brunnenkresse
  • Chinakohl
  • Kapuzinerkresse
  • Kohlrabi
  • Kresse
  • Meerrettich
  • Pak Choi
  • Radieschen
  • Raps
  • Rettich
  • Rosenkohl
  • Rotkohl
  • Rucola
  • Senf(körner)
  • Steckrübe
  • Wasabi
  • Weisskohl
  • Wirsing
Erschienen in: GlücksPost: © Marie-Luce Le Febve de Vivy