Stark – und empfindlich!

© Africa Studio - Fotolia.com

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Es ist das grösste und komplizierteste Gelenk in unserem Körper: Aus diesem Grund ist das Knie besonders anfällig für Schmerzen – sei es durch Abnützung, Entzündungen oder abrupte Bewegungen beim Freizeitsport.

Unsere Kniegelenke sind ein geniales Konstrukt aus Bändern, Sehnen, Knochen und Puffern, die Ober- und Unterschenkel zusammenhalten und uns ermöglichen, zu gehen, Treppen zu steigen, zu springen, zu knien oder zu tanzen. Obwohl diese komplizierte Knie-Apparatur ziemlich Vieles aushält, ist sie dennoch besonders anfällig für Verletzungen und Verschleiss. Experten gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent der über 50-Jährigen unter Gelenksproblemen leiden.
Auch wenn zu ambitionierte Freizeitsportler besonders gefährdet sind, steht fest: Nicht nur Sport führt zu Knieproblemen, sondern auch Fehlstellungen wie ein X- oder O-Bein, häufiges Arbeiten im Knien und Hocken oder dauerndes Gehen auf hartem Grund. Übergewicht verstärkt die Belastung ebenfalls. Kommt dazu, dass sich die Knorpelflächen im Kniegelenk im Laufe der Jahre abnutzen.
Wer nun glaubt, man könne Kniebeschwerden verhindern, indem man sich weniger bewegt, irrt allerdings. Mangelnde Bewegung führt dazu, dass der Knorpel ungenügend mit Nährstoffen versorgt wird, was wiederum das Risiko für Kniearthrose erhöhen kann.

Das führt zu Knieschmerzen

Knieschmerzen sind nicht nur das Resultat übermässiger Belastung. Sie können durch unterschiedlichste Faktoren ausgelöst werden, die sich in folgende Beschwerdebildern einteilen lassen:

Verletzungen: wie Knochenbruch, Verrenkungen, Bänderriss oder Meniskus-Probleme nach einem Sturz oder Unfall. Nach Verletzungen kann Abnützung – normalerweise eine Alterserscheinung –vorzeitig einsetzen.
Verschleiss: Wird der Gelenkknorpel übermässig beansprucht, entsteht Arthrose, eine sogenannte Alterserscheinung. Ab welchem Alter sich Beschwerden bemerkbar machen, hängt einerseits von den Genen ab, andererseits vom Lebensstil (Übergewicht bzw. belastende Sportarten). Abnützungserscheinungen können sich auch am Meniskus durch chronische Überbelastung entstehen – nicht nur bei Sportlern, sondern auch bei Gärtnern oder Fliesenlegern.
Infektionen: schmerzhafte Gelenkentzündungen werden hauptsächlich durch Viren (wie Röteln, Mumps, Hepatitis B und C, HIV) und Bakterien (wie Tuberkulose, Lyme-Borreliose) ausgelöst und nur selten durch Pilze (wie Candida).
Diverse Störungen wie Autoimmunerkrankungen, rheumatisches Fieber, rheumatoide Arthritis, Gicht, Fibromyalgie, chronisches Müdigkeitssyndrom oder überbewegliche Gelenke, um nur einige zu nennen.
Die Ursachen für die Schmerzen können auch ausserhalb des Knies liegen – etwa von einem kranken Hüftgelenk oder einem gereiztem Nerv am Rückenmark, der ausstrahlt.
Auch bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum kommen Knieschmerzen relativ häufig vor. Diese „Wachstumsschmerzen“ sind allerdings harmlos.

Wann muss ich zum Arzt?

Da Knieschmerzen nicht immer leicht einzuordnen sind, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung, insbesondere wenn die Beschwerden mehrere Tage anhalten, schubweise auftreten oder die Bewegungsfreiheit einschränken.
Die anschliessende Therapie hängt von der Diagnose ab. Manchmal braucht das Knie vorübergehend einfach Ruhe, mit anschliessender Krankengymnastik zur Kräftigung. Möglich sind auch schmerzstillende Medikamente, schützende Schienen, Stützbandagen, Schuheinlagen oder physiotherapeutische Massnahmen wie Massage, Elektrotherapie oder Fango-Bäder.
Fest steht: Je früher das schmerzendes Knie behandelt wird, desto besser sind die Chancen, dass es wieder ausheilt. Damit das Knie wieder funktioniert, muss es nicht unbedingt operiert werden.

Aktivität senkt den Schmerz

Bei verschleissbedingten Knieschmerzen kann zu starke Schonung allerdings auch schaden, wie eine neuere Studie aus Holland zeigt. Patienten, die unter Anleitung von Physiotherapeuten an einem sechswöchigen Trainingsprogramm teilnahmen, um ihre Muskulatur zu stärken, konnten ihre Schmerzen nachhaltiger reduzieren, als Patienten, die sich auf „Ruhigstellung“ beschränkten.
Zu ähnlichen Ergebnissen kamen englische Wissenschaftler bei einer Studie mit 300 Übergewichtigen mit Kniebeschwerden. Bei denjenigen, die einfache Übungen zur Knie-Stärkung absolvierten, sanken die Schmerzen bei jedem Zweiten um mindestens 30 Prozent. Diejenigen, die mit einer Diät auf Gewichtsverlust setzten, konnten ihre Schmerzen hingegen kaum lindern.

Das tut den Knien gut:

Um die Knie möglichst lange fit zu halten, helfen ein paar einfache Massnahmen:

  • Entlastendes Muskeltraining: Wer seine Beinmuskeln aktiv stärkt, reduziert die Kniebelastung um 30 Prozent. Aktive Bewegung hilft zudem, das Knorpelgewebe zu nähren.
  • Kniefreundlich trainieren: Wer seine Knie nicht übermässig strapazieren will, setzt beispielsweise auf Wassergymnastik (Aqua-Fitness), Schwimmen, Velofahren oder Walking.
  • Knorpelaufbaupräparate ausprobieren: ihre Wirkung ist wissenschaftlich (noch) umstritten. Dennoch gibt es Ärzte, die eine Kur mit Präparaten auf Basis von Glucosamin und Chondroitin empfehlen.
  • Schwere Lasten vermeiden: Schweres zu tragen, stresst nicht nur die Wirbelsäule, es setzt auch den Knien zu.
  • High-Heels nur an Festtagen: Hohe Absätze verlagern den Körperschwerpunkt nach vorne und belasten nicht nur das Kreuz, sondern auch die Knie. Ausserdem begünstigen sie Krampfadern.
Sportarten, die das Knie stressen können
  • Strammes Bergabgehen beim Wandern
  • Fussball, Handball, Volleyball
  • Tennis
  • Sprungsport (Hoch-/Weitsprung)
  • Reiten
  • Hockey
  • Skifahren / Snowboarden

Einen gewissen Schutz vor Verletzungen können geeignetes Schuhwerk und Knieschoner bieten.

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy