Wenn das Herz aus dem Takt gerät

© adimas - Fotolia.comSchlägt das Herz hin und wieder zu schnell oder zu langsam, ist dies kein Grund zur Sorge. Dauern die Herzrhythmusstörungen länger an, kann eine Herzerkrankung dahinter stecken.

Unser Herz schlägt jeden Tag etwa 100‘000 Mal, um das Blut durch unseren Körper zu pumpen und damit alle Organe, Gewebe und Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Taktgeber ist der sogenannte Sinusknoten, der im rechten Herzvorhof liegt: Im Ruhezustand beträgt der Rhythmus eines gesunden Herzens gewöhnlich etwa 60 bis 80 Schläge pro Minute, bei trainierten Ausdauersportlern auch weniger. Da der Sinusknoten von unserem Nervensystem beeinflusst wird, beschleunigt sich der Puls, wenn wir uns körperlich anstrengen oder psychisch belastet sind – auf bis zu 160 Schläge pro Minute. Beim Schlafen hingegen verlangsamt sich der Puls auf 40 bis 50 Schläge. Diese Veränderungen sind völlig natürlich und haben nichts mit einer Herzrhythmusstörung zu tun. Von einem unregelmässigen Herzschlag spricht man, wenn der Puls längerfristig unter 60 Schläge pro Minute fällt oder dauerhaft über 100 (bis 300) Mal in der Minute schlägt.

Auf allfällige Beschwerden achten

Tickt das Herz zu langsam, sprechen Mediziner von einer „Bradykardie“. Mögliche Symptome sind Schwindel, Atemnot, Ohnmacht, extreme Erschöpfung und Müdigkeit. Ist der Rhythmus zu schnell, handelt es sich um eine tachykarde Herzrhythmusstörung, die sich mit Herzrasen, Kurzatmigkeit, Schwindelgefühlen, plötzlicher Schwäche, Flattern im Brustkorb, Benommenheit oder Nervosität bemerkbar machen kann. Herzschläge, die ausserhalb des normalen Grundtaktes auftreten, nennt man Extrasystolen (Extraschläge).
Leichte oder gelegentliche Unregelmässigkeiten kommen häufig vor und sind nicht unbedingt gefährlich. Oft wird das Herzstolpern nicht mal bemerkt. Manche Menschen reagieren sensibler und nehmen jede Pulsunregelmässigkeit wahr, fühlen sich unwohl. Dies ist sehr individuell.

Wann muss ich zum Arzt?

Wer bemerkt, dass sein Herz neuerdings öfters aus dem Takt gerät, lässt sich am besten von seinem Arzt untersuchen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Gerade bei älteren Menschen können Herzrhythmusstörungen Vorbote für künftige oder unbemerkte Herzkrankheiten sein. Aufpassen müssen auch Personen, die unter Bluthochdruck leiden.
Mögliche Ursachen für die krankhaften „Fehlzündungen“ im Herzen gibt es viele. Vereinfacht gesagt handelt es sich um Störungen am Sinusknoten – dem Schrittmacher unseres Herzens – oder Schädigungen im Reizleitungssystem, das die elektrischen Impulse weitergibt.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen organischen Ursachen und äusserlichen Auslöser von Herzrhythmusstörungen. Körperlich ausschlaggebend sind beispielsweise koronare Herzkrankheiten, Herzmuskelerkrankungen, Herzklappenfehler, angeborene Herzfehler, Bluthochdruck, Schilddrüsen-Überfunktion oder –Unterfunktion sowie Elektrolyt-Störungen (wie etwa Kalium- oder Magnesiummangel).
Zu den äusseren Faktoren, die das Herz aus seinem Takt bringen können, zählen Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, Drogen, übermässiger Alkoholgenuss, zu viel Koffein sowie Nervosität, Aufregung und Angst.

Harmlos oder gefährlich?

Die wichtigste Untersuchung bei Herzrhythmusstörungen ist die sogenannte Elektrokardiografie, besser gekannt als EKG. Die elektrischen Ströme im Herzen werden vorerst im Ruhezustand gemessen, dann unter Belastung, beispielsweise auf einem Laufband oder einem Home-Velo. In bestimmten Fällen braucht es ein Langzeit-EKG über 24 Stunden, um Störungen aufzudecken, die nur sporadisch vorkommen.
Es geht darum herauszufinden, ob das Herzstolpern harmlos ist oder einer Behandlung bedarf. Ist das Herz gesund, braucht es in der Regel keine Medikamente, sondern kleine Aenderungen im Lebensstil. Steckt allerdings eine Erkrankung dahinter, können sogenannte Antiarrhythmika Linderung bringen. Reichen Medikamente nicht aus, kann ein Herzschrittmacher oder ein Defibrillator implantiert werden, damit das Herz regelmässiger schlägt.

Natürliche Massnahmen

Gerät das Herz wegen Stress oder Nervosität ausser Takt, hilft ein gesünderer Lebensstil. Hilfreich sind:

  • Ruhepausen im hektischen Alltag
  • Entspannungsübungen (wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung)
  • Ausreichend Bewegung an der frischen Luft
  • Weniger Koffein (in Kaffee, Cola und Energy-Drinks)
  • Zigaretten und Alkohol auf ein Minimum beschränken
  • Mineralstoffreich essen
Magnesiummangel ernst nehmen

Magnesium wird in unseren Muskeln und Nervenzellen benötigt. Die wichtigste Aufgabe hat der Mineralstoff jedoch im Herzen. Ein Mangel kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Experten raten vor allem bei Bluthochdruck und bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf eine ausreichende Zufuhr von Magnesium zu achten.
Ursachen für Magnesiummangel sind etwa einseitige Ernährung, hohe Stressbelastung, übermässiger Alkoholgenuss oder chronische Darmerkrankungen (wie Zöliakie und verminderte Nährstoffaufnahme).

 
Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy