Heller Hautkrebs auf dem Vormarsch

© delmedio - Fotolia.com

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In der Schweiz erkranken jährlich 15 000 Menschen an Hautkrebs. In 90 % der Fälle handelt es sich aber nicht um den bösartigen schwarzen Hautkrebs, sondern um einen sogenannten hellen Hauttumor. Früh erkannt, lässt er sich gut therapieren.

Verglichen mit anderen Ländern weist die Schweiz eine der höchsten Raten an Hautkrebs-Neuerkrankungen auf. Hauttumoren haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Grund dafür ist nicht nur die höhere Lebenserwartung, sondern auch unsere steigende Freude an Outdoor-Aktivitäten – von Sport im Freien bis Sonnenbaden in den Strandferien. Hautkrebs ist aber nicht gleich Hautkrebs: Spricht man von einem Hauttumor, denkt man unwillkürlich an den «schwarzen Hautkrebs», auch malignes Melanom genannt. Gemäss der Krebsliga Schweiz ist der sogenannte «helle Hautkrebs» hierzulande jedoch weit verbreiteter als die gefürchtete dunkle Form. Bei 90 % der Neuerkrankungen handelt es sich um ein Basalzellkarzinom oder um ein Stachelzellkarzinom. Diese beiden Formen werden dem hellen Hautkrebs zugeordnet und gelten als weniger gefährlich: Das Basaliom bildet nie, das Spinaliom nur selten Tochtergeschwüre. In der Regel besteht kein Anlass zur Panik, dennoch sollte der Tumor entfernt werden, um Komplikationen auszuschliessen.

Aktinische Keratose als mögliche Vorstufe

Heller Hautkrebs entsteht vorwiegend auf den Sonnenterrassen des Körpers. Das sind die Hautstellen, die stark der Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, wie Kopfhaut (Glatze), Gesicht (Nasenrücken, Stirn, Ohren, Unterlippe), Hals, Dekolleté, Unterarme und Handrücken. Zu den Risikogruppen zählen deshalb u. a. Bauarbeiter, Dachdecker, Bauern und alle Berufstätigen, die vorwiegend im Freien arbeiten. Hautveränderungen, die auf intensive UV-Bestrahlung zurückzuführen sind, manifestieren sich nicht sofort, sondern ab der zweiten Lebenshälfte. Es handelt sich quasi um die «Rechnung», die uns die Haut für die lebenslange UV-Belastung serviert. Typisches Beispiel ist die sogenannte «Akti­nische Keratose», von der in Europa rund 50 % der über 60-Jährigen betroffen sind – oft unwissentlich. Es handelt sich hierbei um oberflächliche, schuppige Verhornungen. Die rötlichen oder gelb-braunen Hautveränderungen sind an und für sich gutartig, gelten aber auch als potenzielle Vorstufe von hellem Hautkrebs. Bei rund 10 % der Betroffenen entarten die Zellen innerhalb eines Jahrzehnts und entwickeln einen hellen Tumor.

Zwei Formen von hellem Hautkrebs

Häufigste Hautkrebsart ist das Basaliom, das Frauen und Männer gleichermassen trifft – in der Regel ab 60 Jahren und älter. Besonders anfällig sind Menschen mit hellem Teint und Sommersprossen. Dieser Tumor wächst sehr langsam und hat verschiedene Gesichter. Als typische Symptome gelten Verhärtungen, «glasig» aussehende Knötchen, nässende Geschwüre und Krustenbildung. Zweithäufigster Hauttumor ist das Spinaliom, das im Alter von plus/minus ca. 70 Jahren auftauchen kann – in Form von sichtbaren Knötchen, die verhornen. Teilweise brechen sie auf und verkrusten dann. Im fortgeschrittenen Stadium kann Stachelzellkrebs umliegende Lymphknoten befallen und Metastasten bilden. Bei den beiden Formen des hellen Hautkrebses gilt: Die Heilungschancen sind sehr gut, wenn ein Tumor frühzeitig erkannt und entfernt wird.

Wann muss ich zum Arzt?

Auffällige Hautveränderungen bedeuten keineswegs immer Krebs. Dahinter können auch Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis und Knötchenflechte bzw. Hautkrankheiten wie Neurodermitis stecken. Fest steht: Verdächtige Veränderungen sollten immer von einem Dermatologen untersucht werden, um herauszufinden, ob es sich um entartete Zellen handelt. Bei hellem Hautkrebs gilt: Je früher er entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Ziel der Therapie ist, den Tumor vollständig zu entfernen – sei es mit einem chirurgischen Skalpell-Eingriff unter Lokalanästhesie, sei es mit Röntgenstrahlen auf die betroffenen Hautstellen, sei es mit eiskaltem Stickstoff, um das kranke Gewebe zu erfrieren, oder einer Cremebehandlung mit rotem Kaltlicht.

Vorbeugen ist besser als heilen

Die wirksamste Massnahme ist und bleibt, sich möglichst wenig bzw. nur gut geschützt UV-Strahlen auszusetzen. Dies gilt nicht nur für sommerliche Sonnenbäder, sondern auch im Winter, wenn das Solarium und die Skipiste locken. In den Bergen ist besondere Vorsicht angesagt, da der Schnee die UV-Strahlen extrem reflektiert. Es gilt: Sonnenschutzpräparate sind kein Luxus, sondern ein Muss, um die Haut vor unnötigen UV-Schäden zu schützen. Personen, die bereits an aktinischer Keratose leiden oder Immunsuppressiva einnehmen müssen, finden in der Apotheke präventive Medizinlotionen mit sehr hohem UV-Schutz für den täglichen Gebrauch.

Sonnenschutz nach einer Organtransplantation

Patienten, die ein neues Organ erhalten haben und deswegen Immunsuppressiva einnehmen müssen, brauchen besonderen Hautschutz. Dies gilt zum Teil auch für Personen mit Autoimmun­erkrankungen. Sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko, innerhalb weniger Jahre an hellem Hautkrebs zu erkranken. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten!

Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy