Die empfindliche Mitte

© Artem Furman - Fotolia.com

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Schönheit und Körperpflege spielten noch nie so eine zentrale Rolle wie heute – auch dort, wo es meist keiner sieht, im Genitalbereich. Doch aufgepasst: zu viele bzw. falsche Pflege reizt die sensible Haut und öffnet Tür und Tor für Infektionen. Scheuen Sie sich nicht, sich in Ihrer Apotheke beraten zu lassen: Sie bietet eine ungeahnte Auswahl an erprobten Produkten und Lösungen, die für sicheres Wohlgefühl im weiblichen Intimbereich sorgen!

Der Genitalbereich zählt zu den empfindlichsten Regionen unseres Körpers. Dennoch spricht kaum jemand offen darüber, wie es um das persönliche Wohlbefinden im Schritt steht. Zu Unrecht, denn heutzutage existieren unkomplizierte Lösungen, um vaginaler Trockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Blaseninkontinenz oder störendem Geruch unkompliziert entgegenzuwirken – ohne den Körper unnötig mit Hormonen zu belasten.

Richtiger pH-Wert bei der Intimpflege

Im unserem Körperkult-Zeitalter spielt penible Hygiene eine grosse Rolle. Wer mehrmals pro Tag duscht (beispielsweise nach dem Sport, vor einem Date oder an heissen Tagen) sollte aber beachten, dass exzessive Reinlichkeit den natürlichen Hautschutzmantel stresst, wenn dabei aggressive Seifen oder parfümierte Duschgels verwendet werden. Scheideninfektionen sind heutzutage eher auf übertriebene, denn auf mangelnde Intimpflege zurückzuführen. Tatsache ist: Der pH-Wert liegt in der Scheide bei sauren 4 bis 4,5, im äusseren Intimbereich bei rund 5,2. Herkömmliche Duschgels mit einem pH-Wert von 9 bis 11 bringen die empfindliche Scheidenflora aus dem Gleichgewicht, da sie zu alkalisch sind. Mögliche Folgen sind Infektionen durch Hefepilze oder Fremdbakterien.

Tägliche Intimpflege – so geht es
  • Zum Waschen reicht klares Wasser aus. Wer dennoch eine „Seife“ benützen will, greift zu einer milden Waschlotion, die auf die Intimregion abgestimmt ist, sprich: der pH-Wert liegt bei maximal 5,5. Für speziell empfindliche Naturen existieren auch unparfümierte Waschlotionen mit einem ph-Wert von 3,5. Für unterwegs gibt es (einzelverpackte) Intimtüchlein. Die meisten Produkte sind mit Milchsäure angereichert, die zu einem ausgewogenen pH-Wert der Intimflora beiträgt.
  • Am besten wäscht man den Intimbereich mit der Hand, da Waschlappen einen idealen Nährboden für Keime bieten. Wer nicht auf einen Waschlappen verzichten möchte, kann Einmalwaschlappen (ebenfalls in der Apotheke erhältlich) benutzen oder sich täglich einen frischen, bei mindestens 60 Grad gewaschenen Waschlappen gönnen.
  • Den Wasserstrahl der Dusche niemals direkt in die Scheide richten, weil dies Keime in die Vagina schwemmen kann.
  • Auf der Toilette gilt: die Scheide immer von vorne nach hinten abwischen, nicht umgekehrt. Ansonsten gelangen Darmbakterien in den Vaginalbereich.
 Wenn Jucken und übler Geruch plagen

Ob nach einem Schwimmbadbesuch, während einer Antibiotika-Behandlung oder in stressreichen Phasen:  Schätzungsweise 70 Prozent der Frauen leiden von Zeit zu Zeit an lästigem Brennen, Jucken oder Ausfluss mit üblem Geruch im der Intimregion. Ursache ist eine sogenannte bakterielle Vaginose (bakterielle Scheideninfektion bzw. bakterielles Ungleichgewicht). Heutzutage muss man deswegen nicht mehr umgehend zur Frauenärztin rennen, um ein Vaginalzäpfchen-Rezept zu erlangen, wie dies früher nötig war.

Das hilft:

  • Seit einigen Jahren bieten Apotheken freiverkäufliche Gels mit natürlichen Inhaltsstoffen (meist Milchsäure) zur Selbstanwendung an. Sie werden mittels Applikator in die Scheide gedrückt – als Akuttherapie oder zum Vorbeugen – um die vaginale Flora in ein gesundes Gleichgewicht zurückzuführen. Ihre Apothekerin zeigt Ihnen gerne die verschiedenen Produkte, lassen Sie sich beraten!
  • Manche Frauen plagt das Gefühl, unangenehm zu riechen. Fest steht: jede Frau hat von Natur aus einen individuellen Intimgeruch, der völlig normal ist. Ein stark „fischiger“ Geruch kann auf eine bakterielle Scheideninfektion hinweisen, Hefe-Geruch ist in der Regel ein Zeichen einer Pilzerkrankung. Lassen die Beschwerden trotz Gel-Therapie nicht nach, ist eine Untersuchung beim Gynäkologen angesagt. Von Intim-Deos und Scheidenspülungen raten Experten hingegen ab.
  • Für schlechte Gerüche sorgen auch Schweiss und andere Flüssigkeiten, die sich im Intimbereich ansammeln. Abhilfe schaffen luftdurchlässige Baumwollunterwäsche sowie Hosen und Strumpfhosen, die nicht  zu eng sitzen. Nachts schläft man am unten idealerweise nackt – ohne Slip.
    Den Beckenboden stärken
Den Beckenboden stärken

Hinter unangenehmen Geruch untenrum kann auch Blaseninkontinenz stecken. Ob nach einer Geburt oder in den Wechseljahren: Erschlafft die Beckenboden-Muskulatur, steigt das Risiko, dass ungewollt Harntröpfchen ins Höschen gelangen – etwa bei heftigem Husten, lautem Lachen oder Heben schwerer Lasten. Dies ist allerdings kein Grund zur Scham. Auch wenn niemand darüber redet: unzählige Frauen sind davon betroffen! Die Stärkung der Beckenboden-Muskulatur lohnt sich auf jeden Fall. Denn sie wirkt nicht nur der Inkontinenz entgegen, sondern erhöht zudem die Lust beim Liebesakt.

Diverse Möglichkeiten

  • Erste-Hilfe-Massnahme sind spezielle Slip-Einlagen für Frauen mit Blasenschwäche.
  • Um mehr über den Beckenboden zu erfahren und zu lernen, wie man ihn natürlich kräftigt, gibt es zahlreiche Bücher und Kurse. Besonders zu empfehlen ist das Angebot von „BeBo Schweiz“, der führenden Organisation in der Schweiz, die sich seit 18 Jahren für Beckenbodentraining engagiert: http://www.beckenboden.com
  • Um den Beckenboden zu rehabilitieren besteht bei spezialisierten Physiotherapeutinnen die Möglichkeit, die Behandlung durch apparative Massnahmen und Hilfsmittel zu unterstützen – beispielsweise mit Elektrostimulation und Biofeedback. Weitere Infos: http://www.pelvisuisse.ch
  • In der Apotheke erhältlich sind  „Vaginalkugeln“ aus körperfreundlichen Materialien. Sie existieren in verschiedenen Gewichtsklassen und werden zeitweise in die Scheide eingeführt, um die Durchblutung zu verbessern, die Beckenbodenmuskeln zu  kräftigen und ein besseres Gefühl für die sexuell wirksamen Muskeln zu entwickeln.
Vaginale Trockenheit

Zum weiblichen Intim-Wohlbefinden zählt auch die Scheidenfeuchtigkeit, für die verschiedene Drüsen zuständig sind. Ist die Scheide zu trocken, wird das Liebesspiel zum unangenehmen oder gar schmerzenden Akt. Fehlende Feuchtigkeit kann kleine, schmerzende Risse verursachen. Darunter leiden nicht nur Frauen in den Wechseljahren, sondern auch jüngere Frauen. Als Hauptgründe gelten hormonelle Veränderungen, Infektionen, Geburten mit medizinischem Eingriff, die Einnahme bestimmter Medikamente und hormoneller Verhütungsmittel, Stress oder Ängste sowie vermehrter Konsum von Alkohol und Nikotin.

Das kann helfen:

  • Um den Liebesakt als Frau trotz Trockenheit vollumfänglich zu geniessen, stehen diverse Arten von medizinischen Gleitmitteln zur Wahl. Die gewählte Textur hängt von den persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben ab.
  • Werden beim Liebesakt Kondome oder Sexspielzeug verwendet werden, ist ein wasserbasiertes Gleitmittel zu bevorzugen, das weder Gummi bzw. Silikon angreift.
  • Für die tägliche Langzeitanwendung – sei es nach Geburten, Menopause oder bei Krebstherapien – eignen sich hormonfreie Befeuchtungsvaginalgele, die die dünne, verletzliche Schleimhaut aufbauen.
  • Last but not least: Regelmässiger Sex baut nicht nur Stress ab, sondern verbessert auch die Blutversorgung in der Vagina.

 

 Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy