Zu viel Säure stresst und schmerzt

© lusielia - Fotolia.com

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Saures Aufstossen kennt jeder und ist kein Grund zur Sorge. Rund 10 Prozent der Erwachsenen leiden allerdings regelmässig unter Refluxbeschwerden, die schmerzhaft und sehr unangenehm sein können. Sofortlinderung gibt es in der Apotheke, wo verschiedene freiverkäufliche Rezepturen und professionelle Beratung angeboten werden.

Unser Magen produziert täglich literweise Magensaft, der mit einem pH-Wert von 2 sehr sauer ist. Diese Säure ist nötig, um die aufgenommene Nahrung für die weitere Verwertung zu zersetzen, damit wir die lebensnotwendigen Mikro- und Makro-Nährstoffe aufnehmen und von ihnen profitieren können. Aufgabe der Magensäure ist es zudem, allfällige Bakterien und Mikroorganisamen im Essen unschädlich zu machen.

Damit die ätzende Säure unsere Speiseröhre (sog. Ösophagus, pH 4) nicht unnötig angreift, wird sie mit einem starken Schliessmuskel vom Mageninhalt abgeschirmt. Dennoch kommt es ab und zu vor, dass Magensäure in die Speiseröhre zurückschwappt und Sodbrennen auslöst. Dies passiert sowohl bei Gesunden, wie auch bei Menschen, deren Schliessmuskel geschwächt ist.

Meistens harmlos, aber nicht immer

Typische Symptome eines Reflux sind saures Aufstossen und Magenbrennen, das als stechendes Gefühl bis in den Rachen hinauf erlebt wird – teilweise gekoppelt mit Schmerzen im Brustraum, Husten und Heiserkeit. Gemäss Prof. Dr. med. Peter Bauerfeind, leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsspital Zürich, leiden etwa 10 Prozent der Erwachsenen unter Reflux-Beschwerden. 25 Prozent der Betroffenen verspüren ein Mal monatlich, 12 Prozent ein Mal wöchentlich und 5 Prozent täglich Magenbrennen. „Meistens ist Reflux harmlos und ernste Folgen sind eher selten“, so Prof. Bauerfeind. „Dennoch darf wiederkehrender Reflux nicht unterschätzt und sollte rechtzeitig behandelt werden“. Denn in einzelnen Fällen entsteht daraus eine Entzündung der Speiseröhre, die zu Gewebeveränderungen der Schleimhaut führen („Barrett Präkanzerose“) und schlimmstenfalls Krebs auslösen.

Was führt zu Reflux?

Zu den Risikofaktoren zählen laut der Internistin Dr. med. Susanne Maurer-Wiesner einerseits massives Übergewicht, andererseits die Ernährung und der persönliche Lifestyle: „3 von 10 Personen mit einem BMI über 35 haben Refluxbeschwerden, u.a. weil der mechanische Druck in ihrem Bauch sehr gross ist“, so die Erfahrung der Leiterin des Adipositaszentrums der Klinik Lindberg in Winterthur. Zudem tragen hochprozentiger Alkohol, scharfes und fettiges Essen, Schokolade sowie Pfefferminze dazu bei, dass der Schliessmuskel erschlafft. Weitere Alltagsgewohnheiten, die Magenbrennen fördern können, sind abendliche Riesenmahlzeiten und Mitternachtssnacks vor dem Schlafengehen, Bewegungs- und Schlafmangel sowie Rauchen.

Nebst lindernden Medikamenten bringen vor allem zwei Lifestyle-Massnahmen signifikante Erleichterung bei chronischem Reflux – so das Ergebnis einer Studie der renommierten Stanford-University:

  • mindestens 10 Prozent des Gewichts abnehmen
  • Erhöhen des Bettkopfteils, damit der Oberkörper beim Schlafen nicht flach liegt.

Dies bedeutet keineswegs, dass Änderungen des Lebensstils und der Essgewohnheiten nichts bewirken. Es existieren dazu einfach noch keine relevanten Untersuchungen.

Apotheke ist erste Anlaufstelle bei Sodbrennen

Solange Magenbrennen nur gelegentlich vorkommt und die Ursachen bekannt sind – wie eine Party mit reichlich Alkohol, häufiger Genuss von fettigem Fastfood oder Dauerstress – leisten rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke gute Abhilfe. „Betroffene suchen eine schnelle Linderung der Symptome mit einer unkomplizierten Lösung, die sich gut in den Alltag integrieren lässt“, erklärt Dr. sc. nat. Roman Schmid, Inhaber der Bellevue-Apotheke in Zürich. In seiner 24-Stunden-Apotheke wird durchschnittlich jede Stunde ein Präparat gegen Refluxbeschwerden verkauft.

Um das individuell passende Medikament zu bestimmen, wird der Apotheker, die Apothekerin ein paar Fragen stellen. Es geht dabei um Dauer und Häufigkeit der Symptome, auslösende Faktoren und allfällige bisherige Untersuchungen beim Arzt. Zudem gilt es abzuklären, ob irgendwelche Medikamente eingenommen werden, die zu Magenbrennen führen können. Dazu zählen etwa nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Calcium-Antagonisten, Spasmolytika (krampflösende Medikamene), Steroide und Eisen.

Das Gespräch mit der Apotheke dient auch dazu herauszufinden, ob allenfalls ein Arzt aufgesucht werden sollte. Als Alarmsignale gelten etwa:

  • Unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Anämie (Blutmangel): Müdigkeit, Blässe, Schwindel
  • Wiederholtes Erbrechen
  • Blut im Stuhl / Teerstuhl
  • Ständige Schluckbeschwerden
  • Mehrmals wöchentlich Reflux
  • Vorangegangene Magen-Darm-Erkrankung

Säurebildung mindern

Zur Selbstmedikation bietet die Apotheke verschiedene rezeptfreie Präparate an. Dazu zählen einerseits die klassischen Säurebinder (Antazida), andererseits Säureblocker wie Protonenpumpenhemmer (PPI). Antazida neutralisieren die aggressive Säure und erhöhen den pH-Wert des Magens auf 3 bis 5 während 30 bis 90 Minuten. PPI verringern die Säurebildung im Magen und wirken langanhaltend bei regelmässiger Einnahme. Beide Medikamente-Arten wirken allerdings systemisch, d.h. der Arzneistoff agiert nicht nur lokal, sondern gelangt in den Blutkreislauf und kann auf den ganzen Organismus wirken. Mögliche Nachteile bei einer Langzeitanwendung dieser säurehemmenden Medikamente sind Verdauungsstörungen, erhöhte Infektanfälligkeit gegenüber Keimen in nicht einwandfreien Nahrungsmitteln sowie Appetitmangel.

Neuer Therapieansatz

Dr. sc. nat. Roman Schmid

Dr. sc. nat. Roman Schmid

Ein Medikament, das seit Ende 2013 neu (bzw. nach Jahren erneut) in Schweizer Apotheken ohne Rezept erhältlich ist, setzt hingegen nur lokal im Magen an, was den Vorteil hat, dass der Arzneistoff nur da wirkt, wo es wirklich benötigt wird. Sein Hauptwirkstoff, das pflanzliche Alginat, wird aus der Meeresalge „Laminaria hyperborea“ gewonnen. „Das Präparat bildet eine Schutzschicht, die sich – wie ein Floss – zuoberst auf den Mageninhalt legt“, so Prof. Dr. Mark Fox, forschender Gastroenterologe an der Universität Nottingham in England. Dadurch entsteht eine physikalische Barriere, die verhindert, dass Magensäure in die Speiseröhre zurückfliesst. Der Wirkstoff, der seit Jahren in anderen europäischen Ländern mit Erfolg angeboten wird, bringt gemäss Dr. Fox nur Vorteile mit sich: „Er wird nicht vom Körper aufgenommen, unverstoffwechselt wieder ausgeschieden, ist gut verträglich und eignet sich auch zur Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit“.

 Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy