Das Anti-Stress Kraut

© Anna-Mari West - Fotolia.com

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Lavendel zählt zu den wichtigsten Pflanzen der Naturheilkunde und ist vielseitig einsetzbar. Der mediterrane Alleskönner duftet nicht nur fein, sondern entspannt Körper und Geist, löst Angst, fördert den Schlaf und vertreibt unerwünschte Pilze.

Seit Jahrhunderten zählt der tiefblau-violett blühende Lavendel zu den beliebtesten Duft- und Heilkräutern in Europa. Schon die alten Römer verwendeten frische Lavendelblüten als beruhigenden Badezusatz. Daher soll die Pflanze, die vorwiegend in der Provence wächst, ihren botanischen Namen Lavandula angustifolia haben: „lavare“ ist das lateinische Wort für „waschen“. Auch die bekannte Nonne und Kräuterexpertin Hildegard von Bingen (1098-1179) rühmte den Strauch: „Wenn ein Mensch, der viele Läuse hat, oft am Lavendel riecht, sterben die Läuse an ihm. Und sein Duft macht die Augen klar.“ Sie war zudem der Meinung, dass das Kraut von unkeuschen Gelüsten befreie. Die mittelalterliche Klostermedizin setzte die Pflanze als Heilmittel gegen Schmerzen und Krämpfe aller Art ein. Und unsere Ur-Grossmütter nutzten Duftsäckchen mit getrockneten Lavendelblüten, um die Wäsche gut riechen zu lassen und Motten zu verbannen.

Wirkung von Lavendel

Echter Lavendel steht auch heute hoch im Kurs, da er erwiesenermassen beruhigend, krampflösend und entzündungshemmend wirkt. Er wird in verschiedenen Darreichungsformen eingesetzt bei

  • Unruhe oder Nervosität
  • Einschlaf- oder Schlafstörungen
  • nervöse Darmbeschwerden
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen oder Verdauungsstörungen
  • Kreislaufbeschwerden bzw. -störungen
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • kleinen Wunden (wie Hautabschürfungen, Schnittwunden oder Insektenstiche).

2011 konnten Forscher der Universität Coimbra in Portugal eine weitere heilende Eigenschaft nachweisen: Lavendelöl kann hartnäckige (Haut-)Pilze töten, insbesondere Candida- und Schimmelpilze.

Wohltat für die Psyche

In der Homöopathie zählt Lavendel zu den Seelenpflanzen: Er fördert die Aufnahmebereitschaft für Neues, indem er Klärung, und Nervenstärke bringt. In der Phytotherapie gelten Lavendelöl-Kapseln  als angstlösend. Innere Unruhe und Angst entstehen oft bei einem Ungleichgewicht von Neurotransmittern wie Serotonin oder Noradrenalin. Die Wirkstoffe Linalool und Linalylacetat im Lavendelöl greifen regelnd ein, indem sie die überaktive Ausschüttung der Botenstoffe bremsen und die Reizüberflutung mindern.

Jetzt ist Erntezeit

Die französische Provence ist berühmt für ihre üppigen, wohlriechenden Lavendelfelder. Doch auch hierzulande gedeiht der winterharte Halbstrauch gut im Garten oder in Balkontöpfen. Sammelzeit ist jetzt im Juli und August. Lavendel schneidet man mit den Stängeln und hängt ihn eine gute Woche lang kopfüber an einen schattigen Platz zum Trocknen. Die Blüten dürfen nicht an der Sonne trocknen, da sonst ein wesentlicher Teil der ätherischen Öle und andere wertvolle Wirkstoffe verloren gehen. Das gleiche gilt fürs Trocknen im Backofen: Ab etwa 40 Grad Celsius nehmen die Öle zunehmend Schaden. Die getrockneten Lavendelblüten bewahrt man in einem fest verschlossenen Glas auf, um sie in den folgenden Monaten nach und nach zu verwenden.

Lavendel im Alltag verwenden

Lavendel lässt sich in verschiedenen Formen verwenden.

  • Als ätherisches Öl: In der Duftlampe angewendet verbreitet Lavendelöl einen ausgleichenden, beruhigenden, stimmungsaufhellenden Duft, der über die Atemwege wirkt und die Psyche direkt erreicht. Man gibt dafür 3 bis 5 Tropfen des Öls in die Schale des Lämpchens. Verwenden Sie unbedingt Lavendelöl in hochwertiger (Bio-)Qualität. Denn Lavendelöl gehört zu den am häufigsten verfälschten und gestreckten ätherischen Ölen! Beim sogenannten Lavandin handelt es sich um eine Kreuzung verschiedener Lavendelsorten, die kostengünstiger ist, aber weit weniger Heilqualitäten besitzt als Echter Lavendel (Lavandula angustifolia).  Lavandin wird vor allem für die Herstellung von Parfüms, Seifen usw. verwendet
    Reines Lavendelöl kann auch dem Badewasser zugefügt werden oder zur Entspannung auf die Haut massiert werden. Doch aufgepasst: konzentrierte ätherische Öle können die Haut oder Schleimhaut reizen. Darum am besten mit einem neutralen Mandel- oder Sesamöl verdünnen.
    Bei Nervosität kann man 2 Tropfen Lavendelöl sanft in die Haut über dem Kreuzbein einreiben, direkt oberhalb der Po-Falte. Bei Kopfschmerzen werden die Schläfen mit Lavendelöl massiert.
  • Als Badezusatz: Eine sinnliche Köstlichkeit ist ein 15-Minuten-Bad mit getrockneten Lavendelblüten. Entweder hängt man ein Leinensäckchen mit einer Handvoll Blüten ins (einlaufende) Vollbad. Oder man übergiesst 250 g Blüten mit fünf Liter kochendem Wasser, lässt das Ganze eine Viertelstunde ziehen und gibt die Flüssigkeit ins Badewasser. Während des Bades immer wieder tief einatmen, da das ätherische Öl über die Nasenschleimhaut wirkt.
  • Als Tee: Ein frisch gebrühter Tee mit Lavendelblüten lindert nervöse Magen-Darm-Beschwerden, entspannt, beruhigt und eignet sich auch als Schlummertrunk (mit Honig). 2 TL getrocknete Lavendelblüten mit 2 dl kochendem Wasser übergiessen und nach 10 Minuten abseihen.
  • Als Kräuterkissen oder Potpourri: Duftende Lavendelsäckchen vertreiben nicht nur Motten, sie beruhigen auch Kleinkinder und fördern den Schlaf, wenn sie neben dem Kopfkissen liegen. Überdrehten Kindern hilft eine Blütenmischung aus Lavendel und Rose auf dem Nachttisch, eventuell mit ein paar Tropfen Lavendelöl angereichert. Dies soll auch helfen, Insekten fernzuhalten.

Zum Schluss ein Spezialtipp: Ein paar Lavendelblüten zwischen den Bettleintüchern sorgt dafür, dass ein Paar sich nie streitet…

 

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy