Mitte 40 geht es los

© Jeanette Dietl - Fotolia.com

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Die Wechseljahre sind ein bedeutender Abschnitt im Leben einer Frau – nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Um diese natürliche Umstellung möglichst unbeschwert zu durchleben und allfällige Beschwerden zu minimieren, lohnt es sich, sich  individuell von einer Apothekerin beraten zu lassen.

Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, beginnen ab etwa Mitte 40: Die Eierstöcke stellen allmählich ihre Hormonproduktion ein. Die Folge sind Zyklus-Unregelmässigkeiten, vermehrt Zyklen ohne Eisprung und entsprechend längere Phasen ohne Periodenblutung. Die letzte Regelblutung tritt bei den meisten Frauen zwischen 49 und 55 Jahren ein. Dieser Zeitpunkt wird medizinisch als Menopause bezeichnet.

Evelyn TraufferRund ein Drittel der betroffenen Frauen erleben die natürliche Umstellung ihres Körpers beschwerdefrei. 30 bis 40 % der klimakterischen Frauen empfinden milde bis mittelgradige Beschwerden und etwa 25 % leiden unter starkem Unwohlsein. astreaAPOTHEKE hat bei der Apothekerin Evelyn Trauffer von der Bahnhof Apotheke Zürich nachgefragt, welche Medikamente und Massnahmen helfen, diese Zeit des Wechsels möglichst positiv zu erleben.

Was sind die klassischen Beschwerden während der Wechseljahre?

Evelyn Trauffer: Zu den häufigsten Symptomen zählen Hitzewallungen (50-75%), Schweissausbrüche, verminderte Libido und Gewebeschwund (Atrophie) der Scheidenschleimhaut begleitet von Trockenheit. Die Symptomatik ändert im Verlauf der Wechseljahre.

Beeinflussen die Wechseljahre auch das psychische Wohlbefinden?

In der Lebensmitte kommen zu den hormonellen Veränderungen oft einschneidende private Veränderungen hinzu, wie zum Beispiel Veränderungen in der Partnerschaft, der Auszug der erwachsenen Kinder, Belastung durch die Erfahrung des Älterwerden (Ende der Fruchtbarkeit) oder auch der Tod der Eltern. Postmenopausale Frauen klagen häufiger über Angstzustände, Reizbarkeit, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit und depressive Verstimmung.

Wodurch werden all diese Beschwerden ausgelöst?

Durch die Einstellung der Eierstockfunktion kommt es zu einem Nachlassen der Hormonproduktion, namentlich der beiden Sexualhormone, Östrogen und Progesteron. Für die Verstimmungszustände ist die Östrogenabnahme nicht unbedingt die primäre Ursache, sie kann aber die psychischen Beschwerden verstärken. Die Hormonabnahme stört zudem die vom Gehirn gesteuerte Wärmeregulation, was für die Hitzewallungen verantwortlich ist. Auch die Vaginalatrophie ist dem Östrogenmangel zuzuschreiben.

Welches sind die Langzeitfolgen der abnehmenden Hormonproduktion?

Die Scheidentrockenheit kann zu erhöhter Infektanfälligkeit, Scheidenentzündungen oder auch Blutungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen. Bedingt durch die nächtlichen Schweissausbrüche ist die Schlafqualität deutlich reduziert, was wiederum psychische Beschwerden nach sich ziehen kann. Bei einem starken Rückgang der Knochendichte (Osteoporose) besteht ein erhöhtes Risiko für Frakturen. Eine weitere Folge der abfallenden Hormonproduktion ist das erhöhte Risiko, an einer Herzkreislauferkrankung zu leiden. Das Risiko der Frau gleicht sich ab Beginn der Menopause dem der Männer an, weil die herzschützende Wirkung des Östrogens wegfällt. Die kollagenen und elastischen Fasern der Haut nehmen durch die Senkung des Östrogenpegels ab, was die Dicke, Wasserspeicherkapazität, Zellteilungsaktivität und Elastizität der Haut negativ beeinflusst und die Hautalterung beschleunigt.

Welche Therapiemöglichkeiten aus dem Pflanzenreich gibt es?

Die Traubensilberkerze (Cimicifuga) und Salbei (Salvia) sind die einzigen Heilpflanzen, die in der Schweiz als Arzneimittel bei der Behandlung von Wechseljahrbeschwerden zugelassen sind. Präparate aus Traubensilberkerze lindern Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen, Nervosität und Verstimmungszustände. Bei leichten depressiven Verstimmungen im Klimakterium haben sich v.a. Johanniskrautpräparate bewährt. Dem Salbei werden u.a. schweisshemmende Eigenschaften zugeschrieben und er wird daher bei Hitzewallungen angewendet. Weder für bioidentisches Progesteron aus Yamswurzeln, für Phytoöstrogene aus Soja oder Rotklee, noch für Leinsamen existieren Studien mit klinisch erwiesener Wirksamkeit. Dennoch können sie bei einzelnen Frauen die Wechseljahrbeschwerden lindern.

Welche rezeptfreien Präparate empfehlen Sie?

Bei Scheidentrockenheit können befeuchtende Vaginalgele, Cremes oder Ovula angewendet, bei trockener Haut rückfettende Pflegemittel oder Präparate aus Nachtkerzenöl zur innerlichen Einnahme eingesetzt werden.

Welche Lebensstil-Veränderungen empfehlen Sie Frauen in den Wechseljahren, um das Wohlbefinden zu erhöhen?

Lebensstilveränderungen reichen manchmal aus, um leichte Wechseljahrbeschwerden zu lindern. Bei schweren Symptomen können sie unterstützend wirken. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung im Klimakterium ist von Vorteil. Auf eine calciumreiche Ernährung oder sogar eine Calcium-Supplementierung sollte zur Osteoporoseprophylaxe geachtet werden. Das Anstreben des Normalgewichtes und eine regelmässige sportliche Aktivität können den Beschwerden entgegenwirken. Weiter sollen Auslöser von Hitzewallungen wie Alkohol, Koffein, Rauchen, heisse Getränke, scharfes Essen sowie Stress vermieden werden. Zum Stressabbau können Entspannungsübungen helfen.

Wie sieht es mit der Verhütung aus? Ab wann kann Frau darauf verzichten?

Entgegen der häufig gemachten Aussagen kann die Fruchtbarkeit selbst nach 12-monatigem Ausbleiben der Menstruation nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die Unfruchtbarkeit kann mit Sicherheit nur durch eine ärztliche Hormonuntersuchung festgestellt werden.

Zum Schluss: Was sind die positiven Seiten der Wechseljahre?

Das Ausbleiben der Menstruation ist insbesondere für jene Frauen erfreulich, die jahrzehntelang unter starken Schmerzen und Blutungen während der Periode zu leiden hatten. Auch kann auf die Empfängnisverhütung beim Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Der neue Lebensabschnitt kann auch dazu genutzt werden, die Welt zu entdecken und/oder die eigene Partnerschaft zu verfestigen.

 

Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy