Erkältung und Grippe

© Dirima - Fotolia.com
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Ob Grippe oder Erkältungskrankheiten: In den Wintermonaten fliegen wieder zahlreiche Viren durch die Luft, die uns für kurze oder längere Zeit ausser Gefecht setzen können. Nebst klassischen Husten- und Schnupfenmitteln gibt es in der Apotheke auch weniger bekannte Naturheilmittel, die effizient wirken.

Der Hals kratzt, die Nase läuft, der Husten plagt, die Glieder schmerzen, das Fieber zerrt an den Kräften. Um schnellstmöglich wieder in Form zu kommen, bietet die Apotheke eine grosse Palette an wirksamen Arzneimitteln − sei es aus der Schul- wie auch aus der Komplementärmedizin.
Vera_HämmerliVera Hämmerli, Pharma-Assistentin in der Zürcher Bernina-Apotheke, berichtet aus Ihrem persönlichen Erfahrungsschatz.

Frau Hämmerli, wie schützen Sie sich persönlich diesen Winter vor Grippe und Erkältungskrankheiten?

Vera Hämmerli: Mit der homöopathischen Grippeimpfung, die in der Regel Mitte oder Ende Oktober auf den Markt kommt. Je nach Anbieter gilt es, fünf bis acht Döschen einzunehmen. Dieser alternative Grippeschutz, der einmal pro Jahr im Herbst auf den Markt kommt und in Apotheken angeboten wird, ist von Immunologen erarbeitet, die sich mit den neuesten Grippestämmen auseinandersetzen.

Welchen Schutz kann man erwarten?

Letztes Jahr habe ich die Impfung nicht gemacht und prompt erwischte mich die Grippe. Das lag sicher auch daran, dass ich wegen privater und beruflicher Strapazen reduziert und somit anfälliger war. Diesen Herbst werde ich sie wieder machen, obwohl ich kein Homöopathie-Fan bin. Doch diese Impfung wirkt meiner Meinung nach tatsächlich, und sie ist für den Körper keine grosse Belastung. Man kann sie auch Kindern verabreichen. In der Apotheke bewerbe ich die homöopathische Grippeimpfung aktiv und empfehle sie beispielsweise auch Müttern von Kleinkindern, die es sich nicht leisten können, krank zu werden. Für Risikopatienten empfiehlt es sich, Anfang November die klassische Grippeimpfung durchzuführen.

 Wie bereitet sich Ihre Apotheke auf die Erkältungssaison vor?

Anfang September machen wir einen Grosseinkauf und legen uns Vorräte der gängigen Produkte an, die oft im Fernsehen, auf Tramplakaten oder in Zeitschriften beworben werden. Dies sollte etwa bis in den Januar reichen, je nachdem, ob die Grippe bereits im November oder erst im Februar auftaucht. Ob fiebersenkend, entzündungshemmend oder schleimlösend − wir bieten alles an, was es für die Akutbehandlung braucht. Aufgrund der
Vorjahreszahlen sehen wir, was am meisten gefragt ist und kaufen entsprechend ein.

Was sind die häufigsten Anliegen Ihrer Kunden während der Erkältungssaison?

Bei den meisten ist Halsweh das erste Symptom. Dann folgt bald der Schnupfen, die Nase läuft. Je nach Personentyp steigt die Erkältung zuerst in die Nase hinauf oder zuerst hinunter in die Bronchien und macht sich mit Husten bemerkbar.
Zahlreiche Kunden wünschen gleich zu Beginn ein Produkt, das gegen alles wirkt, also Schnupfen und Husten, auch wenn sie (noch) keinen Husten haben. Unsere Aufgabe ist, aufzuklären und den Leuten zu raten, ein weiteres Medikament erst dann einzunehmen, wenn es wirklich nötig ist.
Oder präventiv vorzugehen, um die Bronchien zu schützen. Beginnt die Grippezeit, sind Fieber und Gliederschmerzen das Hauptthema.

Sie beobachten, dass Kunden Arzneimittel verlangen, die gleich gegen alles wirken. Kann man es sich heute nicht mehr leisten, krank zu werden?

Die Unternehmen sparen, es hat zu wenig Mitarbeiter, man darf nicht mehr fehlen. Oder möglichst nur eine halbe Stunde… Ich erlebe zunehmend Menschen, die mit Fieber in die Apotheke kommen, direkt von der Arbeit. Dies würde mir nie einfallen, denn Fieber bedeutet, dass der Körper Ruhe braucht. Mit Fieber gehört man ins Bett und nicht an den Arbeitsplatz. Sonst steckt man womöglich noch die Arbeitskollegen an.

Die wenigsten Menschen können zwischen Grippe und Erkältungskrankheit (grippaler Infekt) unterscheiden. Können Sie den Unterschied erklären?

In beiden Fällen erfolgt die Ansteckung über Tröpfchen − also wenn jemand in den Raum niest oder hustet und man in diese Wolke hineinläuft. Oder wenn jemand in seine Hand niest und sich danach am Griff im Bus festhält, den man anschliessend auch berührt.
Sowohl Erkältungskrankheiten wie auch Grippen werden durch Viren ausgelöst. Es sind verschiedene Viren, doch es sind Viren. Und das macht es schwierig, weil es keine Medikamente gegen Viren gibt. Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Man kann also nur Symptombekämpfung betreiben. Oder im Vorfeld darauf achten, sich gut zu schützen bzw. beim ersten Anzeichen sofort etwas zu unternehmen, damit sich das Virus nicht ausbreitet.

Wie kann ich als Laie wissen, ob ich eine Erkältung oder eine Grippe habe?

Fieber ist bei beiden möglich. Bei meiner letzten Grippe hatte ich allerdings Untertemperatur und fror ständig. Typisch für eine Grippe sind ausgeprägte Gliederschmerzen, gepaart mit weichen Beinen. Bei einer Grippe ist man kraftlos, fühlt sich abgeschlagen, kann nur noch im Bett
liegen. Bei einer Erkältung fühlt man sich auch müde, in der Regel aber immer noch einigermassen funktionstüchtig.

Wann sollte man zum Arzt?

Spätestens wenn man ein Arbeitszeugnis braucht. Aus meiner Sicht bringt es nicht viel, zum Arzt zu gehen, ausser für ein Arbeitszeugnis. Eine echte Grippe bringt man kaum in drei Tagen durch, sie dauert eine Woche bis zehn Tage. Kehrt man zu früh zur Arbeit zurück, holt man sich einen Rückfall.

Welche Medikamente empfehlen Sie bei Grippe?

Die Gliederschmerzen können teilweise so stark sein, dass herkömmliche Schmerzmittel nicht ausreichen und man zu einem höher dosierten Rheumamittel greifen muss, um gegen diese Schmerzen anzukommen. Da reicht ein Aspirin oft nicht mehr aus. Gegen den Husten oder allfälligen Schnupfen gibt es diverse schleimlösende und hustenberuhigende Mittel zur Wahl.

Was ist mit Pflanzenkraft möglich?

Ich bin ein Fan von Pelargonium, dem antiviralen Extrakt einer südafrikanischen Geranienwurzel. Wir bieten diese natürliche Arznei als Tropfen, Tabletten oder Urtinktur an. Man kann es prophylaktisch einnehmen oder wenn man das erste Kratzen im Hals spürt. Die meisten Erkältungen
beginnen bekanntlich im Hals. Dies ist der Augenblick, um zwei- bis dreimal direkt in den Hals zu sprayen und dies halbstündlich oder stündlich zu wiederholen − bis es besser geht. Die Kur sollte für zehn bis vierzehn Tage durchgehalten werden, denn obwohl Pelargonium antiviral wirkt, ist es kein Viruskiller. Der Wirkstoff schläfert das Virus lediglich ein und verhindert, dass es sich in der Nase und in den Bronchien ausbreitet. Nach vierzehn Tagen verliert das Virus seine Aktivität. Pelargonium löst zudem den Hustenschleim und beruhigt den Husten.

Was hilft bei Halsweh?

Es gibt verschiedene Lutschtabletten, doch wenn man zu viel davon nimmt, kann es auf den Magen schlagen. Ich rate deshalb zu «Ribes Nigrum», einem spagyrischen Spray, der schnelle und gute Linderung bringt. Er wird aus Blättern von schwarzen Johannisbeeren hergestellt.

Was für natürliche Alternativen gibt es bei Husten?

Nebst Pelargonium empfehle ich Kapseln mit ätherischen Ölen. Bewährt hat sich ein Produkt, das ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl enthält. Es wirkt sowohl in den Bronchien wie auch in den Nasennebenhöhlen schleimlösend und schützt vor einer Vereiterung.
Bei zähem Schleim eignet sich auch Acetylcystein,eine Aminosäure. Erleichterung bringen zudem Brustsalben. Man schläft ruhiger und leidet weniger schnell an Hustenreiz.

Was ist mit Hustensäften?

Hustensirups sind primär für Kinder gedacht. Aber es gibt auch grosse Kinder, die Sirup lieben.

Wie wird man den Schnupfen los?

Auch hier gibt es ein gutes pflanzliches Mittel mit ätherischen Ölen aus Schlüsselblumen, Enzianwurzel, schwarzem Holunder, Sauerampfer und Eisenkraut. Es löst den Schleim und befreit den Kopf vom unangenehmen Druck. Wirksam ist auch ein Acetylcystein-Nasenspray, der allerdings schweflig riecht.
Das Beste für die Stirnhöhlen sind Dämpfe, Dämpfe und nochmals Dämpfe, mindestens dreimal pro Tag, sonst bringt es nichts. Arbeitet man tagsüber, kann man auch abends drei Durchgänge machen, bevor man ins Bett geht. Sind die Schleimhäute geschwollen, braucht es vorerst noch ein abschwellendes Schnupfenmittel, damit der Dampf überhaupt durchkommt. Hier rate ich auch Erwachsenen zu einem Kinder-Nasenspray, weil die weniger hoch dosiert sind.

Wie sieht es mit Tees aus?

Ja, unbedingt, den sollte man reichlich trinken, um den Schleim zu verflüssigen und besser abhusten zu können. In der Apotheke gibt es sowohl Husten- als auch Erkältungstees. Man kann sie mit Honig und Zitronensaft verfeinern.

 

Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy