Das Hormon zum Wohlfühlen

© drubig-photo – Fotolia.com

Der Botenstoff Serotonin spielt eine wichtige Rolle für unsere Stimmung. Mangelt es am Glückshormon, sinkt die Laune. Es gibt 
aber wirksame Alltagsmassnahmen, um 
das Wohlbefinden natürlich zu steigern!

Der weihnächtliche Lichterglanz ist verschwunden, die trüben Tage wirken jetzt wieder grauer. Zumindest für Menschen, die während der Wintermonate unter einem Stimmungstief oder unter Abgeschlagenheit leiden. In der kalten Jahreszeit mangelt es uns Menschen oft am Botenstoff Serotonin, weil wir uns vorwiegend in geschlossenen Räumen aufhalten und somit zu wenig natürliches Tageslicht tanken. Genug «Lichtein­heiten» sind aber Voraussetzung, um ausreichend vom Glücks­hormon Serotonin zu bilden, das uns gelassen, ausgeglichen und zufrieden macht.

Ist man schlecht drauf, weil es an Serotonin mangelt, kann man sich theoretisch ein modernes 
Antidepressivum (sog. SSRI, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) vom Arzt verschreiben lassen, um die Laune künstlich 
zu heben. Gesünder sind jedoch Alltagsmassnahmen, die unseren Organismus anregen, das Glückshormon selber zu bilden.

Was hilft, weiss der Buchautor Dr. Günter Harnisch (78), ein langjähriger Experte für Volksheilkunde. Die GlücksPost hat bei ihm nachgefragt.

Welche Krankheiten können entstehen, wenn es am Glückshormon Serotonin mangelt?

Dr. Günter Harnisch: Serotonin­mangel kann das Entstehen sehr unterschiedlicher, teilweise krankhafter Erscheinungen fördern, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Dazu zählen Hyperaktivität, erhöhte Schmerzempfindlichkeit, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Ängste, aber auch Vergesslichkeit, Heisshungerattacken, Intoleranz, Aggressivität und erhöhte Stressempfindlichkeit. All diese Symptome können, wie mehrere Forschergruppen in den USA herausgefunden haben, auf einen zu niedrigen Serotoninspiegel zurückzuführen sein.

Sie haben ein Programm 
entwickelt, um die Ausschüttung von Serotonin natürlich anzuregen. Wie funktioniert es?

Die erste Säule, auf der das Glücks­programm steht, setzt bei der 
Ernährung an – mit einer speziellen serotoninsteigernden Kost. Die zweite Säule gründet auf 
fernöstlicher Akupunktur und 
auf Akupressurmethoden, die sich für die Selbstanwendung gut eignen. Sie geben dem Körper vor allem Ruhe, Entspannung und Ausgeglichenheit über die Haut, aber auch Schmerzfreiheit, zum Beispiel bei Rückenbeschwerden, wie eine neuere Studie der Universität Essen-Duisburg bestätigt. Bewegung und Sonnenlicht in 
gezielter Dosierung stehen bei der dritten Säule im Vordergrund und führen zu einem deutlichen 
Anstieg des Wohlfühlhormons Serotonin im Gehirn. Bei der vierten Säule geht es darum, unser 
eigenes Glücksempfinden mental zu steigern. Denn ähnlich wie wir unsere Muskeln und unser Gedächtnis durch Übung verbessern, können wir auch unsere Glücksfähigkeit trainieren. Eine spezielle Rangfolge unter den 
einzelnen Komponenten gibt es nicht. Jede der vorgestellten Methoden ist für sich allein wirksam.

Welche Lebensmittel begünstigen das Glücklichsein?

Die Körner von Amaranth und Quinoa enthalten im Vergleich zu Vollkornweizen fast die doppelte Menge Eisen, etwa 30 Prozent mehr Ballaststoffe und Zink, vor allem aber ungewöhnlich viel 
Magnesium und Calcium. Besonders wertvoll sind die Inkakörner durch ihre hohen Anteile an ungesättigten Omega-3-Fettsäuren und an Tryptophan, einem Stoff, aus dem der Körper Serotonin herstellen kann. Tryptophan ist auch in Sojabohnen enthalten und – allerdings in geringerer Konzentration – in weissen Bohnen, Milchprodukten, Schokolade und Rindfleisch.

Wie wird Glück über die Haut 
angeregt?

Dass unterschiedliche Massagetechniken Glücksempfindungen auslösen, ist aus vielen Kulturkreisen bekannt. In meinem 
Buch geht es darum, Methoden der Selbstakupressur und Akupunktur zur Erhöhung der Glücksfähigkeit anzuwenden.

Schon unsere Grosseltern wussten, dass Bewegung an der frischen Luft guttut. Gibt es wissenschaftliche Forschungen, die dies untermauern?

Bereits die grossen Ärzte der 
Antike nutzten die heilende Kraft des Sonnenlichts bei allen möglichen Erkrankungen. Bei uns setzt die Erfahrungsmedizin Behandlungen mit Sonnenlicht seit Jahrhunderten erfolgreich ein – vor 
allem bei Rachitis, Osteoporose und zur Wundheilung. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen gute Erfolge durch 
dosierte Sonneneinstrahlung bei Bluthochdruck, Herzschwäche, Schuppenflechte und rheumatischen Erkrankungen, aber ebenso bei bestimmten Formen von Depressionen und Schlafstörungen. Weitere Forschungen dazu sind dringend notwendig und wünschenswert. Häufig bestätigen 
solche Untersuchungen vergessenes Wissen, das schon unsere 
Ahnen erfolgreich angewandt 
haben.

Kann man Glück trainieren, 
so wie dies bei Muskeln der Fall ist?

Ja, Glück kann man tatsächlich trainieren. Am besten geht das, indem man seine eigene Begeisterungsfähigkeit stärkt. Zum einen können wir in unserem Leben möglichst viele Situationen schaffen, in denen wir uns für etwas 
so richtig begeistern. Denn immer dann, wenn uns etwas unter die Haut geht, wenn uns etwas so richtig gut gelungen ist, wird in unserem Gehirn eine Gruppe bestimmter Nervenzellen aktiviert. Diese Zellen schütten dann eine ganze Kaskade von Glücksbotenstoffen aus und bilden entsprechende neue neuronale Netz­werke aus. Unser Gehirn ent­wickelt sich so, wie wir es mit 
Begeisterung nutzen. Wenn wir uns langweilen, geschieht nichts dergleichen.

 

TB_Harnisch_Gut drauf
Das Buch zum Thema

Der neue Ratgeber «Endlich gut drauf!» von Dr. Günter Harnisch ist im Verlag Mankau erschienen und kostet CHF 15.90.

 

 

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy