Länger jung mit Rohkost

© Serghei Velusceac - Fotolia.com

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Die Amerikanerin Mimi Kirk ist der lebendige Beweis, dass man ohne Tabletten gesund altern und auch mit 76 Jahren noch blendend  aussehen kann. Ihr „Geheim-Rezept“: Sie ernährt sich ausschliesslich von Rohkost und frisch zubereiteten Smoothies.

Im reifen Alter von 69 Jahren hat sie ihre Ernährung auf vegane Rohkost umgestellt und von da an Gekochtes von ihrem Speisezettel verbannt. Eine Woche vor ihrem 71. Geburtstag wurde sie dann von der Tierschutzorganisation PETA zur „Sexiest Vegetarian Over 50“ (d.h. zur „erotischsten Vegetarierin über 50“) gewählt und schlagartig über die Landesgrenzen hinaus bekannt: Die Rede ist von der 76-jährigen Mimi Kirk, einer blonden, langhaarigen Grossmutter, die bereits mit 29 Jahren Witwe wurde und vier Kinder alleine gross zog. Um ihre Familie zu ernähren, schlug sie sich u.a. als Film-Statistin in Hollywood, Modeschmuck-Designerin und Hausdame einer reichen Familie durch.

Alternative zu Medikamenten gesucht

Mimi Kirk

Mimi Kirk

Bei einer Gesundheitskontrolle vor sieben Jahren wollte ihr der Arzt „ein paar kleine Pillen“ verschreiben – weil sie unter hohem Blutdruck, einem hohen Cholesterinspiegel sowie Arthritis litt. Und zudem neun Kilos zu viel auf die Waage brachte. „Mehr brauchte ich mir gar nicht anzuhören. Ich wusste jetzt, dass ich etwas ändern musste, um nicht für den Rest meines Lebens Tabletten zu schlucken“, erinnert sich Mimi Kirk. „Da ich seit fast vierzig Jahren Vegetarierin bin, hielt ich mich für jemanden, der sich gesund ernährt, zumindest im Vergleich zu den meisten anderen Menschen.“ Auf der Suche nach einer nicht-medikamentösen Lösung für ihre Gesundheitsprobleme, begann Mimi Kirk im Internet zu recherchieren. Dabei stiess sie immer wieder auf das Thema „Rohkost“.
„In Kommentaren wurde behauptet, durch Rohkosternährung seien schon viele kleinere und auch grössere Krankheiten geheilt worden. Viele Menschen hatten enorm abgenommen und dadurch mehr Energie und Widerstandskraft gewonnen“. Obwohl Mimi Kirk leidenschaftlich gerne kocht und sich selber als Feinschmeckerin bezeichnet, beschloss sie, sich auf einen einwöchigen Rohkost-Versuch einzulassen. Sie fühlte sich danach derart energiegeladen, dass sie gleich weitermachte. Ihre gesundheitlichen Probleme verschwanden, ihre überflüssigen Kilos auch. Inzwischen ist die Strahlefrau zu einem Aushängeschild der Rohkost-Bewegung avanciert und vor kurzem ist ihr zweites Rezeptbuch auch auf Deutsch erschienen.

Was genau ist Rohkost?

Auch wenn es zahlreichen Menschen nicht bewusst ist: Beim Essen geht es nicht nur darum, satt zu werden. Sondern vor allem auch darum, unseren Körper täglich mit all den Vitalstoffen zu versorgen, die er braucht, um reibungslos zu funktionieren und gesund zu bleiben. Vereinfacht gesagt gilt: Je mehr Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe unser Essen enthält, desto fitter sind wir. Da beim Kochen bzw. Erhitzen Vitalstoffe verloren gehen bzw. zerstört werden,  essen Rohköstler ausschliesslich Ungekochtes sowie Nahrungsmittel, die nicht über 42 Grad Celsius erwärmt wurden. Weil ab dieser Temperatur nicht nur manche Vitamine, sondern auch Verdauungsenzyme ihre Wirkkraft verlieren.

Was gibt es zu essen?

Komplett auf Rohkost umzustellen, bedeutet nicht, ständig Salat zu essen und Säfte/Smoothies zu trinken. Um schmackhafte Speisen aus Gemüsen, Früchten, Nüssen, Samen, Sprossen, Krätuern, kaltgeschleudertem Honig und kaltgepresstem Öl zuzubereiten, braucht es allerdings etwas Übung beim Zubereiten und Würzen der Gerichte, damit sie munden. So wird beispielsweise der Teigboden einer Tomaten-Zucchini-Tarte aus Cashewnüssen, Leinsamen, Zucchettis, schwarzen Oliven, frischen Kräutern, Olivenöl, Zitronensaft und Würzhefe zubereitet und anschliessend fünf bis sechs Stunden bei 42 Grad in einem Dörrautomaten getrocknet, bevor er belegt wird. Rezept-Inspirationen finden Rohkost-Anfänger zuhauf im Internet. Oder im neuen Buch von Mimi Kirk.

 

Das Buch zum Thema

Mimi Kirk BuchFür ihr neues Buch „Raw around the World – 120 Lieblingsrezepte aus der italienischen, französischen, spanischen, griechischen, deutschen, thailändischen und indischen Küche“ ist Mimi Kirk zusammen mit ihrem 20 Jahre jüngeren Lebenspartner und einem bescheidenen Reisebudget durch zahlreiche Länder  gereist, um Rohkost-Rezepte zu entdecken, die auch Geniessern schmecken (Hans-Nietsch-Verlag, CHF 32.90).

 

 

Wenn Rohkost schadet

Frische Gemüse, Früchte und Sprossen im Rohzustand enthalten zweifellos ein Höchstmass an gesundheitsfördernden Vitalstoffen. Dennoch birgt eine strenge Rohkost-Ernährung auch Gefahren bzw. ist nicht für jedermann geeignet.
Der hohe Anteil an Ballast- oder Faserstoffen erfordert Höchstleistungen vom Verdauungstrakt. Mit zunehmendem Alter lässt die Verdauungskraft in der Regel nach, was zu Völlegefühl, schmerzhaften Blähungen oder Durchfall führen kann. Bei einem Mangel an Verdauungssäften, Reizdarm oder Leberproblemen ist es besser, Gemüse & Co. kurz zu dünsten, damit sie leichter verdaulich werden. Um nächtliche Gärungsprozesse im Darm zu vermeiden, wird empfohlen, abends generell auf rohes Gemüse und Obst zu verzichten.
Dauerhafte Rohkost-Ernährung kann auch zu einem Mangel an Vitamin B12, Eisen und Proteinen führen. Mögliche Folgen sind Anämie (Blutmangel), das Ausbleiben der Monatsblutung, Muskelabbau, schwächeres Bindegewebe oder Untergewicht.

 

 Erschienen in: GlücksPost. ©  Marie-Luce Le Febve de Vivy