Fieber hilft heilen

© Matthias Stolt - Fotolia.com

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Haben wir Fieber, machen wir uns Sorgen. Zu Unrecht: Erhöhte Körpertemperatur ist eine gesunde Reaktion unseres Immunsystems, das damit eindringende Krankheitserreger ausser Gefecht setzen will.

Von Fieber spricht man, wenn die Körperkerntemperatur erhöht ist und über 38°C steigt. Die Hitze im Körper ist allerdings keine Krankheit, sondern ein Symptom. Und dieses warnt: „Achtung, da ist etwas nicht in Ordnung im Körper!“
Wir sind es gewohnt, Fieber als lästiges Übel mit irgendwelchen Tabletten wegzudrücken. Dabei besitzt Fieber eine enorme Heilkraft. Fieber ist eine geniale Reaktion unseres Immunsystems, um eindringende Krankheitserreger zu bekämpfen. Ob Bakterien, Viren oder Parasiten: Gelangen die „Bösewichte“ ins Blut, sorgen Botenstoffe dafür, dass das Temperaturregelzentrum im Gehirn die Körpertemperatur auf einen höheren Sollwert einstellt  – vergleichbar mit einem Thermostat. Die gewünschte Temperatur wird dadurch erreicht, dass die Leber mehr Wärme erzeugt und die Muskeln zittern (sogenannter Schüttelfrost).

Wozu ist Fieber gut?

Die Fieberhitze beschleunigt die Durchblutung sowie weitere Stoffwechselvorgänge und sorgt dafür, dass vermehrt weisse Blutkörperchen gebildet werden – jene Fresszellen, die die Krankheitserreger ausschalten. Zudem mögen es die Eindringlinge nicht, wenn es zu warm wird. Herrscht Fieber vor, können sie sich nicht mehr so gut vermehren und gehen zugrunde.
Darum sollte man niedriges bis mittleres Fieber im Normalfall nicht sofort mit  Medikamenten künstlich senken. Sondern es  – im Gegenteil – sanft fördern. Die Immunreaktion funktioniert bei unterschiedlichsten Infektionskrankheiten – von der Erkältung, Grippe über Magen- und Darminfektionen bis zu Kinderkrankheiten wie Röteln oder Windpocken.

Mit Medikamenten gegen das Fieber?

Heutzutage sind wir es gewohnt, Fieber mit (Schmerz-)Medikamenten umgehend zu senken. Es gilt, möglichst schnell wieder arbeits- bzw. schulfähig zu werden. Mit fatalen Folgen, denn Fieber unterstützt nicht nur die Heilung des eigenen Körpers. Es sorgt auch dafür, dass wir uns die nötige Bettruhe gönnen. Wird das Fieber künstlich unterdrückt, fühlen wir uns zu schnell wieder wohl und verlassen das Haus, bevor das Immunsystem alle Krankheitserreger vernichtet hat. Damit erweist man seinen Arbeitskollegen einen Bärendienst, indem man die Grippeviren weiter streut.

Was tun bei Fieber?

Damit sich der Körper auf die natürliche Immunabwehr konzentrieren kann, sollte man sich bereits beim ersten Frösteln hinlegen und warm zudecken.

  • Schonen Sie sich und verrichten Sie keine körperlich strengen Arbeiten.
  • Verzichten Sie auf TV oder Lesen und dösen Sie lieber vor sich hin.
  • Bei Temperaturen bis etwa 38,5° C kann der Fiebereffekt mit schweisstreibenden Mitteln wie warmem Lindenblütentee oder Holunderbeerensaft verstärkt werden. Das Schwitzen wiederum dient dem Körper zur Kühlung.
  • Liegen keine Herz- oder Kreislaufprobleme vor, eignen sich auch Erkältungsbäder als Schwitzkur.
  • Ganz wichtig ist, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, indem man pro Tag  mindestens 2 Liter Wasser oder Tee trinkt. Den Salzverlust deckt man beispielsweise mit Hühnersuppe, Bouillon oder Salzstengelis.
  • Gesunde Menschen sollten Fieber bis 39,5 Grad nur senken, wenn sie sich sehr unwohl fühlen oder Schmerzen haben. Eine Möglichkeit, das Fieber sanft um 1 bis 2° C zu senken, ohne die Heilreaktion zu beeinträchtigen, sind sogenannte Wadenwickel. Dafür werden Baumwolltücher mit kaltem bis lauwarmem Wasser angefeuchtet, um die Unterschenkel gewickelt und mit einem trockenen Tuch abgedeckt – für 15 bis 20 Minuten.

Ab wann ist Fieber gefährlich?

Gefährlich wird es, wenn die Temperatur über 40° C steigt oder Fieber über 39 ° C länger als drei Tage andauert. Dann gilt es einerseits, das Fieber zu senken, andererseits einen Arzt aufzusuchen bzw. zu rufen. Fieber über 41 Grad kann tödlich verlaufen.
Ältere Menschen, Geschwächte und chronisch Kranke sollten auf alle Fälle ihren Arzt konsultieren. Denn Senioren können Wärme nicht mehr so gut speichern. Deshalb kann es vorkommen, dass das Fieber „nur“ bis 38 Grad steigt – trotz gefährlicher Lungenentzündung.
Vorsicht geboten ist auch bei Kleinkindern. Im Alter von fünf Monaten bis fünf Jahren erleiden etwa vier Prozent von ihnen Fieberkrämpfe. Obwohl ein Fieberkrampf ähnlich aussieht wie ein epileptischer Anfall ist er grundsätzlich harmlos. Er tritt bei schnell steigendem Fieber auf, dauert von wenigen Sekunden bis maximal zehn Minuten und endet in den meisten Fällen von selbst. Dauert er länger, sollte der Notarzt gerufen werden.

 

Fieberhöhen
  • 36,6° bis 37,4°: normale Körpertemperatur
  • 37,5° bis 38,0°: erhöhte Temperatur
  • 38,1° bis 38,5°: leichtes Fieber
  • 38,6° bis 39,0°: mässiges Fieber
  • 39,1° bis 39,9°: hohes Fieber
  • 40,0° bis 42,5°: sehr hohes Fieber. Unbedingt den Arzt rufen!
  • Ab 42,6°: Lebensgefahr!

Mit zunehmendem Alter steigt das Fieber nicht mehr so hoch. Daher kann erhöhte Temperatur bei älteren Menschen bereits ein Warnzeichen sein. Manche Menschen (jeden Alters) bekommen trotz  Infektionskrankheiten seit Jahren kein Fieber mehr. Dies heisst allerdings nicht, dass sie besonders gesund sind. Es deutet vielmehr darauf hin, dass ihr Immunsystem geschwächt ist.

 

Temperatur richtig messen

Am zuverlässigsten und genauesten ist die Messung im After. Als präzis gelten auch Ohrthermometer, sofern sie richtig bedient werden. Messungen unter der Zunge können 0,3 bis 0,6 Grad zu tief liegen. Die beliebte Messmethode in der Achselhöhle gilt als ungenau.

 

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy