Unten ohne ist gesund!

Copyright: Jenny Sturm / Fotolia

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Ab und zu die Schuhe abstreifen, um barfuss zu gehen – das ist eine Wohltat! In der Schweiz locken immer mehr Barfusspfade, die die Füsse natürlich massieren und trainieren.

Vergangenen Winter musste ich zweimal hinschauen, als ich auf der Sportanlage beim Zürcher Zoo einen Mann beobachtete, der barfuss joggte. Durch eiskaltes Gras, bei Schneegeriesel und Minustemperaturen. Ich dachte: „Dieser Jogger muss irgendwie verrückt sein. Wieso nur tut er sich sowas an?“

Rund zwei Monate später, bei einer Wanderung über steinige Feldwege und frühlingsfeuchte Waldwege staunte ich erneut, als ich forschen Schrittes von einer Frau überholt wurde, die „komische Zehensocken“ statt Schuhe trug.

Barfusslaufen als gesunde Naturarznei

Mittlerweile weiss ich: Beide waren wohl sehr gesundheitsbewusste Personen, die dem aktuellen Barfuss-Trend folgen. Denn für unsere Füsse gibt es nichts Wohltuenderes, als auf freiem Fuss über eine Wiese oder weichen Waldboden zu gehen. Und sich regelmässig von (falschem) Schuhwerk zu befreien, das Fussfehlstellungen wie Platt- oder Senkfüsse fördert.

Bereits Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl im 19. Jahrhundert das Barfussgehen als natürliche Medizin. Eine Ansicht, die offenbar auch von buddhistischen Mönchen geteilt wird. Fest steht:

  • Barfuss gehen stärkt die Fuss-Muskeln. Ohne schützende Schuhsohle müssen sich die Füsse an die Unebenheiten des Bodens anpassen. Dieses natürliche Training hilft, weit verbreitete Fussfehlstellungen wie Platt-,  Senk- und Spreizfüsse oder einem Hallux valgus vorzubeugen.
  • Barfuss laufen tut auch dem Rücken gut. Gestärkte Fussmuskeln wirken als Stossdämpfer und schützen die Wirbelsäule vor Erschütterungen.
  • Barfusslaufen aktiviert die Venen und schützt vor Krampfadern. Davon profitiert auch das Herz-Kreislauf-System.
  • Barfusslaufen stimuliert die Reflexzonen an den Fusssohlen und tut somit dem ganzen Organismus gut.
  • Der direkte Kontakt zum Boden „erdet“, das heisst: Barfusslaufen entspannt und hilft Stress abzubauen. Wer erschöpft ist, kann dabei neue Energie tanken. Einfach und besonders effizient ist das bewusste Abrollen der Füsse. Vom Fussballen zu den Zehenspitzen.
Was Schuhe verändern

Schuhe gehören zweifelsfrei zu unserer Kultur. Barfuss an ein Geschäfts-Meeting oder an ein romantisches Date zu gehen, wäre komplett daneben! Dauernd Schuhe zu tragen ist allerdings erst in der der jüngeren Vergangenheit zur Regel geworden. Davor hat sich die Menschheit Jahrtausende barfuss fortbewegt – so wie es die Naturvölker heute noch tun. Diese Menschen, die täglich über unebene Naturböden laufen, kämpfen selten mit Fussbeschwerden wie Senk- und Spreizfüssen, Hühneraugen oder verkürzten Achillessehnen, da sie weder einengende Schuhe, hohe Absätze noch Flip-Flops tragen. Jeder noch so kleine Schuhabsatz verändert die natürliche Körperhaltung und zwingt zu Ausgleichsmassnahmen. Um aufrecht zu stehen, müssen sich Knöchel, Knie, Hüfte, Wirbelsäule und Kopf anpassen. Was früher oder später in Gelenk- oder Rückenbeschwerden münden kann.
Dank fitter Füsse sind Naturvölker in der Lage, unglaubliche Laufleistungen zu vollbringen. Prominentes Beispiel ist der Volksstamm der Tarahumara im Norden Mexiko. Als hervorragende Langstreckenläufer können sie ohne Pause bis zu 170 km laufen – über Berghänge und durch raue Schluchten.

Tipps für Einsteiger

Zahlreiche Ärzte raten dazu, vermehrt barfuss zu gehen. Das trainiert die Bänder, Sehnen und Muskeln und fördert eine gesunde Zehenstellung. Eine halbe Stunde pro Tag bringt schon viel.
Anfänger mit empfindlichen Fusssohlen beginnen in der Wohnung, auf einer Wiese oder am Strand. Ideal sind auch kurze Barfusspfade mit verschiedenen Unterlagen wie Moos, Holzschnitzel, Tannzapfen und Kiesel. Als nächstes kann man es mit dem Barfusswandern versuchen, indem man zwischendurch die Wanderschuhe auszieht (und wieder anzieht).

  • Achten Sie genau auf den Untergrund, denn Bienen, Dornen, Glassplitter oder Metallteile bedeuten Verletzungsgefahr. Überprüfen Sie deshalb auch den Stand Ihrer Tetanus-Impfung, die alle zehn Jahre erneuert werden sollte.
  • In den Rucksack gehört ein Notfallset (Desinfektionsmittel, Pflaster, Pinzette). Nicht vergessen: Auch Füsse brauchen Sonnenschutz, insbesondere der Fussrücken.
  • Wer seine Füsse (vor Dreck) schützen will und beispielsweise auch auf Asphalt oder in der Stadt barfuss gehen will, kauft sich sogenannte „FiveFingers“ (Zehenschuhe), die eine hauchdünne Sohle und Ausstülpungen für alle fünf Zehen haben.
Hier heisst es aufpassen

Diabetiker sollten vom Barfussgehen in der Natur absehen, da ihr Schmerzempfinden oft gestört ist. Bemerken sie kleine Verletzungen an den Füssen nicht umgehend, kann dies zu gefährlichen Infektionen führen. Wer bereits unter Fussproblemen oder Durchblutungsstörungen leidet, sollte zuerst seinen Arzt fragen. Vorsicht geboten ist auch bei einer Insektenallergie.

 

Barfusspfade in der Schweiz

Für Einsteiger und Familien eignen sich sogenannte Barfusswege, die es immer zahlreicher gibt. Wie beispielsweise:

– Kitzelpfad Härzlisee, Engelberg, 220 Meter, www.brunni.ch
– Barfusspfad Kneipp, Rebeuvelier JU, 2 km,  www.sentierpiedsnus.ch
– Barfusstrails Celerina, Engadin, 4 Trails zwischen 2,8 bis 6,1 km, www.engadin.stmoritz.ch/celerina
– Barfussweg Gontner Hochmoor, 5 km ab Jakobsbad, www.appenzell.info
Weitere Barfusspfade im In- und Ausland: www.barfusspark.info

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy