Die Kunst des Entsäuerns

Copyright: fotolia.com

Copyright: fotolia.com

Chronische Übersäuerung schwächt den Organismus und macht krank. Wer seinen Körper erfolgreich entschlacken will, sollte nicht nur basenbildend essen, sondern auch wissen, was seinem persönlichen Stoffwechseltyp guttut.

Experten schätzen, dass heutzutage rund 80 Prozent der Menschen chronisch übersäuert sind. Dennoch haben die wenigsten Schulmediziner ein Ohr für das Thema. Denn sie sind der Meinung, dass unsere Nieren, Lungen, Leber und Darm völlig ausreichen, um den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren.
Anders sieht es die Naturheilkunde: Sie hält die Übersäuerung des Gewebes als Ursache für zahlreiche Beschwerden und Erkrankungen. Erste Anzeichen einer chronischen Übersäuerung sind etwa Muskelschmerzen und -krämpfe, anhaltende Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Mundgeruch, Sodbrennen oder Kopfschmerzen. Sowie Haarausfall, Cellulite, unreine Haut oder brüchige Nägel.

Was macht sauer?

Haupttäter ist der übermässige Verzehr von säurebildenden Nahrungsmitteln und Getränken – sprich: zu viel Fleisch, Würste, Käse, Fisch, Eier, Getreideprodukte, Süssgebäck, Cola oder Alkohol. Sie sind selbstverständlich nicht verboten, sollten aber höchstens 30 Prozent der täglichen Ernährung ausmachen. Die restlichen 70 Prozent im Teller sollten aus basenbildenden Gemüsen, Salaten, frischen Kräutern, Pilzen, Früchten, Kartoffeln und Marronis bestehen. Zur Verfeinerung eignen sich neutral wirkende Nahrungsmitteln wie kaltgepresstes Pflanzenöl, Butter und Rahm. Sowie Mandeln und Haselnüsse
Zu chronischer Übersäuerung trägt selbstverständlich nicht nur einseitige Ernährung bei, sondern auch mangelnde körperliche Aktivität, ungenügendes Wassertrinken, Stress, Rauchen und manche Medikamente.

Ralf Moll

Ralf Moll

Was hilft beim Entsäuern?

Wird der Organismus mit zu viel Säuren überflutet, die er nicht mehr zu ausscheiden vermag, lagert er sie als „Schlacken“ im Bindegewebe, im Fettgewebe, in den Muskeln oder in den Gelenken ab. Oder er versucht, die Säuren über die Haut loszuwerden, was Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder Ekzeme fördert. „Da jeder Mensch anders ist und unterschiedliche Schwachstellen hat, machen sich die Beschwerden individuell bemerkbar“, erklärt der Diplom-Oecotrophologe Ralf Moll, der sich auf Entsäuerung spezialisiert hat und seit über 15 Jahren Fastenkuren leitet (www.typfasten.de).
Für ihn steht fest, dass nicht alle Menschen gleich ticken, wenn es darum geht, Säure-Schlacken abzubauen und den Säure-Basen-Haushalt wieder ins Lot zu bringen. Was die Entsäuerung begünstigt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. „Jeder Mensch kommt mit einem bestimmten Naturell auf die Welt. Diese Naturelle bestimmen unser energetisches Potenzial, unseren Stoffwechsel und Wärmehaushalt, unsere Verdauungsleistung, unser Aussehen und unseren Charakter“, so Ralf Moll.
Ob Salatteller, Gemüsesuppe oder ein Nature-Joghurt voller frischer Kräuter: Um erfolgreich zu entsäuern, muss die Ernährung deshalb an das persönliche Naturell angepasst werden. Eine Frau, die ständig fröstelt und sich hauptsächlich von basischem Obst, Joghurt und Salattellern ernährt, braucht beispielsweise unbedingt wärmende Lebensmittel, um ihrem Stoffwechsel einzuheizen.

Die 3 Grundtypen

Basierend auf der jahrtausendealten Ayurvedalehre unterscheidet Ralf Moll zwischen drei Grund-Naturellen:

Ernährungs-Naturell (ayurvedisch: Kapha-Typ)

„Diese Menschen überlegen in Ruhe und sind beständig. Ihre Verdauung ist träge. Sie essen gerne und reichhaltig, lieben Süsses, Alkohol und fettes Essen. Das Essen gibt ihnen Ruhe und Zufriedenheit“, so Moll.

Der Nachteil: Sie nehmen schnell zu und kämpfen meist mit Übergewicht.

Das braucht es zum Entsäuern:

  • Scharfes, Bitteres und Herbes.
  • vor jedem Essen einen Salat, im Sommer reichlich Rohkost
  • verdauungsfördernde Gewürze wie Ingwer, Kurkuma, Kardamom und schwarzer Pfeffer.
  • viel Bewegung, um der Trägheit entgegenzuwirken.

Möglichst mindern:

  • Essen, das zu fett, zu süss und zu salzig ist. Es verlangsamt den Stoffwechsel und schwemmt das Gewebe auf.
Bewegungs-Naturell (ayuervedisch: Pitta-Typ)

Diese Menschen sind aktiv, leistungsfähig, aber auch leicht erregbar. Aufgrund ihres feurigen Temperamts, schauen sie über Wehwehchen hinweg.

Der Nachteil: Sie greifen gerne zu Fastfood und Fertigprodukten. Über die Jahre hinweg übertreiben sie es mit säurebildenden Nahrungsmitteln.

Das braucht es zum Entsäuern:

  • bittere und herbe Lebensmittel, wie Hülsenfrüchte, Gemüse, Salat und Vollwertgetreide
  • sportliche Aktivität, Ausdauersport jeder Art
  • Erholung, Stress abbauen.

Möglichst mindern:

  • sehr scharfe Gewürze, fettiges, saures und salzreiches Essen.
  • zu viel Sonne und heisses Wetter.
Empfindungs-Naturell (ayurvedisch: Vata-Typ)

Diese kreativen Menschen reagieren sehr sensibel auf ihre Umwelt und tendieren zu Ängsten und Übersensibilität. Sie haben einen wachen Verstand und sind oft helfend oder künstlerisch tätig.

Der Nachteil: Sie schwanken oft zwischen Begeisterung und Enttäuschung. Und fühlen sich schnell gestresst.

Das braucht es zum Entsäuern:

  • leicht gedünstete, warme (Gemüse-)Speisen
  • Salziges
  • Saures (wie Sauerkraut oder Obstessig)
  • Süsses (Früchte, Reis, Süsskartoffeln).
  • Wärmende Gewürze wie Ingwer, Kurkuma, Koriander, Zimt und Pfeffer.
  • Spaziergänge, entspanntes Ausdauertraining (wie Schwimmen, Velofahren oder Nordic Walking).

Möglichst mindern:

  • grosse Mengen an Rohkost und kaltem Essen
  • Scharfes, Bitteres und Herbes.

 

Kartoffeltag zum Entschlacken

Dieser Entschlackungstag von Ralf Moll passt für alle drei Naturelle und kann immer wieder durchgeführt werden: „Beginnen Sie den Tag mit reifem, gedämpftem Obst. Oder trinken Sie einfach nur frisch gepressten Saft. Mittags essen Sie etwa 400 Gramm Pellkartoffeln mit gedünstetem Gemüse oder Salaten. Abends gibt es nochmals Kartoffeln (Back- oder Folienkartoffeln) und dazu wieder Gemüse“.

 

Individuell entsaeuern von Ralf MollDas Buch zum Thema

Der neue Ratgeber „Individuell entsäuern. Säure-Basen-Ausgleich für jeden Stoffwechseltyp“ von Ralf Moll und Gisela Held (Südwest Verlag, CHF 22.90) bietet einen Test, um das eigene Naturell zu bestimmen. Sowie zahlreiche, typgerechte Rezepte zum Entsäuern.

 

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy