Heilkraft aus dem Wald

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Biologe Clemens G. Arvay. Copyright: lukasbeck.com

Der Wald tut uns gut? Ja, und wie! Neue Forschungsergebnisse zeigen: Waldluft enthält Substanzen, die das Immunsystem stärken, vor Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und antidepressiv wirken.

Als kleines Mädchen genoss ich es, wenn wir im Sommer jeweils mit Eltern und Freunden an einem Waldrand picknickten. So konnte ich zwischendurch „abhauen“ und durch das Dickicht strolchen. Das tat richtig gut! Seit jenen Tagen zählen Wälder für mich zu den liebsten Orten, um abzuschalten oder Sorgen wegzuspülen. Kaum spüre ich das grüne Baum-Dickicht um mich, habe ich das Gefühl, in ein entspannendes Energiefeld zu tauchen, in dem ich wieder richtig durchatmen und aufbauende Kraft tanken kann.

Pflanzen wirken über die Luft

Was ich bisher für mein persönliches Ritual hielt, hat offenbar Hand und Fuss! Der österreichische Biologe und Buchautor Clemens G. Arvay hat wissenschaftliche Fakten zusammentragen, die klar aufzeigen, dass Pflanzen nicht nur über ihre Inhaltsstoffe auf uns einwirken. „Pflanzen kommunizieren direkt mit unserem Immunsystem und unserem Unbewussten, ohne dass wir sie auch nur berühren müssten, geschweige denn schlucken“, erklärt Pflanzenwissenschaftler Arvay. Bedeutet dies etwa, dass Pflanzen auch dann heilend wirken, wenn wir sie nicht in Form von Tees, Salben, Tropfen, Tabletten oder Tropfen einnehmen? „Die Wissenschaft beginnt diese faszinierende Interaktion zwischen Mensch und Pflanze erst allmählich zu verstehen“ so Clemens G. Arvay.
Für ihn steht fest, dass Begegnungen mit Pflanzen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen müssen bei der Behandlung von körperlichen und psychischen Leiden. „Es darf keine Klinik ohne Garten oder Zugang zu Wiesen und Wäldern mehr geben, keine Siedlung ohne Naturflächen und keine Stadt ohne Wildnis.“

Stärkere Abwehrkräfte

Wie gesundheitsfördernd es ist, Waldatmosphäre einzuatmen, ist den Japanern seit Jahrzehnten bekannt. „Shinrin-yoku“ – was übersetzt „Waldbaden“ bedeutet – ist im Land der aufgehenden Sonne eine offiziell anerkannte Methode, um Krankheiten vorzubeugen. „Mit gross angelegten wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass bereits ein einziger Tag in einem Waldgebiet die Zahl unserer natürlichen Killerzellen im Blut durchschnittlich um fast 40 Prozent steigert“, präzisiert der Biologe Arvay.   Zudem rege das Einatmen der Waldluft unseren Organismus an, drei der wichtigsten Anti-Krebs-Proteine zu bilden, die potenzielle Krebszellen zerstören können. „Der japanische Medizinprofessor Qing Li konnte gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern nachweisen, dass in bewaldeten Gebieten weniger Menschen an Krebs sterben als in Regionen ohne Wald“.

Wie ist das möglich?

Die Kommunikation zwischen Bäumen, Büschen, Kräutern, Pilzen, Moose, Farnen und dem menschlichem Immunsystem erfolgt über bioaktive Substanzen: Mittels sogenannter „Terpene“ geben Pflanzen ihre (Duft-)Botschaften an die Waldluft ab, um andere Pflanzen oder Insekten zu informieren. „Wenn wir durch den Wald gehen, kommen wir vor allem mit jenen Terpenen der Pflanzenkommunikation in Kontakt, die gasförmig sind. Wir nehmen sie teils über die Haut, vor allem aber über die Lungen auf“, erklärt Arvay.

Auch die Psyche profitiert

Regelmässige Waldspaziergänge wirken nicht nur krebsvorbeugend, sondern auch entspannend und stressabbauend – was die meisten Menschen intuitiv spüren. Mittels wissenschaftlicher Messmethoden konnte nachgewiesen werden, dass sie helfen, den Blutdruck und das Stressniveau zu senken. Von diesem therapeutischen Natureffekt profitieren insbesondere auch Menschen, die an Angststörungen, Depressionen oder Burnout leiden.
Seit längerem belegt ist auch, dass Spital-Patienten mit Aussicht ins Grüne weniger mittelstarke bis starke Schmerzmittel benötigen und schneller genesen als Patienten, die von ihrem Bett aus auf eine Backsteinmauer blicken müssen.

 

Waldbaden – so geht es

Es ist nicht nötig, sich körperlich anzustrengen bzw. Sport zu treiben, um gesundheitlich zu profitieren. Ein Waldbad dauert mindestens zwei (bis rund vier) Stunden. Pro Stunde legt man ungefähr einen Kilometer zurück und verweilt zwischendurch an einem Plätzchen, wo man sich wohlfühlt. Zum Lesen oder meditieren. Die höchsten Konzentrationen an Terpenen findet man im Waldinnern, nicht am Waldrand. Sowie nach Regen oder bei Nebel.
Besonders viele gesunde Terpene geben Nadelgehölze wie Zeder, Zypresse, Pinie, Kiefer, Fichte und Tanne ab. Gefolgt von Laubbäumen wie Buche, Eiche, Birke und Hasel.

 

Das Buch zum Thema

Der Biophilia-Effekt„Der Biophilia-Effekt – Heilung aus dem Wald“ von Clemens G. Arvay, Verlag edition a, CHF 32.90. Das Buch enthält zahlreiche Anleitungen, um die heilende Kommunikation mit der Natur zu verstärken. Sowie umfangreiche Tipps zum Anlegen eines Anti-Krebs-Gartens.

 

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy