Stress-Management: Zeit zum Entspannen

(c) Photographee.eu / Fotolia

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Morgens Stau im Pendelverkehr, mittags kaum Zeit zum Essen, abends quengelnde Kinder – Stress ist in aller Munde. Chronische Überforderung schmälert nicht nur die Gesundheit, sondern ebenso die Lebensfreude. Wir wollten wissen: Welche einfachen Massnahmen helfen, den Alltag entspannter zu erleben?

Der Anteil der Personen, die „häufig“ und „sehr häufig“ Stress empfinden, hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Gemäss einer Studie vom Staatsekretariat für Wirtschaft (SECO) waren im Jahre 2000 gut ein Viertel der Erwerbstätigen chronisch gestresst. 2010 waren es bereits 34,4%. Tendenz steigend.

Doch was genau ist chronischer Stress? Welches sind die „Zutaten“, die Stress zur krankmachenden Gefahr machen? Und schlimmstenfalls zu einem Burnout führen? „Stress entsteht, wenn man das Gefühl hat, Dinge nicht mehr positiv steuern und Probleme nicht mehr lösen zu können“ – erklärt der Verein „stressnostress.ch“, hinter dem namhafte Organisationen wie SECO, Suva und Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz stehen. Negativer Stress entsteht, wenn man über längere Zeit andauernd mit Situationen konfrontiert wird, die überfordern. Und sich nicht mehr in der Lage fühlt, diese zu bewältigen. Dies führt zu einem unangenehm erlebten Ungleichgewicht, das nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern ebenso die Lebensfreude blockiert.

Monika LanzWir haben deshalb bei der Stress-Expertin Monika Lanz (Bild), Coach für Gesundheitsmanagement und Dozentin an Fachhochschulen (www.panoptimum.ch), nachgefragt, was hilft, Druck abzubauen.

Weshalb leiden heutzutage so viele Menschen unter Stress?

Heutzutage scheint alles schneller zu ticken. Vor allem haben wir aber viel mehr Optionen als früher. Ob Handy-Abo, Schnäppchen-Preise, Weiterbildungsmöglichkeiten oder Nahrungsmittel: Wir haben die Qual der Wahl, müssen ständig Entscheidungen treffen und haben deshalb das Gefühl, es gehe alles schneller. Um sich nicht zu verzetteln, muss man lernen, Prioritäten zu setzen. Und das ist nicht einfach. Denn es bedeutet auch immer zu verzichten.

Wieso haben wir mehr Druck bei der Arbeit?

Die Konkurrenz steigt – von aussen wie auch innerhalb einer Firma. Man muss wettbewerbsfähig bleiben. Wettbewerb mag uns zu hervorragenden Leistungen animieren, um beispielsweise eine Stelle zu behalten. Die Frage ist dennoch: Wäre weniger nicht mehr?
Der Druck kommt allerdings nicht nur von aussen. Beim Coachen stelle ich immer wieder fest: Wir machen uns selber viel Druck von innen. Jeder Mensch hat seine Idealbilder. Manche setzen die Latten viel zu hoch. Ich lade meine Klienten ein, zu schauen, was realistisch ist.

Woran erkenne ich, ob ich tatsächlich unter übermässigem Stress leide?

Typisch ist innerliches oder gar äusserliches Zittern. Oft liegt ein Magnesium- und Vitamin-B-Mangel vor – Vitalstoffe, die für die Nervengesundheit wichtig sind. Eventuell auch ein Mangel an Kalium und Kalzium.
Kennzeichnend ist auch ein Engegefühl, das mit Kurzatmigkeit, Herzbeschwerden oder Kreislaufbeschwerden einhergeht – je nachdem, wo die eigenen Schwachstellen liegen. Durch die Magnesium-Insuffizienz können auch Wadenkrämpfe plagen. Das Immunsystem ist ebenfalls geschwächt, man steckt sich schneller an, wenn man im Tram beispielsweise angehustet wird.

Und psychisch?

Psychisch ist man überreizt und reagiert selbst auf Nebensächlichkeiten unangemessen genervt. Und fragt sich danach: „Wieso nur habe ich mich derart daneben verhalten?“ Typisch für chronischen Stress ist auch Unlust, die zu einer Depression führen kann. Man hat beispielsweise keine Lust mehr, Freunde zu treffen, die man sonst gut mag.
Krankhafter Stress hat viel mit Kontrollverlust zu tun: Man hat das eigene Leben nicht mehr im Griff, findet keinen Raum mehr für die eigenen Wünsche und fühlt sich permanent als Spielball äusserer Umstände.

Kaum jemand kann seinen Alltag von heute auf morgen komplett verändern. Was sind die ersten Schritte?

Meinen Klienten empfehle ich, vorerst einfach „JA“ zu sagen: „Ja, ich habe Stress. Ja, es ist schwierig“. Und dann einfach mal 3 Atemzüge tief (bis in den Bauch) einzuatmen. Man glaubt es kaum, doch endlich zugeben zu dürfen, dass man total gestresst ist, wirkt körperlich wie seelisch erleichternd. Nun gönnt man sich was, das im Moment gerade gut tut – sei es einen feinen Espresso, sei es ein Stückchen Schokolade, sei es einen frischen Fruchtsaft. Wichtig ist, diesen Augenblick mit allen Sinnen zu geniessen.
Denn sehr oft gehen wir in den Widerstand und wollen uns nicht eingestehen, dass wir überfordert sind. Haben das Gefühl: „Ich muss es doch irgendwie schaffen“.

Und dann?

Erst dann geht es darum herauszufinden, was man langfristig ändern kann und will. Und neue Strategien für den Alltag zu üben, um gelassener zu reagieren. Ich unterstütze meine Klienten, ihre eigene „Mitte“ zu finden. Ob Herzregion, Bauch oder wo auch immer – das ist ein persönlicher Ort im Körper, wo man sich besonders wohl fühlt. In Stresssituationen oder im Konfliktfall – z.B. mit der Chefin, dem Lebenspartner oder den Kindern – atmet man bewusst ein paar tiefe Züge in die persönliche Mitte, bevor man kontert bzw. antwortet. Man hat die Wahl: Entweder schleudert man dem Gegenüber ungefiltert und hässig alles ins Gesicht, was man schon lange sagen wollte. Und trägt allfällige Konsequenzen – wie Kündigung oder Trennung – bewusst. Oder man versucht, sich selber zu beruhigen, indem man beispielsweise beide Füsse bewusst auf dem Boden verspürt und die starke (aktive) Hand auf den Bauch legt. Eine unauffällige Geste, die niemand sieht, die aber entspannt und hilft, besser zu denken und weniger emotional zu handeln.

Reicht das aus, um sich vor einem Burnout zu schützen?

Um körperlich wie seelisch fit zu bleiben, ist es ganz wichtig herauszufinden: Was mache ich wirklich gerne? Was erfüllt mich? Das kann Musik hören, Velofahren, Krimis lesen, Gemüse pflanzen, Nähen, Fotografieren, einen Massage-Kurs besuchen oder bei Kerzenlicht baden sein.
Burnout heisst so viel wie „ausgebrannt sein“.  Muss man im Berufsalltag immer wieder Aufgaben erledigen, die den Lebensunterhalt zwar sichern, aber nicht unbedingt Freude bereiten, braucht es zumindest in der Freizeit einen Ausgleich. Ansonsten geht die „Herzflamme“ aus. Und dann ist man ausgebrannt! Oder anders gesagt: Man hat im Alltag nichts mehr, worauf man sich freuen kann.

Wie finde ich heraus, was meine Zufriedenheit stärkt?

Es ist tatsächlich so, dass heutzutage viele Menschen nicht mehr wissen, was sie zutiefst beglückt. Eine gute Frage ist: Was habe ich als Kind am liebsten gemacht? Geht man zurück zu den „verrücktesten“ und glücklichsten Momenten aus der Kindheit, finden die meisten Menschen etwas, das sie zum „Sprudeln“ bringt.
Funktioniert das nicht, kann man auch an die letzten 3 bis 4 Jahre zurückdenken: In welchen Situationen erlebte ich eine Art „Flow“, wo ich einfach sein konnte, ohne ständig zu denken? Das kann ein Konzert sein, ein Schwimmbadbesuch, oft sind es ganz einfache Sachen. Wenn man es gefunden hat: DAS muss Platz haben! Am besten plant man es fest in den Alltag ein und macht daraus ein Ritual, auf das man sich jeweils freuen kann.
Viele Menschen nehmen sich in der Freizeit viel zu viel vor, weil sie unbewusst auf der Suche nach dieser Freude sind. Um gesund zu bleiben, sollten wir uns auf die Sachen konzentrieren, die uns wirklich erfreuen. Sonst wird auch die Freizeit zum Stress. Wer lieber ein gutes Buch liest, statt an einem Fondue-Abend teilzunehmen, sagt lieber mal „nein“ zu einer Einladung und „ja“ zu sich.

Soziale Kontakte und Networking sind heutzutage aber angesagt…

Hier gilt es abzuwägen, ob diese Kontakte (beruflich) relevant sind oder nicht. Besucht man einen Anlass, der einem nicht wirklich behagt, ist es wichtig, sich bewusst dafür zu entscheiden. Beispielsweise der eigenen Karriere zuliebe. Stressmässig das Schlimmste ist, wenn man teilnimmt und während des ganzen Anlasses denkt: „Ich würde jetzt lieber etwas anderes machen“.
Grundsätzlich hängt es davon ab, in welcher Lebensphase man sich befindet. Für jüngere Menschen ist es wichtig, Aussenkontakte zu pflegen, zu flirten und an Partys zu gehen, um die eigene Individualität zu finden und zu definieren. Ab einem gewissen Lebenspunkt nimmt dieses Bedürfnis ab, man sehnt sich zunehmend nach innerer Ruhe. Sei es mit einem ausgedehnten Waldspaziergang, energiespendenden Yoga-Übungen oder einem kuschligen Wellness-Weekend mit dem/der Liebsten. Wer sich regelmässig Zeit zum Entspannen gönnt, senkt seinen Stresspegel und gibt der Seele Raum, dem kräftezehrenden Gedankenkarussell zu entkommen, um belebende Glücksmomente zu geniessen.

Entspannung aus der Apotheke

Die Apotheke bietet hochwertige Produkte an, die die Entspannung und den Stressabbau natürlich fördern:

  • Magnesium, Vitamin-B-Komplexe sowie weitere Vitalstoff-Präparate
  • Badezusätze zum Entspannen und besser Einschlafen (z.B. Lavendel)
  • Entspannungstees
  • Entspannungstabletten auf Kräuterbasis
  • Schüsslersalze: Nr. 2. Calcium Phosphoricum, Nr. 5. Kalium Phosphoricum, Nr. 7. Magnesium Phosphoricum, Nr. 17. Manganum sulfuricum, Nr. 22. Calcium carbonicum, Nr. 26. Selenium
  • Bachblüten (wie Nr. 11 Ulm, Nr. 23 Olive oder Nr. 71 Anspannung)

Lassen Sie sich beraten!

Erschienen in: astreaAPOTHEKE. © Marie-Luce Le Febve de Vivy