Heizen Sie von innen ein!

(c) Mikhail Malyugin / Fotolia

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Wärmender Curry schmeckt nicht nur wunderbar würzig, er ist auch rundum gesund. Studien zeigen, dass die asiatische Gewürzmischung nicht nur die Abwehrkräfte stärkt, sondern gesamthaft gesund wirkt.

In den nass-kühlen Herbst- und Wintermonaten hilft die richtige Ernährung, sich vor Erkältungen zu wappnen und die Abwehrkräfte zu stärken. Ob Gemüse, Früchte, Frischkräuter oder Sprossen: Bekanntlich gilt Rohkost als beste Quelle vitalisierender Vitamine und Mineralstoffe. Wer derzeit jedoch wenig Lust auf Salat und Smoothies verspürt, muss sich keine Sorgen machen. Denn auch warme, ausgiebig geköchelte Speisen können dem körperlichen Immunsystem einheizen.  Dazu zählen nicht nur hausgemachte Suppen, sondern ebenso exotische Curry-Gerichte.

Gewürze statt Vitamine

Im Ayurveda, der Jahrtausende alten Heilkunde der Inder, sind es nicht die Vitamine, die bei der gesunden Ernährung eine Hauptrolle spielen, sondern ausgewählte Gewürze, die als „göttliche Nahrung“ betitelt werden. Zu den sogenannten Königsgewürzen der ayurvedischen Küche zählen etwa Kurkuma, schwarzer Pfeffer, Ingwer, Koriander, Kardamom, Kreuzkümmel oder Zimt. Was indischen Speisen seit Jahrhunderten ihren exotisch-aromatischen Geschmack verleiht, hat es in sich: Sehr viele moderne wissenschaftliche Studien belegen mittlerweile, dass diese Gewürze vor sekundären Pflanzenstoffen nur so strotzen und bereits in winzigen Mengen auf Körper und Seele wirken. Besonders interessant: viele dieser Gewürze fördern auch die Verdauung!

Das Verdauungsfeuer entfachen

Im Gegensatz zur hiesigen Küche legt man im indischen Ayurveda – wie auch in der traditionellen tibetischen Medizin – grossen Wert darauf, das innere „Verdauungsfeuer“ („Agni“ genannt) ständig am Lodern zu halten. Mit Gewürzen – und wo nötig auch mit Heilpflanzen – die für eine gut funktionierende Verdauung sorgen. Weil bioaktive Nährstoffe im Essen nur dann der Gesundheit dienen, wenn unser Magen und unser Darm tatsächlich in der Lage sind, sie zu verwerten. Funktioniert das „Agni“ nicht optimal, können Verstopfung, Durchfall oder Bauchkrämpfe die Folge sein. Dieses uralte Kochwissen ist teilweise auch noch bei uns vorhanden, wenn wir den Gurkensalat mit Dill würzen, Kohlgerichte mit Kümmel anreichern oder den Sonntagsbraten mit viel frischem Rosmarin und Thymian zubereiten.
Wenig bekannt ist uns hingegen die Tatsache, dass der gesundheitsfördernde Effekt verstärkt werden kann, wenn man mehrere Ingredienzen klug kombiniert und zusammenspielen lässt. Das liegt vermutlich auch daran, dass unsere westlich-analytische Medizin vorzugsweise auf Einzelsubstanzen setzt, da sich deren Wirkung wissenschaftlich einfacher erforschen lässt als die asiatischen Vielstoffrezepturen, die auf Jahrhunderte altem Erfahrungswissen basieren.

Vielstoff-Mix Curry

Auch wenn man Currypulver fixfertig im Supermarkt einkauft: Es ist kein eigenständiges Gewürz, sondern immer eine Mischung, die aus bis zu 30 Einzelgewürzen besteht. Nebst indischen Königsgewürzen enthält Currypulver beispielsweise auch Bockshornklee, Knoblauch, Senfkörner oder Cayenne-Pfeffer. Beim Kauf einer Currymischung lohnt es sich, auf die Zutatenliste zu achten. Und auf Produkte zu verzichten, die mit unnötigen Ingredienzen wie Kochsalz, Glutamat oder Konservierungsmittel angereichert sind. Wer will kann auch seine eigene Curry-Mischung zusammenstellen und im Mörser zermahlen, so wie es zahlreiche Küchenchefs und Hausfrauen nicht nur in Indien, sondern auch in Sri Lanka, Malaysia oder Thailand tun. Die Rezepte werden oft von einer Generation zur nächsten weitergegeben.
Ob Curryhuhn-Suppe, Gemüse-Curry mit Kartoffeln, Rüeblis und Blumenkohl oder Riz Casimir mit selbstgemachter Sauce: Gerade an kalten Tagen lohnt es sich, regelmässig Curry-Speisen zu geniessen, die von der Bauchmitte aus erwärmen und einheizen. Und für gute Verdauung sorgen. Denn rund 80 Prozent unserer Abwehrkräfte, die vor Schnupfen, Husten und Erkältungen schützen, liegen in einem gut funktionierenden Darm.

So wirken die Gewürze im Curry

Kurkuma: Die gelbe Hauptzutat jedes Currypulvers gilt in Indien als natürliches Antiseptikum bei Schnittwunden und Verbrennungen. Zahlreiche Studien belegen, dass Kurkuma auch hilft, Krebs vorzubeugen und das Wachsen eines Tumors zu hemmen. Nützlich ist das Gewürz auch bei  Entzündungen der Gallenwege und der Leber. Möglicherweise wirkt es auch Alzheimer entgegen.

Schwarzer Pfeffer: Das scharfe Gewürz fördert die Verdauung, wirkt schmerzhemmend, antientzündlich und fördert die Ausschüttung von Glückshormonen. Die Ayurveda-Medizin rät vor allem Menschen, die leicht frieren, mehr Pfeffer zu essen.

Koriander: Er wirkt wohltuend auf die Verdauung und soll bei Verspannungen und Schlafstörungen helfen. Zusätzlich soll es bei chronischen Entzündungen wie Rheuma wirken.

Kreuzkümmel: auch dieses Gewürz stärkt die Verdauungskräfte. Darüber hinaus stärkt es das Immunsystem und wirkt entgiftend.

Ingwer: Er zählt zu den Lieblingsgewürzen im Ayurveda, weil er nicht nur erwärmt und entgiftet, sondern auch gegen (Reise-)Übelkeit hilft und vor Erkältungen schützt. Darüber hinaus wirkt Ingwer verdauungsfördernd und schmerzlindernd bei Migräne oder Muskelschmerzen.

Kardamom: Auch dieses Gewürz stärkt die Verdauungskräfte. Zudem wirkt es schleimlösend und soll für frischen Atem sorgen.

 

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy