Einfach abschalten!

(c) vadymvdrobot / Fotolia

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Meditation baut nicht nur Stress ab, sie verjüngt auch das Gehirn und fördert die Gesundheit, zeigen Studien. Bereits kleine Alltagsfluchten können das seelische und körperliche Wohlbefinden erhöhen!

Meditation ist eine uralte spirituelle Technik, um den Geist zu beruhigen. Was buddhistische Mönche und christliche Nonnen seit Jahrhunderten praktizieren, entpuppt sich zunehmend als ganzheitlicher Gesundheitsbrunnen für moderne Menschen. Aktuelle wissenschaftliche Studien – unter anderem von der renommierten Medizinabteilung der amerikanischen Harvard-Universität – belegen: Das stille In-sich-gehen ist nicht nur ein kraftvolles Instrument, um sich von Alltagsstress zu erholen. Regelmässiges Meditieren bewirkt weit mehr.

Messbare Veränderungen im Gehirn

Zu den führenden Persönlichkeiten in der Meditationsforschung zählt die US-Neurowissenschaftlerin Sara W. Lazar. Was sie mit Hilfe von hochmodernen Hirn-Scans gemessen hat, hat sie selber extrem überrascht: Achtsamkeitsübungen über einen längeren Zeitraum können das Gehirn buchstäblich verändern! Wer regelmässig meditiert, kann die Menge an sogenannter „grauer Substanz“ in seinem Gehirn erhöhen. Als wichtiger Bestandteil des zentralen Nervensystems beeinflusst die graue Substanz nicht nur die Intelligenz, sondern ebenso die Gedächtnisfunktion und die Aufmerksamkeit. Üblicherweise schrumpft die graue Substanz mit zunehmendem Alter. Nicht so bei 50-Jährigen, die seit längerem meditieren: Bei ihnen wurden in gewissen Hirnbereichen Werte wie bei 25-Jährigen gemessen. Meditation hilft also mit, den Alterungsprozess zu verlangsamen. Erste positive Veränderungen im Gehirn lassen sich gemäss den Untersuchungen von Lazar bereits nach einem Acht-Wochen-Training nachweisen.

Die Dinge so sein lassen, wie sie sind

Gemäss der Mediationsforschung wirkt sich innere Versenkung auch bei Angststörungen, depressiven Verstimmungen und Zwangsgedanken günstig aus. Wer sich darin übt, seine Aufmerksamkeit mit Achtsamkeitsmeditationen zu steuern, verliert sich weniger in aufwühlenden Grübeleien. Und gewinnt Abstand zu negativen oder selbstverurteilenden Gedanken. Dieses „Loslassen“ hilft wiederum, klarer zu denken und besser zu schlafen.
Wer sich mittels (angeleiteter) Meditation mit guten Gefühlen versorgt, stärkt auch seinen Vagusnerv, der vom Hirn bis in den Bauchraum verläuft. Und zahlreiche Organfunktionen mitbeeinflusst. Ein fitter Vagusnerv sorgt beispielsweise für gute Verdauung,  hilft beim Orgasmus und fördert Mitgefühl und Wohlwollen gegenüber Mitmenschen.
Kurzum: Meditation erhöht das Wohlbefinden und gilt längst nicht mehr als „esoterischer Humbug“. Im Gegenteil. Auch hierzulande steigt die Zahl an Kliniken, die ihren Patienten beibringen, wie sie ihre Gesundung mit Achtsamkeitsübungen unterstützen können.

Lieber kurz als gar nicht

Meditation praktiziert man idealerweise fernab von Störfaktoren – sei es in einer (kirchlichen) Gruppe mit Gleichgesinnten, sei es allein zu Hause in einem ruhigen Raum ohne Telefon und Kindergeschrei, sei es an einem stillen Naturort. Sich täglich dafür Zeit zu nehmen und sich während 20 bis 40 Minuten vom Alltag auszuklinken, klingt für viele allerdings nach (zeitlicher) Herausforderung.
Was hilft, auch an hektischen Tagen dranzubleiben, sind deshalb kürzere Meditationseinheiten, die in den normalen Alltag eingebaut werden. Sei es im Wartesaal beim Arzt, mittags am Büro-Schreibtisch, beim Anstehen an einer Kasse, beim Pendeln zum Arbeitsort oder zwischendurch auf dem WC bei der Arbeit: Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich (mehrmals pro Tag) auch nur wenige Minuten in meditativen Entspannungsmodus zu versetzen, die Augen zu schliessen, tief durchzuatmen und stressende Gedanken wegziehen zu lassen.
Besonders praktisch sind moderne Online-Angebote und Handy-Apps, die überall einsetzbar sind. Dazu braucht es nur ein Mobiltelefon, ein Tablet oder einen PC sowie bequeme Kopfhörer. Zur Wahl stehen gesprochene Anleitungen, die von wohltuenden Klängen untermalt werden (ideal für Anfänger), wunderschöne Naturbilder mit besänftigenden Naturgeräuschen oder Entspannungsmusik, deren Abspieldauer wie ein Wecker zeitlich eingestellt werden kann.

Praktisch für unterwegs

Angeboten werden unzählige Apps für jeden Geschmack. Am besten beginnt man mit kostenlosen Angeboten.

AchtsamkeitAchtsamkeit – Mindfulness: praktisch für Anfänger. Deutsch gesprochene Meditationen für 5, 10, 15, 20, 30 oder 40 Minuten.

 

Relax orientalRelax Oriental: Hilft nicht nur zu entspannen, sondern auch besser einzuschlafen. Mit Klängen wie Seidenstrasse, Frösche oder Tibeter Berge.

 

CalmCalm: Ob Bergsee-Kulisse, Fliegen über Wolken oder tropischer Strand: diese App lädt zum tiefen Durchatmen ein und bietet in der Gratis-Version über 25 wunderschöne, bewegte Naturbilder mit passenden Naturgeräuschen und beruhigender Musik an. Ideal für Kurzpausen zwischendurch, auch mit offenen Augen. Sie ist auch ohne Englisch-Kenntnisse leicht zu gebrauchen.

 

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy