Braun gebrannt und rundum gesund

(c) kab-vision / Fotolia

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Sie duften herrlich und haben in den Wintermonaten Tradition: geröstete Marroni. Ihr gesundheitliches Potenzial wird übrigens oft unterschätzt – sie strotzen nämlich vor Vitalstoffen!

Sie wärmen zuerst die Hände, dann den Bauch: Die Rede ist von den „heissen Marroni“, die hierzulande im Winter an zahlreichen Strassenständen aus qualmenden Kesseln angeboten werden. Die dunkelbraun glänzenden Nussfrüchte breiteten sich vor rund 1000 Jahren in der Südschweiz bis in die oberen alpinen Täler aus. Vor allem in den Wintermonaten zählten sie im Tessin und im Bergell bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu den Hauptnahrungsmitteln der armen Leute – als Basis für Brot, Suppen, Polenta oder Aufläufe. Historische Dokumente belegen, dass Kastanienmehl bereits im 12. Jahrhundert auf den Märkten von Locarno und Bellinzona gehandelt wurde.
Mit dem Aufkommen von Kartoffeln und Mais verlor das „Brot der Armen“ allerdings an Bedeutung – bis das Gesundheitspotential der nährstoffreichen Edelkastanien wieder-entdeckt wurde.

Fettarme Sattmacher

Heute weiss man, dass Marronis aufgrund ihrer komplexen Kohlenhydrate und Ballaststoffe zu den Leckereien zählen, die lange satt halten. Zudem enthalten sie hochwertiges Eiweiss sowie Vitamine  (B und C) und Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium, Magnesium und Eisen. Und im Gegensatz zu anderen Nüssen sind sie fettarm. 100 Gramm Esskastanien haben rund 180 Kalorien und nur 2 Gramm Fett – Erdnüssli oder Mandeln hingegen bringen es auf 49 Gramm Fett und 570 Kalorien.
Ein besonderer Pluspunkt ist der hohe Kaliumgehalt (rund 710 mg pro 100 Gramm). Der basische Mineralstoff reguliert den Wasserhaushalt und neutralisiert überschüssiges Natrium (Salz) in unserem Körper. Da sich heutzutage zahlreiche Menschen viel zu salzreich ernähren – vor allem, wenn sie zu Fastfood und Fertigmahlzeiten greifen – hilft häufiger Marroni-Genuss mit, überhöhten Blutdruck zu senken und das Risiko für Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Herz-Rhythmus-Störungen herabzusetzen.

Basische Nervennahrung

Marronis stärken auch die Nerven. Nicht nur wegen des Kaliums, das wichtig ist, um Nervenreize weiterzuleiten. Sondern auch wegen der B-Vitamine. Sie erhöhen die nervliche Belastbarkeit und wirken geistiger Erschöpfung entgegen. Ein Vorteil, der gerade in der vorweihnachtlichen Zeit sehr praktisch ist. Wenn etwa der Geschenkeinkauf in überfüllten Warenhäusern die Nerven blank legt oder am Arbeitsplatz Höchstleistungen vor den Feiertagen angesagt sind, schnappt man sich am besten eine kleine Tüte Marronis am nächsten Strassenstand, um wieder zu Kräften zu kommen.
Im Gegensatz zu einem Schokolade-Stängeli, einem Hot-Dog oder einem Pizza-Stück, die den Körper übersäuern und somit Stress verstärken, zählen die süssliche schmeckenden Nussfrüchte zu den raren Snacks, die basenüberschüssig wirken. Sie entspannen somit nicht nur die Verdauung, sondern fördern gleichzeitig das Rundum-Wohlbefinden. Zudem beinhalten sie die  Aminosäure Tryptophan, die die Produktion des Glückshormons Serotonin ankurbeln.

Praktischer Fastfood

Geröstete Marronis eignen sich bestens für die schnelle Verpflegung im Alltag und lassen sich unkompliziert zu einer vollwertigen Mahlzeit ausbauen. Hier ein paar Ideen:

  • Basenzauber: Marronis schälen, halbieren und in einen fixfertigen Gemüsesalat aus dem Supermarkt geben. Mit kaltgepresstem Olivenöl, Apfelessig (der einzige Essig, der basisch wirkt), Kräutersalz und evtl. Peterli und Knoblauchpulver  würzen. Zur Not tut es auch eine Fertig-Salatsauce.
  • Mediterran knabbern: Zu den Marronis gibt es ein paar Cherry-Tomaten und Mozzarella-Stängel, die es fixfertig zu kaufen gibt. Für zusätzlichen Geschmack sorgt ein Schälchen, in dem Basilikum, Pfeffer, Kräutersalz sowie wenig Olivenöl vermischt werden – als Dip.
  • Möglichst einfach: Als Ergänzung zu den Marronis löffelt man einen Becher Hüttenkäse oder ein Nature-Joghurt. Praktisch für unterwegs ist der türkische Joghurt-Drink Ayran. Als Dessert eignet sich ein Apfel oder eine Orange.

 

Kastanienweg: auf den Spuren der Marronis

Im tessinerischen Malcantone lädt der Kastanienweg dazu ein, Naturerlebnis mit Weiterbildung zu kombinieren. Der ausgeschilderte Wanderweg liegt auf 750 bis 800 Metern Höhe, ist 11 Kilometer lang und verläuft durch die Ortschaften Arosio, Mugena, Vezio, Fescoggia und Breno. Die Strecke ist ganzjährig leicht zu laufen und lässt sich in etwa fünf Stunden zurücklegen. Wer nur einen kleinen Abschnitt wandern möchte, kann das von jedem Ort aus tun. Weitere Infos: www.luganoturismo.ch

 

Erschienen in: GlücksPost. © Marie-Luce Le Febve de Vivy